Weil das Wirtschaftswachstum, etwa im Baugewerbe, nachlässt, machen sich mehr Menschen Sorgen um ihre Arbeitsplätze. (Foto: dpa/Daniel Reinhardt)
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Die Sorgen nehmen zu

Die gefühlte Lebensqualität der bayerischen Bürger ist weiter hoch, sinkt aber etwas ab – sogar unter den Bundesdurchschnitt. Hauptgründe sind Sorgen um den Arbeitsplatz und die persönlichen Finanzen. Positiv bewerten die Bürger die Familie.

„Die abnehmende Lebenszufriedenheit in Bayern ist ein Warnsignal“, kommentiert der Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, Jürgen Gros, das Ergebnis der Frühjahrserhebung der Volks- und Raiffeisenbanken zur Lebensqualität im Freistaat. „Zwar liegt der Heimatindex noch immer auf einem befriedigenden Niveau. Der Freistaat ist ein lebenswertes, wirtschaftlich starkes Bundesland. Doch im Vergleich zu anderen Ländern hat er an Boden verloren. Das passt nicht zum bayerischen Selbstverständnis und sollte zu denken geben.“

Die abnehmende Lebenszufriedenheit in Bayern ist ein Warnsignal.

Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern

Der Durchschnittswert, das „Zufriedenheitsbarometer“, sank binnen eines halben Jahres von 71 auf 69 Punkte – auf einer Skala von 0 bis 100. Hauptgrund dafür ist der starke Rückgang in einer der sechs Unterkategorien, der „Grundzufriedenheit“, die die persönlichen Lebensumstände erfasst. Sie sank um fünf Punkte von 79 auf 74. Im Bundesdurchschnitt sind es 76 Punkte.

Sorgen: Arbeitsplatz und persönliche Finanzen

Gedrückt hat den Heimatindex auch die abnehmende Zufriedenheit mit Arbeitsplatz und persönlichen Finanzen (minus 2 auf 67 Punkte). Das lässt sich mit der konjunkturellen Eintrübung erklären. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist Bayern im Vergleich mit den anderen Bundesländern zwischen 2009 und 2017 stets überdurchschnittlich gewachsen. Der Genossenschaftsverband weist unter Verweis auf Zahlen des Landesamtes für Statistik darauf hin, dass der Freistaat 2018 in der Wirtschaftsdynamik erstmals ins Mittelfeld abrutschte.

Die Menschen in Bayern erwarten eine umfassende Versorgung mit Breitbandinternet, Gesundheitsleistungen oder Verkehrsinfrastruktur.

Jürgen Gros

So ist die bayerische Wirtschaftsleistung 2018 mit 1,4 Prozent nicht mehr schneller gewachsen als das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Bundesrepublik (ebenfalls +1,4 Prozent). „Es ist nachvollziehbar, dass die wirtschaftliche Abschwächung den Menschen Sorgen bereitet. Gleichwohl bleiben die Bayern von den Folgen der Konjunkturdelle bisher weitgehend verschont. Die Lage am Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr positiv“, so GVB-Präsident Gros.

Größte Baustelle: Infrastruktur – vor allem auf dem Land

Schlusslicht aller Kategorien ist die Zufriedenheit mit Infrastruktur und Grundversorgung, die um 3 auf 56 Punkte abnahm. Hier zeigt sich laut GVB zudem ein Stadt-Land-Gefälle: Während die Menschen in kleineren Landgemeinden nur 53 Punkte vergeben, sind es bei Einwohnern der Großstädte immerhin 59 Punkte. „Die Menschen in Bayern erwarten eine umfassende Versorgung mit Breitbandinternet, Gesundheitsleistungen oder Verkehrsinfrastruktur. Diese Ansprüche werden offenbar nicht hinreichend erfüllt“, so Gros.

Besser sieht es in Sachen privates Umfeld aus: Positiv sehen die Befragten die Vernetzung mit Familie und Freunden (85 Punkte, unverändert) – ein sehr hoher Wert. Die Einbindung in das soziale Umfeld erweist sich damit als wichtiger Anker für die Lebenszufriedenheit, wie der GVB analysiert. Kein Teilbereich bekommt bessere Werte.

Der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken wird halbjährlich im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage vom Meinungsforschungsinstitut GMS Dr. Jung GmbH ermittelt. Für das Barometer bewerten rund 2000 Teilnehmer die Kategorien „Grundzufriedenheit“, „Vernetzung mit Freunden und Familie“, „Freizeit, Kultur und Bildung“, „Arbeitsplatz und finanzielle Situation“, „Wohnumfeld und Sicherheit“ sowie „Infrastruktur und Grundversorgung“ mit 0 bis 100 Punkten.