Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte Ifo-Präsidenten Clemens Fuest zu Gast. (Foto: StMWi)
Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte Ifo-Präsidenten Clemens Fuest zu Gast. (Foto: StMWi)

Einige Fakten genügen, um die Bedeutung der aktuellen Entwicklungen für Bayern zu verdeutlichen: Dreißig Prozent der bayerischen Unternehmen sind auf Exportmärkten aktiv, jeder zweite Arbeitsplatz im Freistaat hängt am Export. Die beiden wichtigsten Ausfuhrmärkte sind die USA und Großbritannien.

Freihandel als Verhandlungsziel

Kein Wunder, dass Bayerns Politik und Wirtschaft mit besonderem Interesse verfolgen, was sich derzeit in diesen beiden Ländern abspielt, wie sich separatistische und protektionistische Bestrebungen auswirken werden. Der Brexit und die Politik des neuen US-Präsidenten Trump waren dann auch der Hintergrund, vor dem der erste „Wirtschaftsdialog Bayern“, zu dem Ministerin Ilse Aigner in ihr Haus geladen hatte, stattfand. Für Bayern, das betonte die Wirtschaftsministerin, gebe es in allen anstehenden Gesprächen und Verhandlungen ein Ziel: „Freihandel muss die oberste Devise bleiben.“ Dies, so Aigner, werde der Freistaat auch gegenüber US-Präsident Trump „selbstbewusst“ vertreten.

Gute Lage, gedämpfte Stimmung

Tatsächlich sind es vor allem politische Entwicklungen, die Bayerns Wirtschaft gefährlich werden können. Wie der Gastredner Clemens Fuest, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, ausführte, deuten zumindest die aktuellen Konjunkturprognosen nicht auf eine bevorstehende Krise hin. Die US-Wirtschaft wachse weiterhin mit 2 Prozent jährlich, in der Eurozone sei das Wachstum mit 1,6 Prozent solide, so Fuest. Und für Deutschland erwarten die Experten eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent. Bedenklicher stimmen den Ökonomen da schon die Ergebnisse seines eigenen Ifo-Geschäftsklima-Indexes. Zwar bewerten die meisten Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, aber sie blicken deutlich skeptischer in die Zukunft.

Gewinner der Globalisierung

Von Handelsbeschränkungen und Handelshemmnissen wäre Bayern besonders stark betroffen. Bislang, so Fuest, zählt der Freistaat nämlich zu den großen Gewinnern der Globalisierung. Fast alle Regionen in Bayern profitieren vom internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr. Besonders bedeutsam: Firmen, die sich im Ausland engagieren, schaffen in ihrer Heimat überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze, wie Fuest in seinem Vortrag belegte.

Er warnte dann auch davor, etwa in den Austrittsverhandlungen mit Großbritannien auf maximale Härte zu setzen. Es könne nicht im Interesse der Wirtschaft sein, die Briten künftig möglichst weit von Europa fernzuhalten.

Ohne Wachstum kein Fortschritt

Trotz der bayerischen Erfolgsbilanz hatte der Wirtschaftsexperte auch noch einige Empfehlungen für die anwesenden Unternehmer und Politiker. In Deutschland, kritisierte Fuest, sei der Glaube daran verloren gegangen, dass weiterhin Wachstum möglich sei. Zu sehr beschränke sich die aktuelle Debatte darauf, das Erreichte zu sichern. Wer aber kein Wachstum schaffe, so Fuest, der habe auch am wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt keinen Anteil mehr.

Auch im Freistaat sieht der Wirtschaftsexperte hier Verbesserungsbedarf. Bayern zähle zwar zu den innovativsten Regionen Europas, erklärte Fuest, liege aber etwa bei den Forschungsausgaben deutlich hinter Baden-Württemberg zurück. Fuest appellierte an die Politik, Forschung und Innovationen stärker zu fördern. Dann, so der Ifo-Chef, habe Bayern auch künftig die besten Chancen.