Unverändert hohe Terrorgefahr
Kurz vor Weihnachten zeigt sich der islamistische Terror erneut: Auf deutschen Flughäfen gab es Alarm, bei Wohnungsdurchsuchungen wurde eine Kalaschnikow gefunden. Das BKA gab bekannt, dass es seit 2017 sechs Anschläge in Deutschland verhindert hat.
Stuttgart

Unverändert hohe Terrorgefahr

Kurz vor Weihnachten zeigt sich der islamistische Terror erneut: Auf deutschen Flughäfen gab es Alarm, bei Wohnungsdurchsuchungen wurde eine Kalaschnikow gefunden. Das BKA gab bekannt, dass es seit 2017 sechs Anschläge in Deutschland verhindert hat.

Nach Warnungen vor einem möglicherweise geplanten Anschlag auf einen Flughafen im deutsch-französischen Grenzgebiet läuft die Fahndung nach vier Verdächtigen. Mehrere Wohnungen in Nordbaden wurden wegen Terrorverdachts durchsucht.

Nun sind drei Tatverdächtige in Haft. Wie die Staatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mitteilten, stehen die drei im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Außerdem wird gegen sie wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt. Ein Richter erließ am Freitag Haftbefehl. Bereits am Mittwochabend waren in dem Zusammenhang vier Wohnungen in Mannheim und im Rhein-Neckar-Kreis durchsucht worden. Dabei wurden eine 39-Jährige und zwei Männer im Alter von 33 und 49 Jahren festgenommen. In einem Anwesen in Plankstadt stellten Beamte eine Kalaschnikow samt Munition sicher. Die vollautomatische Waffe fällt unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ob diese Festnahmen mit dem Alarm auf den Flughäfen in Zusammenhang stehen, ist nicht bekannt.

Verdächtige Islamisten

Zudem blieben die verschärften Sicherheitsvorkehrungen an mehreren Airports der Region auch am Freitag weiter in Kraft. Dies betraf den Flughafen Stuttgart, die Airports Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Mannheim. Die Bundespolizei hatte Einsatzkräfte an allen Verkehrsflughäfen in ihrem Zuständigkeitsbereich „sensibilisiert“, sagte ein Sprecher. Schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten in Schutzausrüstung. Die Polizei kontrollierten auch Fahrzeuge an den Zufahrtsstraßen zum Stuttgarter Flughafen.

Laut Bild-Zeitung gab es auch eine Warnung an alle vierzehn großen deutschen Verkehrsflughäfen. Darin heiße es: Hinweise auf eine „konkrete Gefährdung“ lägen derzeit nicht vor. Aber es gebe „noch nicht abschließend bewertbare“ Informationen, wonach von Unbekannten bestimmte Flughäfen ausgespäht werden sollten, teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg mit. Auch eine Verbindung zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg am 11. Dezember schließen die Ermittler nicht mehr aus, berichtet die Bild.

Alarm in Paris und Stuttgart

Zwei der Gesuchten seien Vater und Sohn und stammten aus Nordrhein-Westfalen, hieß es. Sie seien bereits vergangene Woche der französischen Polizei aufgefallen, als sie am Pariser Flughafen Charles de Gaulle Fotos machten. Französische Polizeikreise bestätigten auf dpa-Anfrage Informationen der Zeitung „Journal du Dimanche“ (JDD), wonach die Männer in einem Mercedes-Sprinter mit deutschem Kennzeichen unterwegs waren. Der 48 Jahre alte Autobesitzer habe Verbindungen ins radikalislamische Milieu.

Nach einem Bericht des Südwestrundfunks (SWR) wurden die beiden in Paris aufgefallenen Männer dann auch am Stuttgarter Flughafen durch Videoaufzeichnungen identifiziert. Das zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen, die Staatsanwaltschaft Stuttgart sowie die Bundesanwaltschaft wollten den SWR-Bericht nicht kommentieren. Laut Bild-Zeitung haben die Männer das Terminal des Flughafens Stuttgart „fotografiert“ und das Umfeld des Airports „systematisch ausgespäht“. Dabei sollen sie „konspirativ“ vorgegangen sein.

Unterdessen hat sich jedoch eine Verbindung zwischen den beiden Vorfällen nicht bestätigt. „Nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen steht die Beobachtung am Stuttgarter Flughafen in keinem Zusammenhang mit möglichen Anschlagsplanungen oder islamistischen Aktivitäten“, teilten die Behörden mit. Die zwischenzeitlich identifizierten Männer hätten eine ebenfalls namentlich bekannte Frau zum Flughafen gebracht. Sie hätten sich längere Zeit in der Abflughalle aufgehalten und waren verdächtig erschienen, weil sie aufmerksam verfolgt hatten, wie die Frau durch die Sicherheitskontrolle ging. Tatsächlich habe aber einer der Beteiligen Bezüge ins islamistische Milieu, teilte ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums mit.

Anschlagswarnungen mittlerweile „normal“ für Weihnachtszeit

Die Sicherheitsvorkehrungen an den baden-württembergischen Flughäfen seien eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, teilte die Polizei mit. „Derartige Hinweise oder Vorkommnisse gibt es immer wieder, vor allem um die Weihnachtszeit.“ Gerade nach dem jüngsten Anschlag in Straßburg mit fünf Toten müsse man aber weiter wachsam sein.

Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen.

Chat der Terrorverdächtigen

Auf die Spur gekommen sind die Ermittler den Männern laut SWR-Informationen auch durch Hinweise marokkanischer Sicherheitsbehörden. Diese hätten verdächtige Chat-Nachrichten abgefangen und deutschen Behörden übermittelt. Darin sei von einem Selbstmordanschlag auf einen Flughafen im deutsch-französischen Grenzgebiet als Rache für die westliche Politik die Rede: „Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen“, sei unter anderem zu lesen. „Werde ich alleine sein?“, fragt demnach eine Person. „Nein, wir sind mehrere!“, lautete die Antwort.

BKA verhinderte 2018 sechs schwere Anschläge

Wie ernst die Terrorgefahr durch Islamisten noch ist, zeigt diese Zahl: Die deutschen Sicherheitsbehörden haben laut BKA-Chef Holger Münch in den vergangenen zwei Jahren sechs islamistische Attentate verhindert. „Beispiele sind der sogenannte Rizin-Fall von Köln oder die Festnahme in Schwerin wegen eines geplanten Sprengstoffanschlages“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes dem Tagesspiegel. Das Risiko eines Anschlags sei nach wie vor vorhanden. Potenzielle Täter könnten dabei Personen sein, „die sich hier in Deutschland im Stillen oder in der salafistischen Szene radikalisieren, ebenso wie Rückkehrer aus Syrien und dem Irak“.

Drohnenflüge in London

Unterdessen wurde der Betrieb am Flughafen London-Gatwick wegen anhaltender Drohnenflüge abgesagt. 115.000 Reisende waren am Donnerstag von dem Chaos betroffen, 126.000 am Freitag. Zunächst wurde von Terror ausgegangen. Diese Vermutung hat die Polizei von Sussex aber bereits zurückgezogen. Bei den mindestens zwei Drohnen handelt es sich nach Einschätzung der Polizei nicht um Hobby-Fluggeräte, sie seien vielmehr für den professionellen Einsatz bestimmt. Mehr als 50 Mal wurden sie gesichtet. „Das ist eine präzise geplante Aktivität, die darauf ausgelegt wurde, den Flughafen lahmzulegen und maximale Behinderungen in der Vorweihnachtszeit zu bringen“, teilte Gatwick-Geschäftsführer Stewart Wingate mit.

Am siebtgrößten Airport Europas wurde dadurch der Flugbetrieb bis auf eine dreiviertelstündige Unterbrechung komplett lahmgelegt. Trotz des Einsatzes von Armee, Polizei, Hubschraubern, Scharfschützen sowie Spezialgerät wurden immer wieder Flugroboter über dem Rollfeld gesichtet. Tauche noch eine Drohne über dem Flugfeld auf, sei auch ein Abschuss denkbar, so die Polizei. Premierministerin Theresa May warnte: „Wer dabei erwischt wird, Flugzeuge in Gefahr zu bringen, kann eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bekommen.“ Medienberichten zufolge prüfen die Ermittler, ob möglicherweise ein radikaler Öko-Aktivist hinter dem Störmanöver stecken könnte. In Deutschland wurden heuer bis einschließlich November 152 Fälle gemeldet, bei denen Verkehrsflieger durch Drohnen behindert wurden.

(dpa)