Polizisten auf dem Gelände der Asylunterkunft nahe Arnschwang im Kreis Cham. Ein Afghane hatte hier einen Jungen aus Russland tödlich verletzt. (Foto: dpa/Armin Weigel)
Cham

Asylbewerber tötet Kind

Das Motiv für den tödlichen Angriff eines Asylbewerbers auf ein Kind in einer Unterkunft in der Oberpfalz soll Ruhestörung gewesen sein. Der Afghane wurde von der Polizei erschossen. Innenminister Herrmann forderte strengere Prüfungen der Asylgründe.

Dies habe die Mutter des Jungen ausgesagt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Regensburg mit. Die 47-Jährige erlitt schwere Schnittverletzungen bei der Tat am Samstag. Nach ihren Angaben habe sich der 41-jährige Afghane durch die spielenden Kinder in seiner Ruhe gestört gefühlt. Deshalb habe er in Arnschwang (Kreis Cham) zunächst die Mutter und dann den Jungen angegriffen. Am Samstagabend hatte der Mann dann den fünf Jahre alten Jungen, dessen Bruder und die Mutter in seine Gewalt gebracht und den Kleinsten mit Messerstichen tödlich verletzt.

Der sechs Jahre alte Bruder des getöteten Kindes sah die Szene mit an und erlitt einen schweren Schock. Weitere Menschen – darunter einer der Polizisten – trugen ebenfalls einen Schock davon. Bei der Frau und ihren beiden Kindern handelt es sich um Asylbewerber aus Russland.

Ein verurteilter Straftäter

Während des folgenden Polizeieinsatzes gab ein Beamter acht Schüsse auf den 41-Jährigen ab, der tödlich getroffen wurde. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Nothilfesituation der Beamten aus. Der Mann war ein verurteilter Straftäter und trug eine elektronische Fußfessel. Er war im Oktober 2009 vom Landgericht München I wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, die er bis Januar 2015 komplett verbüßte. Die Tat soll er begangen haben, um seine damalige Ehefrau und seinen Cousin zu töten. Wegen dieser Verurteilung stand er unter Führungsaufsicht. Ihm wurde vom Gericht auferlegt, sich nur im Umfeld der ihm zugewiesenen Asylunterkunft aufzuhalten.

Klar ist auch, dass wir sowohl von den Kirchen als auch vom Verwaltungsgericht erwarten, (…) dass sie sich sehr genau anschauen, ob einer wirklich zum Christentum übertritt.

Joachim Herrmann

Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz hätte der Mann abgeschoben werden sollen. Doch er hatte sich rechtlich dagegen gewehrt, so dass 2014 ein Abschiebeverbot ausgesprochen worden war. Als konvertierter Christ drohe ihm Gefahr in Afghanistan, erklärte er damals.

Herrmann fordert strengere Prüfungen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte nun eine genaue Prüfung von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern. Der Täter habe sich als Konvertit im Falle einer Abschiebung in sein Heimatland Afghanistan bedroht gesehen, sagte Herrmann in Erlangen. „Dort, wo Länder tatsächlich als Staaten die Todesstrafe für solche Fälle verhängen, ist es nachvollziehbar. In diesem konkreten Fall ist es für mich nicht einsichtig“, so der Minister im BR. Es müsse deshalb geprüft werden, ob es weitere Fälle gebe, in denen jemand angebe, zum Christentum übergetreten zu sein. In solchen Abwägungsfragen könnten aber nur staatliche Todesdrohungen berücksichtigt werden, nicht die von Privatpersonen. Dem BR sagte er, es sei den Menschen im Land nicht zuzumuten, „mit der Gefahr solcher Straftäter zu leben“.

Herrmann ergänzte: „Klar ist auch, dass wir sowohl von den Kirchen als auch vom Verwaltungsgericht erwarten, (…) dass sie sich sehr genau anschauen, ob einer wirklich zum Christentum übertritt – was ich hier im Einzelfall noch nicht beurteilen kann – oder ob es vorgeschoben sein könnte, nur um einer Abschiebung zu entgehen.“

Zudem stellt sich Beobachtern die Frage, wieso ein Mann, der angeblich in seiner Heimat vom Tode bedroht ist, in seinem Gastland Straftaten begeht – anstatt alles zu tun, um hier bleiben zu dürfen.