Führt die neue Flüchtlingsroute über Bulgarien? Polizisten an der Grenze bei Zlatarevo. (Bild: Imago/Xinhua)
Führt die neue Flüchtlingsroute über Bulgarien? Polizisten an der Grenze bei Zlatarevo. (Bild: Imago/Xinhua)

Steigende Flüchtlingszahlen und militante Bürgerwehren üben laut dem Zeitungsbericht vermehrt Druck auf die bulgarische Regierung von Premier Boiko Borrisow aus. Sofia plane deshalb, vehementer gegen „Kontrolllücken“ an der eigenen Grenze zur Türkei und zu Griechenland vorzugehen. Die bulgarische Regierung in Sofia erwäge daher die „Errichtung eines Grenzzauns an der griechisch-bulgarischen Grenze“, wenn auch nur auf bestimmten Abschnitten. Bis zum Sommer 2016 wolle Bulgarien zudem die bestehenden Grenzzäune zur Türkei auf 160 Kilometer ausbauen – insgesamt sind es 260 Kilometer Grenze zur Türkei. Diesen Ausbau hatte sie aber bereits 2015 angekündigt. Derzeit steht an der Grenze zur Türkei ein 2014 errichteter dreieinhalb Meter hoher und mit Stacheldraht gesicherter Zaun an etwa 30 Kilometern entlang der Grenzabschnitte, die als besonders unübersichtlich gelten.

Die Zahlen steigen langsam

Die geplanten Bauten gelten laut „Bild“ auch als Reaktion auf den innenpolitischen Druck durch militante Bürgerwehren an der Grenze. An einigen Tagen kommen hunderte Menschen ins Land, ein Ärgernis für viele Bulgaren, auch wenn die Migranten meistens nach Deutschland wollen. Im Spätsommer 2013 führte die stark gestiegene Zahl syrischer Flüchtlinge über die türkische Grenze nach Bulgarien zu katastrophalen Lebensbedingungen in den überfüllten Flüchtlingslagern des Landes. Aktuell ist der Zustrom von Migranten im ersten Quartal 2016 nach den Worten der bulgarischen Innenministerin Rumjana Batschwarowa sogar um etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zurückgegangen. Bis 31. März beantragten nach Angaben der staatlichen Flüchtlingsbehörde 4202 Migranten den Flüchtlingsstatus. Wie viele Flüchtlinge jedoch versuchten, das EU-Land Richtung Zentraleuropa zu verlassen, wird verschwiegen.

Neue Wege über Bulgarien

Wie die „Bild„-Zeitung unter Berufung auf den ihr vorliegenden Bericht des „Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration“ (GASIM) zur „Entwicklung der Migrationslage in Bulgarien“ schreibt, heißt es darin: „Aufgrund der Maßnahmen in der Ägäis fokussieren sich Schleuser-Gruppierungen stärker auf die Route aus der Türkei über Bulgarien und auf den Landweg nach Westeuropa“. Dort seien entsprechende Organisationen seit Jahren tätig. Die Migrationszahlen des Balkanstaates deuteten auf große „Kontrolllücken bei der Einreise“ und verstärkte „Schleuseraktivitäten“ hin. Wegen der Wirtschaftsschwäche des Landes bestehe die Gefahr, dass die personell und materiell strapazierte bulgarische Polizei „kurzfristig überfordert“ sein könnte, so die „Bild„. Die freiwilligen Bürgerwehren, die laut der Zeitung nicht nur aus Rechtsradikalen bestehen, arbeiten offenbar mit der Grenzpolizei zusammen.

Auch Albanien in Sorge

Seitdem Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien die Grenzen dicht gemacht haben, ist die Balkanroute von Griechenland in Richtung Zentraleuropa für Flüchtlinge praktisch geschlossen. Neben Bulgarien fürchten aber auch Staaten wie Albanien und Italien, dass sich die Flüchtlinge nun neue Routen suchen. Italienische Polizisten sollen deshalb albanischen Sicherheitskräften bei der Sicherung der Grenze zu Griechenland helfen, dies hatte der italienische Innenminister Angelino Alfano kürzlich angekündigt.

(Bild/avd)