Polizisten am Paddington-Bahnhof in London. Nach dem Anschlag gilt die höchste Terrorwarnstufe. (Foto: dpa/Andrew Matthews)
Anschlag

London: Verdächtiger festgenommen

Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf eine U-Bahn in London einen Verdächtigen festgenommen. Das teilte Scotland Yard mit. Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe wurden am Freitag mindestens 29 Menschen verletzt.

Die Polizei fahndete mit Hochdruck nach dem Täter oder den Tätern. Es werde „Jagd auf Verdächtige“ gemacht, sagte Scotland Yards Anti- Terror-Chef Mark Rowley. „Unsere Ermittlungen schreiten mit großer Geschwindigkeit voran.“ Einzelheiten zu den Verdächtigen oder der Bombe wollte Rowley aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Nach einem Bericht des Guardian wurden bereits Video-Aufzeichnungen aus Überwachungskameras ausgewertet, auf denen zu sehen ist, wie der Bombenleger mit dem Sprengsatz in die U-Bahn einsteigt.

Höchste Terrorwarnstufe

Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn hat die britische Regierung die Sicherheitsvorkehrungen im Land verschärft. Soldaten wurden zur Bewachung wichtiger Einrichtungen eingesetzt, Militärpatrouillen sorgten für zusätzlichen Schutz. In Großbritannien gilt inzwischen die höchste Terrorwarnstufe. Das sagte Premierministerin Theresa May am Freitagabend im BBC-Fernsehen. Die Warnstufe fünf bedeutet, dass die britischen Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag für möglich halten.

Mindestens 29 Verletzte

Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green waren am Freitag mindestens 29 Menschen verletzt worden. Die Haltestelle wurde am frühen Samstagmorgen wieder für den Betrieb freigegeben.

Die Bombe in London explodierte gegen 8.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer „Feuerwand“ beziehungsweise einem „Feuerball“ in der Bahn. Die Verletzten wurden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt, überwiegend wegen Verbrennungen. Acht von ihnen konnten bis zum Abend wieder entlassen werden. Wie Polizei und Rettungsdienste weiter berichteten, schwebte keiner der Verletzten in Lebensgefahr. In sozialen Medien kursierten Bilder und Videos von einem weißen Eimer in einer Supermarkt-Tüte, der in dem Waggon eine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz per Zeitschaltuhr gezündet.

IS bekennt sich zu Anschlag

Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. Ein Kämpfer des Islamischen Staates habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagabend im Internet. In einer weiteren Nachricht hieß es, dass es „Soldaten des Kalifats“ gelungen sei, mehrere Sprengsätze zu platzieren, von denen einer 30 Menschen getroffen habe. Das Schlimmste komme jedoch noch, hieß es über die üblichen Kanäle, über die der IS auch in der Vergangenheit schon Anschläge für sich reklamiert hatte.

Fünfte Attacke in Großbritannien

Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten. Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden. Dort waren 22 Menschen getötet worden. Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Acht Menschen kamen bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge ums Leben. Ein Mann starb bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London. (dpa)