Besucher informieren sich auf einer Arbeitsmarktmesse über die Angebote. (Foto: dpa/Bernd Wüstneck)
Arbeitsmarkt

Job-Rekord im Freistaat

Mit einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent hat der Freistaat einen neuen, bundesweiten Rekordwert erreicht. Damit künftig genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, setzt die Staatsregierung unter anderem auf flexibleres Arbeiten im Alter.

Erstmals liegt die Arbeitslosenquote in Bayern mit 2,9 Prozent unter der drei-Prozentmarke. Das bedeutet nicht nur Vollbeschäftigung in rund zwei Drittel der Städte und Landkreise, Bayern hat damit auch die geringste Arbeitslosenquote im bundesweiten Vergleich. Die Quote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte, im Jahresvergleich ging sie sogar um 0,3 Prozentpunkte zurück. Mit rund 5,46 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten hat der Freistaat einen neuen Höchstwert erzielt und ist das Zugpferd unter den Ländern. Auch die Zahl der offenen Stellen ist gegenüber dem Vormonat auf mehr als 127.000 gestiegen.

Rückgang in allen Landesteilen

„Eine Arbeitslosenquote von unter 3 Prozent in Bayern ist eine bundesweit einmalige Leistung und zeigt über Bayerns Grenzen hinaus: Vollbeschäftigung ist möglich“, kommentierte Ministerpräsident Horst Seehofer die jüngste Arbeitsmarktstatistik. „Sie ist die beste Voraussetzung für soziale Sicherheit und Wohlstand. Wir werden alles dafür tun, dass unser Arbeitsmarkt weiter so robust bleibt und setzen auf Qualifizierung und Weiterbildung.“

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zeigte sich ebenfalls erfreut über diese Entwicklung. Die Arbeitslosenquote sei in allen Landesteilen kontinuierlich gesunken, so die Ministerin. In den bayerischen Regierungsbezirken lagen die Arbeitslosenquoten im Oktober zwischen 2,5 Prozent in der Oberpfalz und 3,6 Prozent in Mittelfranken und somit überall weit unter dem Bundesdurchschnitt von 5,4 Prozent.

Besonders erfreulich ist, dass die Quote in allen Landesteilen kontinuierlich sinkt.

Ilse Aigner, Bayerns Wirtschaftsministerin

Aigner wies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung einer ausreichenden Versorgung mit qualifizierten Fachkräften hin. Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu drei Millionen belaufen, so eine aktuelle Studie des Basler Forschungsinstitut Prognos. Um das zu verhindern, forderte die Wirtschaftsministerin, mehr Anreize für ein flexibleres Arbeiten im Alter zu schaffen. „Wenn hochqualifizierte Fachkräfte länger arbeiten wollen, sollten wir ihnen das ermöglichen. Beim Renteneintrittsalter gibt es durchaus Spielräume, die wir nutzen sollten“, sagte Aigner. Wer nach Erreichen der Altersgrenze noch länger arbeiten will, sollte dann auch weniger Sozialabgaben zahlen.

Herausforderung Fachkräftemangel

Laut Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, haben derzeit alle Beschäftigungsgruppen beste Chancen auf dem bayerischen Arbeitsmarkt: „Die Unternehmen investieren intensiv in den Nachwuchs. Das hohe Ausbildungsengagement der Unternehmen wirkt sich positiv auf die Jugendarbeitslosigkeit aus.“ Dies zeige die Tatsache, dass die Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren seit August von 3,8 auf 2,5 Prozent gesunken sei.

Trotzdem zeigen sich zunehmend strukturelle Probleme. Die steigende Nachfrage nach Fachkräften steht einem kleiner werdenden Angebot an Arbeitskräften gegenüber. „Die aktuelle Bilanz am Ausbildungsmarkt macht deutlich, dass bereits die Rekrutierung von Nachwuchskräften für manche Unternehmen eine Herausforderung ist“, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA), Ralf Holtzwart. Zum Beginn des Ausbildungsjahres waren im Freistaat noch mehr als 14.000 Lehrstellen unbesetzt. Ihnen standen rund 1200 unversorgte Bewerber gegenüber. Holtzwart appellierte daher an die jungen Menschen, sich auch mit Alternativen zu ihrem Traumberuf auseinanderzusetzen. Obwohl es knapp 330 Ausbildungsberufe gebe, konzentrierten sich die jungen Leute auf eine Handvoll Wunsch-Berufe. Junge Frauen wollen am häufigsten Kauffrau für Büromanagement werden, junge Männer Kfz-Mechatroniker.

Faszination Handwerk

Wie lassen sich junge Menschen für handwerkliche Berufe begeistern? Das zeigte das Unternehmen Bauer AG an der „Langen Nacht der Ausbildung“. Das bunt gemischte Publikum konnte dabei selbst in Aktion treten – ob im Bohrsimulator oder an der Schmiede. Lesen Sie hier mehr dazu: Faszination Handwerk.

Sozialministerin Emilia Müller betonte in ihrer Reaktion auf die neuesten Arbeitsmarktzahlen die Bedeutung der Digitalisierung. Sie verändere die Arbeitswelt und die Qualifikationsanforderungen mit zunehmender Dynamik. „Bei all den Superlativen verlieren wir die großen Zukunftsfragen nicht aus dem Blick. Deswegen entwickeln wir zusammen mit den Arbeitsmarktakteuren unser Förderinstrumentarium fortlaufend weiter“, sagte Müller. Bis 2020 plant Bayern bis zu 70 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren.

Situation auf Deutschlands Arbeitsmarkt

Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober auf 2,389 Millionen gesunken. Erstmals seit der Wiedervereinigung sank die Erwerbslosigkeit damit unter die Marke von 2,4 Millionen. Im Vergleich zum September nahm die Zahl der Erwerbslosen um 60.000 ab. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Jobsucher um 151.000 zurück.

Grund dafür ist der kräftige Herbstaufschwung. Die Beschäftigung sei weiter gewachsen, auch die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern habe erneut zugenommen, sagte der BA-Chef Detlef Scheele. Zuletzt waren 780.000 offene Stellen bei der BA gemeldet – 88.000 mehr als vor einem Jahr.

Mehr reguläre Jobs

Die Zahl der Erwerbstätigen lag nach Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes im September bei 44,65 Millionen – ein Plus von 41.000 gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 655.000 Erwerbstätige mehr. Der Anstieg gehe allein auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück, hieß es von der Bundesagentur. Diese hat von Juli auf August saisonbereinigt um 74.000 zugenommen. Damit hatten 32,40 Millionen Menschen in Deutschland zuletzt einen regulären Job – 746.000 mehr als ein Jahr zuvor.

dpa/AS