Anna Erler (Henriette Confurius) im geteilten Dorf „Tannbach“ an der deutsch-deutschen Grenze. (Foto: ZDF/Julie Vrabelova)
Anna Erler (Henriette Confurius) im geteilten Dorf „Tannbach“ an der deutsch-deutschen Grenze. (Foto: ZDF/Julie Vrabelova)

„Tannbach“ ist in Wirklichkeit der Name des kleinen Grenzbachs mitten im oberfränkischen Teilungsdorf Mödlareuth („Little Berlin“), der im Kalten Krieg die militärisch gesichterte Grenze zwischen West und Ost markierte. Heute verläuft hier die friedliche Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Im Dorf Mödlareuth erinnern erhaltene Grenzsperranlagen der DDR an die Brutalität der Teilung mitten in einem Dorf, das Deutsch-Deutsche Museum am Ort erinnert eindrucksvoll und historisch fundiert an Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen. Damit wurde Mödlareuth als „Little Berlin“ sowohl zum Symbol der Teilung wie auch der Wiedervereinigung Deutschlands. Die CSU und die CDU-Verbände Thüringen und Sachsen feiern hier jedes Jahr am Tag der Deutschen Einheit ihr großes Deutschlandfest.

Nach dem unscheinbaren Grenzbächlein im Dorf Mödlareuth benannte das ZDF seinen Mehrteiler über die deutsch-deutsche Teilung, so wie sie Tag für Tag und hautnah in einem geteilten Dorf erlebt wurde. Nach dem ersten Teil, der sich mit den Jahren zwischen Kriegsende und der Teilung Deutschlands befasste, geht es in „Tannbach II“ um die 1960er Jahre: Die Schließung der Grenze und der Bau der Grenzsperranlagen 1961, Prager Frühling 1968 und so weiter. Mauern werden hochgezogen, die Fronten zwischen Ost und West verhärten sich immer weiter, bis mit dem blutigen Ende des Prager Frühlings die letzten Hoffnungen auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zerschlagen werden.

Abschluss-Dreh in der Porzellanfabrik

Bereits im September 2016 hatten in Prag und Umgebung die Dreharbeiten begonnen, und soeben wurden die letzten Szenen in Kirchenlamitz (Kreis Wunsiedel) und Weidenberg (Kreis Bayreuth) abgedreht. Dazwischen lagen insgesamt 80 Drehtage in Böhmen, Thüringen und Oberfranken. Zum Abschluss drehte das Team unter anderem in der ehemaligen Porzellanfabrik Winterling in Kirchenlamitz. Dort haben Kulissenbauer ein Hotel und einen Bank-Schalterraum aus den 1960er-Jahren nachgebaut.

Regie führte wieder Alexander Dierbach, in den Hauptrollen spielen Henriette Confurius, Heiner Lauterbach, Martina Gedeck, Jonas Nay, Alexander Held, Anna Loos, Robert Stadlober, Florian Brückner, Maximilian Brückner und Clemens Schick.

Zeitgeschichte greifbar machen

Das ZDF will mit dem „Ensemble-Drama“ nach eigener Mitteilung „Zeitgeschichte für ein großes Publikum erzählen“: Die Geschichte von „Tannbach II“ folgt erneut den Familien aus dem Dorf. Während Anna (Henriette Confurius) und Friedrich Erler (Jonas Nay) weiterhin in der DDR am Aufbau des Sozialismus arbeiten, profitiert Annas Vater Georg von Striesow (Heiner Lauterbach) auf der anderen Seite der Grenze vom Wirtschaftswunder der aufstrebenden Bundesrepublik.

Doch bald schon fordert die Grenze mitten im Dorf erste Opfer und schlägt tiefe Wunden: Ein Kind stirbt bei einem Granatenunfall, Hilde Vöckler (Martina Gedeck) gerät in die Fänge der Stasi, Georgs neue Bekanntschaft Rosemarie Czerni (Anna Loos) hat ein dunkles Geheimnis, und Annas Sohn Felix Erler flieht 1968 aus der NVA-Kaserne. Ein Dorf und seine ganz besondere Geschichte, die im Kleinen widerspiegelt, was in Deutschland im Großen geschah.

Kritik wegen bayerischen Dialekts

2015 erreichte der erste Teil „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ bei der Premiere 6,7 Millionen Zuschauer und wurde seither vielfach ausgezeichnet. Allerdings zog das ZDF auch einige Kritik auf sich, weil manche Schauspieler nicht Fränkisch, sondern Bayrisch sprachen. Welcher Dialekt in der zweiten Folge zum Einsatz kommt, ist noch nicht bekannt. Auch ein Sendetermin steht noch nicht fest.

(ZDF/BR/wog)