Mehr Sicherheit, aber höhere Preise: Besucher feiern in einem Festzelt auf dem Oktoberfest. (Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)
Oktoberfest

Wiesn-Wirte wollen Preise kräftig erhöhen

Nun ist es offiziell: Das Oktoberfest wird aufgrund der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen teurer – für die Wirte auf der Wiesn und in der Folge auch für die Besucher. Denn die Festzeltbetreiber wollen die Preise wohl deutlich anheben.

Das gestiegene Sicherheitsbedürfnis während der Wiesn erfordert viele Maßnahmen wie etwa Taschenkontrollen und einen Sicherheitszaun. Das aber kostet Geld: Die Stadt München will deshalb von den Wirten 9,3 Millionen Euro einnehmen. Das geht aus der Sitzungsvorlage für den Wirtschaftsausschuss des Stadtrates hervor.

Umsatzpacht soll steigen

Dazu möchte Münchens Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Josef Schmid (CSU) die Umsatzpacht für die Wirte von bisher 5,1 Prozent des Nettoumsatzes auf künftig 7,8 Prozent anheben. Bei den kleinen Zelten soll sie um einen Prozentpunkt auf 6,1 Prozent steigen. Das Münchner Oktoberfest geht dieses Jahr vom 22. September bis 7. Oktober.

Ohne Taschen- und Rucksackverbot gibt es keine Wiesn mehr.

Josef Schmid

Die Wirte legen das laut ersten inoffiziellen Meldungen wohl in einer beispiellosen Preissteigerung auf die Gäste um: Dass der Maß-Preis 2018 deutlich über elf Euro liegen wird, ist jetzt schon so gut wie sicher. Er könnte aber auch auf mehr als 12 Euro steigen. Natürlich werden auch Hendl und andere Speisen teurer. Schon vergangenes Jahr mussten Besucher bis zu 10,95 Euro für eine Maß Bier hinblättern. In der Regel stieg der Preis bisher jedes Jahr um etwa 25 Cent. Die Wiesnwirte hätten sich einen stabilen Bierpreis beziehungsweise einen moderaten Anstieg vorstellen können, teilten Wirtesprecher jetzt mit. „Doch diese Möglichkeit ist nun, aufgrund der Finanzplanung der Stadt, ausgeschlossen.“

Was sie nicht sagten, ist der seit einem Prozess gegen Sepp Krätz bekannte Fakt, dass Wiesnwirte bei jedem Oktoberfest Millionen verdienen. Der frühere Hippodrom-Festwirt nahm beispielsweise im Jahr 2013 nach eigenen Angaben 3,1 Million Euro ein.

Hohe Sicherheitskosten

Wiesnchef Schmid hat das Vorhaben als notwendig verteidigt. Insgesamt errechnete er für das Oktoberfest 2018 einen Mittelbedarf von 11,4 Millionen Euro, darunter hohe Sicherheitskosten von mehr als neun Millionen. Allein der Bewachungsdienst mit mehreren hundert Ordnern wird in diesem Jahr mit 5,2 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Die Gewährleistung der Sicherheit auf dem Oktoberfest ist zwingende Voraussetzung für die Durchführung des Festbetriebes. Ohne Taschen- und Rucksackverbot gibt es keine Wiesn mehr“, betonte Schmid. „Dabei hat die Veränderung der abstrakten Bedrohungslage seit 2016 zu einem Anstieg der Sicherheitskosten geführt, welche die Stadt auf das Fest umlegen muss.“ Die Sicherheit der Millionen Oktoberfestbesucher sei für die Landeshauptstadt München nicht verhandelbar, sagte der Zweite Bürgermeister. Durch die Umstellung auf die Umsatzpacht sei im letzten Jahr ein adäquates und gerechtes Instrument zur Reform der Gebührenerhebung gefunden worden.

Transparente Kostenrechnung

Da der Landeshauptstadt München bis 2017 keinerlei Angaben über die Umsätze auf dem Oktoberfest vorlagen, basierte die Festlegung der Umsatzpacht früher auf Schätzungen der Umsätze. Dementsprechend sei schon im vergangenen Jahr angekündigt worden, dass die Umsatzpacht gegebenenfalls angepasst werden müsse, da erstmals in diesem Jahr vollständige Transparenz bei den Umsätzen gegeben sei. „Die Anpassung der Umsatzpacht trägt dieser für die Geschichte des Oktoberfestes einzigartigen Transparenz nun Rechnung“, sagte der Zweite Bürgermeister. „Weil die Umsatzpachteinnahmen im Vorjahr geringer als angenommen ausgefallen sind, muss für das Oktoberfest 2018 eine neue Kalkulation erfolgen. Das Fest muss kostendeckend arbeiten“, pflichtete auch Stadtrat und CSU-Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl bei.

Die Kosten werden nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit umgelegt.

Otto Seidl, Wiesn-Stadtrat

„Die Kosten werden nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit umgelegt“, erklärte Wiesn-Stadtrat Otto Seidl (CSU). Die Gastronomiebetriebe mit Alkoholausschank hätten die größte Umsatzstabilität, weshalb die Umsatzpacht auf 6,1 Prozent für Café-, Wein- und Barbetriebe, Hühnerbratereien Wurst- und Imbisshallen festgesetzt wurde. 7,8 Prozent sind es bei Festhallen, dem Familienplatzl und den Bier- und Stehausschankbetrieben. „Wir appellieren an die Wirte, die Preise nicht oder nur moderat anzuheben. Es liegt ihn ihrem eigenen Interesse, dass das Fest ein Volksfest für alle bleibt“, findet Stadtrat Pretzl.

Schmid wollte einen Bierpreisdeckel

Nun rächt es sich vermutlich, dass Schmids Vorschlag aus dem vergangenen Jahr, einen dreijährigen Bierpreisdeckel einzuführen, am Veto des SPD-Oberbürgermeisters Dieter Reiter und seiner Partei scheiterte – auch Grüne, FDP und Bayernpartei stimmten dagegen. Im Gegenzug wollte Schmid die Wiesn um einen Tag verlängern. Er wollte damit verhindern, dass die Wirte die höheren Kosten für die Sicherheit direkt auf die Besucher umlegen.