Die Ditib will keinen "deutschen Islam". (Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert/Archiv)
Ditib

Abschotten und verschleiern

Mit einer geheimen Islam-Konferenz und radikalen Gästen hat der türkische Islam-Verband Ditib erneut seine Abschottung und Abhängigkeit von der türkischen Diktatur gezeigt. Einen "europäischen Islam" lehnt Ditib ausdrücklich ab.

An einer geheim gehaltenen Islamkonferenz mit dem Namen „II. Treffen der europäischen Muslime“ vom 2. bis 4. Januar in der Ditib-Zentralmoschee in Köln haben offenbar auch radikale Muslime, die der Muslimbruderschaft nahestehen, teilgenommen. Dies hatte zunächst der Kölner Stadtanzeiger berichtet, dann weitere Medien – und der Verband auf Anfrage der Zeitung Die Welt auch nicht dementiert. Der Moscheeverband erklärte laut Angaben der Zeitung lediglich, man könne sich bei einem glaubwürdigen und ehrlichen Austausch die Gesprächspartner nicht aussuchen, sondern habe die „gesellschaftliche Relevanz seiner Ansprechpartner“ zu respektieren – also auch der „konservativen“.

Dass Ditib sich mit solchen Gruppen verbündet, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Verband.

Joachim Herrmann, CSU

In Deutschland wird die Muslimbruderschaft allerdings vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD), ebenfalls mit Sitz in Köln, gilt als „wichtigste und zentrale Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland“, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht. Die IGD-Aktivitäten seien „geeignet, eine ablehnende Haltung gegenüber westlichen Werten zu verstärken und eine Distanz zur Demokratie zu fördern“.

„Dass Ditib sich mit solchen Gruppen verbündet, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Verband“, kritisierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in der Augsburger Allgemeinen. „Die Bruderschaft vertritt Standpunkte, die mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringen sind, da muss der Staat sehr aufmerksam sein.“ Die Religionsfreiheit in Deutschland decke nicht „Versuche aus dem Ausland, massiven religiösen Einfluss zu nehmen“. Er schloss erneut eine Beobachtung des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib durch den Verfassungsschutz nicht aus.

Abschotten und verschleiern

Ditib machte auch erst danach öffentlich, dass die Konferenz überhaupt stattgefunden hatte, und veröffentlichte eine 18 Punkte umfassende Abschlusserklärung. Dieses Verhalten bestätigte Kritiker, die einerseits die Abschottung und andererseits die Abhängigkeit des Verbandes von der türkischen Führung beklagen. Schon die Eröffnung der neuen Kölner Zentralmoschee hatte Ditib unter Ausschluss der entscheidend an dem Bau beteiligten deutschen Kommunalpolitiker sowie anderer deutscher Politiker gefeiert.

„Die Verantwortlichen der Ditib-Konferenz in Köln hätten gut daran getan, die deutschen Ansprechpartner zu beteiligen, die Öffentlichkeit zu informieren und sich klar von radikalen Gruppen abzugrenzen“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), den Stuttgarter Nachrichten. „Die Ditib-Führung hat durch diese Konferenz und ihr Ergebnis die bereits bestehenden Zweifel an ihrer Eignung als seriöser Gesprächspartner erheblich verstärkt“, erklärte der CDU-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Bodo Löttgen. Er kritisierte ebenfalls eine „fehlende Abgrenzung der Ditib-Führung von radikalen, antidemokratischen muslimischen Kräften“. Dies sei nicht hinnehmbar und müsse zu einer „Konkretisierung der Überlegung der Beobachtung der Ditib selbst durch den Verfassungsschutz führen“.

Pressefreiheit auf türkisch

Auch Teile der in Köln behandelten Themen stoßen auf Kritik: Mehr als 100 Teilnehmer aus 17 Ländern haben laut der Ditib-Pressemitteilung unter anderem darüber beraten, „Strategien gegen negative Wahrnehmung des Islams in den europäischen Medien“ zu erarbeiten. Dies wird in Punkt 15 der Abschlusserklärung näher ausgeführt: Medien sollten ihre Haltung aufgeben, Muslime jeweils als “Andere”, “Fremdelemente” und “Problemquellen” darzustellen. Im Klartext: Probleme mit Muslimen sollten nicht mehr benannt werden.

Bedenkliche Ergebnisse

Es gab noch weitere bedenkliche Ergebnisse der Konferenz: Die Delegierten haben laut Punkt 18 beschlossen, ein Sekretariat mit Sitz in Ankara zu gründen, das regelmäßige Treffen europäischer Muslime organisieren soll. Punkt 17 will die Bildung eines Koordinierungsrates (den es in Deutschland seit 2007 gibt), der „die effektive und schnelle Kommunikation zwischen den europäischen Muslimen gewährleistet und Visionen unterbreitet“. Nach Ansicht deutscher Medien ist das Sekretariat „eine Antwort auf die Bemühungen europäischer Staaten wie Deutschland oder Österreich, die Rolle der Türkei in den islamischen Organisationen ihrer Länder einzudämmen“.

Die Augsburger Allgemeine berichtet sogar, der Einfluss der Türkei auf Muslime in ganz Europa solle „systematisch“ ausgebaut werden. Denn bisher propagierte die Ditib nur einen Islam: Den, den Ankara vorgab. Dies sehen auch andere deutsche Muslime so: Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, bedauerte im Gespräch mit dem Tagesspiegel Tendenzen zur „Ethnisierung der muslimischen Community mit Ausrichtung ins Ausland“.

Die Kölner Konferenz erteilte denn auch Überlegungen für einen „deutschen Islam“ eine klare Absage – also einer Auslegung, die inhaltlich Grundgesetzkonform wäre. Die Schlusserklärung betonte: Regionale oder nationale Bezeichnungen „wie ‚deutscher Islam’, ‚französischer Islam’, ‚belgischer Islam’ oder ‚europäischer Islam’“ stünden „im Widerspruch zur Universalität des Islams, der alle Epochen und Orte zugleich erleuchtet“. Der Bundesbeauftragte Grübel stellte in der Welt dazu aber klar: „Der Islam, den die in Deutschland lebenden Muslime praktizieren, muss die deutschen Werte achten.“

Keine Rückbesinnung auf Sachthemen

Dabei hatte die Ditib am 7. Januar nach ihrer Vorstandswahl eine lange Erklärung veröffentlicht, in der es unter anderem hieß: „Es ist dringend eine Deeskalation und eine Rückbesinnung auf Sachthemen notwendig (…).“ Das entscheidende Problem hat die Ditib jedoch auch hier nicht erkannt, denn es heißt weiter: „Bei diesen Schritten ist und wird die Diyanet, das Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei, der DITIB als Quelle ihrer spirituellen, und religiösen Referenz auch weiterhin eine wichtige Stütze sein.“

Imame aus der Türkei

In der Praxis bedeutet dass, das die Imame, die in Ditib-Moscheen predigen, weiter vom türkischen Religionsamt Diyanet aus der Türkei entsandt werden, das seinerseits dem türkischen Autokraten Erdogan untersteht.

Laut eigener Darstellung bekennt sich die Ditib zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes. Kritiker wie Susanne Schröter, Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, sehen aber in dem mit rund 900 Moscheen größten Moscheeverband in Deutschland einen Handlanger der türkischen Regierung mit ebenso konservativem Islamverständnis. „Der türkische Islam wird immer islamistischer. Erdogan und Mitglieder seiner Regierung lehnen beispielsweise die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ab“, schrieb Schröter bereits 2016 im Wiesbadener Kurier.

Radikale Hinterhof-Moscheen

Die TV-Sendung „ZDFzoom“ hat Mitte November 2018 mit in Moscheen in Berlin, Essen und Bad Kreuznach eingeschleusten Muslimen belegt: Etliche Imame rufen in Deutschland in ihren Predigten zu Hass auf und hetzen gegen Juden und Christen. Zwei muslimische Asylbewerber berichteten schockiert aus Bad Kreuznach, dort hätte ein Imam erklärt, er spreche kein Deutsch, weil er diese verhass­te Sprache nicht lernen wolle. Deutschland sei ein Land von Ungläubigen, das man einnehmen und mit der Scharia islamisieren müsse. Viele Kinder sollten die Muslime bekommen, das hätte schon der türkische Präsident gesagt, damit könne man die muslimische Gemeinde erweitern, zuerst in Deutschland, dann in ganz Europa. Der Imam „hat auch einmal gesagt, es sei nicht schlimm, wenn man diese Ungläubigen tötet, weil es ja Ungläubige sind“, berichtete einer der Asylbewerber. Vom Drehteam konnte eine Mitarbeiterin auch in islamistische Frauennetzwerke eingeschleust werden, in denen sich ebenfalls “eine erschreckende Radikalität” breitgemacht habe.