Ort der Reformation: die mittelalterliche Veste Coburg, auf der Martin Luther ein halbes Jahr lang lebte. (Foto: Imago/Imagebroker)
Ort der Reformation: die mittelalterliche Veste Coburg, auf der Martin Luther ein halbes Jahr lang lebte. (Foto: Imago/Imagebroker)

Argula von Grumbach, Urbanus Rhegius, Caritas Pirckheimer – nie gehört diese Namen? In der Geschichte der Reformation in Bayern spielten die Hofdame aus der Nähe von Regensburg, der Augsburger Prediger und die Nürnberger Äbtissin eine gewichtige Rolle. Und wenn derzeit des 500. Jahrestages von Martin Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche gedacht wird, erinnern sich Kenner der Materie auch an diese Zeitgenossen des aufrührerischen Mönchs. Im Netz ist neuerdings eine digitale Ausstellung über ihre Bedeutung für die Reformation zu besuchen: „Martin Luther und die frühe Reformation in Bayern. Anhänger, Gegner, Sympathisanten“.

Originalschriften als Faksimile-Scan

Unter diesem Link sind auf der Website „bavarikon.de“ Originalschriften und zeitgenössische Drucke von Werken aus der Zeit zu betrachten, gescannte Werke aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek. Insgesamt 123 hochkarätige und sehenswerte Exponate. Sie ermöglichen eine Zeitreise ins frühe 16. Jahrhundert, die den wackeligen Buchstaben des Guttenberg’schen Druckverfahrens auf diesen historischen Flugblättern, Schriften oder Regierungsverordnungen folgt.

Der Urvater des Protestantismus selbst hielt sich in Bayern nur wenig auf. Immerhin, sechs Monate lang lebte Luther auf der Veste Coburg, die damals noch zum Kurfürstentum Sachsen gehörte. Das Zimmer auf der Burg, in dem er sich während der Zeit eingerichtet hatte, können Besucher der virtuellen Ausstellung in einem 3D-Rundumfoto auf dem Bildschirm betreten. Eine der Attraktionen der Schau.

Das Lutherjahr hat für mich als Mitglied der Landessynode und auch als Heimatminister eine besondere Bedeutung.

Markus Söder, Staatsminister und Protestant

Eigentlich positionierte das Herzogtum Bayern sich als Hort der Reformationsgegner. Der Ingolstädter Theologe Johannes Eck trat als personifizierter Antipode Luthers auf. Zu sehen ist online auch ein Abdruck der „Disputatio“. Jenes Streitgesprächs über Luthers Ablassthesen also, in dem Eck seinen Gegner zu mehreren heiklen Äußerungen provozierte, die ihm den Vorwurf der Gotteslästerung eintragen konnten. Allerdings muss des Lateinischen in seiner spätmittelalterlichen Form mächtig sein, wer solche Schriftstücke tatsächlich lesen möchte.

Erste Virtuelle Ausstellung des Portals

Zwölf Orte in Bayern hebt die Web-Präsentation hervor, die eine wichtige Rolle bei Reformation und Gegenreformation spielten. Von Augsburg über Memmingen, Nürnberg, Neuburg an der Donau bis Würzburg – zu jedem haben die Macher des Projekts Wissens- und Sehenswertes zusammengetragen. Finanz- und Heimatminister Markus Söder, Franke und Protestant, lobt die „innovative und ansprechende Art der multimedialen Schatzkiste Bavarikon“, mit der sie den prägenden Einfluss Luthers und der Reformation in Bayern präsentiere.

Dabei handelt es sich um die erste virtuelle Ausstellung des vom Freistaat betriebenen Online-Kulturportals, das gegenüber stationären Museen einige Vorteile aufweist: Jeder kann es an jedem Ort besuchen – er benötigt nur einen Rechner mit Internetverbindung. Und er ist dabei noch nicht mal an Öffnungszeiten gebunden.