Unterricht in einer Grundschule. Der "IQB-Bildungstrend 2016" untersucht das Kompetenzniveau in den Fächern Deutsch und Mathematik der 4. Jahrgangsstufe. (Foto: dpa/Peter Steffen)
Bildung

Bayerns Schüler sind spitze

Ob rechnen, lesen oder zuhören - Bayerns Grundschüler können das im Vergleich der Länder am besten. Das belegt die aktuelle Studie IQB-Bildungstrend. Bundesweit ist das Niveau der Viertklässler in Deutsch und Mathematik jedoch gesunken.

Bayerns Viertklässler sind laut einer aktuellen Studie in den Fächern Deutsch und Mathematik bundesweite Spitzenreiter. Mit Werten von 73 Prozent (Mathematik) und ähnlich guten Ergebnissen im Fach Deutsch in den Kompetenzbereichen Lesen (74 Prozent), Zuhören (77 Prozent) und Orthografie (68 Prozent) ist der Anteil der Schüler, die den Regelstandard erreichen, weit über den bundesweiten Durchschnittswerten. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin veröffentlichte. Untersucht wurde, inwieweit Viertklässler Bildungsstandards der KMK in Deutsch und Mathematik erreichen.

Die Förderung den Talenten ist an den bayerischen Grundschulen im bundesweiten Vergleich sehr gut .

Ludwig Spaenle, bayerischer Kultusminister

Bundesweit zeigt die Studie jedoch, dass sich das Niveau in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert hat. Die Lesekompetenz ist dagegen auf einem ähnlichem Niveau geblieben wie 2011. Bayerns Schüler hatten auch 2011 die Spitzenplätze der Studie belegt. „Das ist eine große Leistung – gerade angesichts der wachsenden Zahl von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte“, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Wichtig sei für ihn nicht nur, dass in Bayern eine hohe Quote von Schülern das höchste Leistungslevel erreicht habe, sondern auch, dass die Quote der Schüler, die den Mindeststandard verfehlt hätten, sehr niedrig sei. „Das bedeutet nämlich, dass die Förderung den Talenten entsprechend an den bayerischen Grundschulen im bundesweiten Vergleich sehr gut ist“, sagte Spaenle.

Jeder Dritte hat einen Migrationshintergrund

Verändert hat sich seit der vorherigen Erhebung 2011 die Zusammensetzung der Schülerschaft. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent. Zudem besuchen auch mehr Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule. KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann (CDU) nannte es „erfreulich“, dass angesichts dessen die Ergebnisse beim Lesen stabil geblieben sind. Handlungsbedarf sieht sie angesichts der Ergebnisse bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Seit 2011 hat sich der Anteil der Kinder, welche in Deutsch die Regelstandards mindestens erreichen, in fünf Ländern deutlich verkleinert: In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. In Mathematik gab es in sechs Ländern eine negative Entwicklung: Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Beim Lesen erreichte 2016 jeder achte Viertklässler in Deutschland nicht den Mindeststandard (12,5 Prozent). Besonders viele sind es in Bremen (25,5) und Berlin (20 Prozent). Besser als der Bundesschnitt sind Sachsen (7,2), Bayern (7,9) und Schleswig-Holstein (8,8).

Bremen fällt deutlich ab

Beim Zuhören verfehlten bundesweit 10,8 Prozent den Mindeststandard, aber 20,8 Prozent in Bremen und 15,6 Prozent in Berlin. Bayern (6,5) und Schleswig-Holstein (8,3 Prozent) schnitten besser ab. Bei der Rechtschreibung lagen 22,1 Prozent der Viertklässler deutschlandweit unter dem Mindeststandard. Hier bildeten Bremen, Berlin, Niedersachsen und Hamburg Ausreißer nach unten, Bayern und das Saarland lagen deutlich über Bundesschnitt.

In Mathematik landeten in ganz Deutschland 15,4 Prozent der Viertklässler unter dem Mindeststandard. Schlechter lagen Bremen (35,4), Berlin (27,6), Nordrhein-Westfalen (19,2) und Hamburg (21,2 Prozent). Besser ab schnitten Bayern (8,3), Sachsen (8,8), Sachsen-Anhalt (12,1) und Thüringen (12,6 Prozent).

Streit in Baden-Württemberg

Groß ist die Aufregung in Baden-Württemberg. Das Land, das früher stets zu Spitzenreiter in Sachen Bildung zählte i, ist inzwischen auf die hinteren Plätze abgerutscht. Zudem ist gerade in Baden-Württemberg die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialem Status besonders groß. So waren im Südwesten die Kompetenzen im Lesen 2016 stärker an den sozialen Status gekoppelt als noch im Jahr 2011. CDU-Generalsekretär Manuel Hagel warf der SPD vor, die Zukunftschancen einer ganzen Generation zerstört zu haben. „Die aktuellen Ergebnisse des IQB-Bildungstrends für die Grundschulen zeigen schonungslos das Versagen der SPD-Politik. Das beweist der dramatische Absturz in den Grundfertigkeiten Deutsch und Mathematik von 2011 bis 2016. Wer gegen jede Vernunft „Schreiben nach Gehör“ oder sexuelle Vielfalt im Bildungsplan propagiert, statt unseren Kindern ordentlich Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, riskiert vorsätzlich die Zukunft unserer Kleinsten“, sagte er.

Sozialer Hintergrund beeinflusst Leistung

Die Studienautorin Petra Stanat erläuterte, der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei vor allem auf im Land geborene Kinder zurückzuführen. „Wir haben die Schüler, die 2015 mit Fluchterfahrung ins System gekommen sind, überwiegend noch nicht drin.“ Erst nach einem Jahr würden Schüler in die Test einbezogen. Stanat betonte, der gestiegene Anteil an Zuwandererkindern sei nicht gleichbedeutend mit schlechteren Leistungen. Die Trends gingen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung. Bei Zuwandererkindern sei oft auch die soziale Schlechterstellung der Hauptgrund für mögliche Probleme.

Die Bayerische Staatsregierung will hier mit einem neuen Bildungspaket Schwerpunkte setzen. Bayern werde Aspekte wie die Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien, Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie auch geschlechtsspezifische Förderung etwa von Jungen beim Lesen oder von Mädchen in Mathematik weiter angehen, kündigte Spaenle an.

 

Die Studie IQB-Bildungstrends

Insgesamt hatten an dem Vergleichstest des Instituts der Länder im vergangenen Jahr 29.259 Schülerinnen und Schüler an 1.508 Schulen in Deutschland teilgenommen, allein aus Bayern waren es 1.773 Grundschüler an 90 Schulen. Dabei waren im Fach Deutsch die Kompetenzen im Lesen, im Zuhören und in Orthografie erhoben worden, in Mathematik ist das Gesamtspektrum der Aufgabenarten dieser Jahrgangsstufe von Zahlen und Operationen über Raum und Form bis zu Größen und Wahrscheinlichkeit ausgewertet worden.