Der Grünen-Politiker Volker Beck. (Bild: Imago/Christian Ditsch)
Der Grünen-Politiker Volker Beck. (Bild: Imago/Christian Ditsch)

Der Grünen-Politiker hat sich mit einer überraschenden Idee für die Integrationspolitik zu Wort gemeldet. In einem Interview mit dem Sender n-tv schlug Beck vor, Deutsche sollten die Sprache jener Zuwanderer lernen, die in ihren jeweiligen Wohnorten in großer Zahl leben würden – also etwa Arabisch oder Türkisch. Wenn sich die deutschen Einwohner „unwohl fühlen, weil sie die Menschen aus fremden Ländern nicht verstehen“, sollten sie doch kurzerhand deren Sprache einfach lernen, meinte der grüne Bundestagsabgeordnete, der zuletzt wegen Drogenbesitzes selbst in die Schlagzeilen geraten war.

„Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit“

Seinen etwas kruden Vorschlag versuchte Beck so zu erklären: „Das ist ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit, aber wenn einem das wirklich wichtig ist, dann soll man halt diese Sprache lernen, dann kriegt man auch mit, was da läuft.“ Die Frage, ob es nicht klüger sei, wenn die Ausländer die deutsche Sprache lernen und somit leichter mitbekämen, was in Deutschland „läuft“, beantwortet Beck in diesem Interview freilich nicht. Moscheepredigten auf Deutsch lehnt er ab, weil es ja auch katholische Predigten seit der Gastarbeitereinwanderung, auf Kroatisch, Italienisch oder Ukrainisch in Deutschland gegeben habe.

Die übergroße Mehrheit selbst der Islamisten in Deutschland ist gewaltfrei.

Volker Beck, Grüne

Und weiter: „Da, wo es Probleme mit Islamismus und Gewalt gibt, muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben.“ Nur Sozialarbeiter gegen gewaltbereite Islamisten? Volker Beck erklärt das so: „Die übergroße Mehrheit selbst der Islamisten in Deutschland ist gewaltfrei. Im Islam gibt es problematische Aussagen von manchen, aber die Muslime in Deutschland haben damit in der ganz großen Mehrheit nichts zu tun. Das sind friedliebende Menschen, die an Allah glauben, die gelegentlich mal beten, die manchmal auch in die Moschee gehen und ansonsten den Nachbarn einen guten Mann sein lassen.“

Shitstorm für Beck

Die Empörung über Becks Vorstoß ist – wenig überraschend -riesig. In den sozialen Netzwerken macht sich regelrechte Wut auf den Grünen breit. Manche User finden dabei deutliche Worte, wie hier bei Twitter:

Andere User fragten erstaunt:

Politiker reagieren empört

Und auch aus der Politik gibt es erste Reaktionen – besonders aus den Gegenden, in denen zahlreiche Zuwanderer zu Haus sind, wie etwa aus Berlin-Neukölln. Die dortige Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer etwa sagte: „Dann könnten wir jegliche Integrationsanstrengungen auch gleich unterlassen“, stellte die CDU-Politikerin klar. „Die deutsche Sprache zu lernen ist der erste und wichtigste Baustein zur Integration.“

Wenn es nach Herrn Beck geht, könnten wir die Integrationsbemühungen ganz sein lassen und ganze Stadtteile in Berlin, Duisburg und Bremerhaven aufgeben.

Falko Liecke, Vize-Bürgermeister von Berlin-Neukölln

Der stellvertretende Bürgermeister des Bezirks, Falko Liecke, befasste sich in einem Beitrag für die Huffington Post mit dem Thema. „Um es gleich ganz deutlich zu sagen: Die Haltung von Volker Beck ist gefährlich“, schrieb der CDU-Mann dort. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete fördere mit seinem Vorschlag „die Segregation ganzer Bevölkerungsgruppen“ und spiele mit den bisher erreichten Erfolgen in der Integration. „Wenn es nach Herrn Beck geht, könnten wir also die Integrationsbemühungen ganz sein lassen und ganze Stadtteile in Berlin, Duisburg und Bremerhaven aufgeben.“ Denn eines sei bisher unbestritten richtig: „Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Wer sie nicht beherrscht, hat keine Chancen in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche.“ Wenn Predigten nicht auf Deutsch gehalten würden, sei das vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses ausländischer Staaten auf Moscheen in Deutschland „nicht nur gesellschaftspolitisch falsch, sondern auch sicherheitspolitisch brandgefährlich“.

Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Wer sie nicht beherrscht, hat keine Chancen in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche.

Falko Liecke, Vize-Bürgermeister von Berlin-Neukölln

Auch die friedlichen Islamisten aus der Nachbarschaft sah Liecke etwas anders: „Ganz absurd wird es aber, wenn Volker Beck – er ist auch religionspolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion – Islamisten als weitgehend gewaltfrei einstuft. Es macht mich fast sprachlos, wie ein erfahrener Politiker sich zu solch einer Aussage versteigen kann. Hier gilt die klare Ansage: Ich will keine Islamisten in unserem Neukölln, unserem Berlin und unserem Deutschland. Auch solche nicht, die gerade mal gewaltfrei sind!“

Scheuer übt harsche Kritik

Für die CSU meldete sich Generalsekretär Andreas Scheuer zu Wort. Er betonte, das Erlernen der deutschen Sprache sei „der Schlüssel zu gelingender Integration“. Volker Beck unterstütze mit seinem Vorschlag „die Entstehung von Parallelgesellschaften mitten in unserem Land“, betonte der CSU-General.

Das unterstützt Parallelgesellschaften mitten in unserem Land.

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär

Keiner teilt Becks Ansichten

Ein Ziel hat Volker Beck mit seinem Vorstoß allerdings erreicht: Über ihn wird wieder gesprochen – und zwar wegen einer politischen Äußerung, und nicht wegen seines Crystal Meth-Konsums. Der Rückhalt, den er mit seiner neuen Idee in der eigenen Partei hat, ist dieses Mal allerdings wesentlich geringer als beim Bekanntwerden seiner Drogen-Eskapaden: Bislang hat sich kein namhafter Grünen-Politiker auf die Seite Becks geschlagen. „Aufgabe der Politik sollte momentan eher sein, zu überlegen, wie man den Neuankömmlingen möglichst schnell Deutsch beibringt“, verlautete es aus der Parteispitze der Grünen, wie die Bild-Zeitung berichtet.

Beck ruderte schließlich auf Nachfrage der Bild ein wenig zurück: „Wer in Deutschland leben will, muss Deutsch lernen, verstehen und sprechen. Hier brauchen wir mehr interkulturelle Kompetenz und auch ausreichend Personal mit einschlägigen Sprachkenntnissen.“

(dos/avd/)