Ilse Aigners Wohnungsbau-Offensive: In Bayern sollen bis 2025 500.000 neue Wohnungen gebaut werden. (Bild: dpa/Sven Hoppe)
Wohnungsmarkt

Bayern baut

Bauministerin Ilse Aigner hat eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Bis 2025 wird die neue BayernHeim GmbH 10.000 preisgünstige Wohnungen fertigstellen, vor allem in Ballungszentren, in denen sozial geförderter Wohnraum fehlt.

Bayern baut. Muss bauen angesichts des wachsenden Bedarfs an bezahlbaren Wohnungen. Aus dem Grund hat sich der Freistaat ein eigenständiges Bauministerium zugelegt. Und jetzt auch eine eigene neue staatliche Wohnungsbaugesellschaft – die BayernHeim GmbH. Bis zum Jahr 2025 soll die BayernHeim 10.000 Wohnungen errichten. Vier große Projekte in München, Regensburg und Fürth sind schon in Angriff genommen. Im nächsten Jahr sollen die ersten Spatenstiche erfolgen. Im Jahr 2020 werden die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.

Wohnungsbau hat in Bayern jetzt Top-Priorität.

Ilse Aigner, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr

Für Bauministerin Ilse Aigner ist es ein fliegender BayernHeim-Start. Der Gesellschaftsvertrag ist unterzeichnet und notariell beurkundet. Aber bis zum Eintrag ins Handelsregister bleibt die neue Firma noch eine sogenannte GmbH in Gründung – und legt sofort los. Aigner: „Wir zeigen damit, dass es die Staatsregierung ernst meint: Wohnungsbau hat in Bayern jetzt Top-Priorität.“

Weil Bayern boomt

Der Bedarf an Wohnungen ist eigentlich eine erfreuliche bayerische Sorge. Bayern boomt, sagt Ministerpräsident Markus Söder bei der Vorstellung der BayernHeim im Bauministerium: „Wir erleben eine unglaublich erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung in Bayern.“  Der Freistaat ist attraktiv. Was zu starkem Zuzug aus anderen Bundesländern führt. Fast unvermeidliche Folge: bezahlbarer Wohnraum wird knapp. Söder: „Das ist die Kehrseite des Erfolges von Bayern.“

Einzige Lösung bei Wohnraummangel: Nicht nur Mitpreisbremse, sondern bauen, bauen, bauen.

Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident

Dazu kam, dass die vergangene Groko in Berlin, und dort vor allem die Sozialdemokraten, das Problem allein mit einer sogenannten Mitpreisbremse lösen wollten. Söder: „Das hat nicht funktioniert.“ Kein Wunder, meint der Ministerpräsident. Denn bei Wohnungsmangel hilft nur eins: „Bauen, bauen, bauen.“ Deswegen unterstützte der Freistaat jetzt Bauwillige mit Leistungen wie der Eigenheimzulage und dem Baukindergeld Plus.

Und darum, so Söder, hat er nun die BayernHeim gegründet, „um für Mieter vor allem in den wachsenden Ballungsräumen endlich mehr preisgünstige Wohnungen zu schaffen“. Wichtig: In den staatlichen Wohnungen, die jetzt entstehen sollen, wird es eine fünfjährige Mietpreisgarantie geben, verspricht Ministerin Aigner. Fünf Jahre lang werden die Mietpreise nicht steigen.

Mit 500 Millionen Euro

Und so funktioniert die neue staatliche BayernHeim: Als Kapitaleinlage erhält die BayernHeim 500 Millionen Euro aus dem Grundstockvermögen des Freistaates zur Verfügung – Mittel, die von Verfassung wegen natürlich nicht geschmälert werden dürfen. Von der Summe werden zunächst 50 Millionen als Stammkapital in die neue Gesellschaft eingebracht. Der Rest soll in Form von Geldmitteln und Grundstücken schrittweise dazu kommen.

Die BayernHeim soll keine Gewinne erwirtschaften. Was dazu führt, dass der Freistaat dann Sozialwohnungen günstiger anbieten kann: Die Vermietung erfolgt zum Selbstkostenpreis. Das junge Unternehmen mit jetzt 20 Mitarbeitern, wird „rasant wachsen“, so Aigner, soll aber eine schlanke Verwaltungsstruktur erhalten. Als Geschäftsführer der BayernHeim konnte das Bauministerium den seit 30 Jahren in der privaten Wohnungswirtschaft tätigen Betriebswirt Peter Baumeister gewinnen.

10.000 Wohnungen als Ziel

Insgesamt will der Freistaat mit Förderungen aller Art bis zum Jahr 2025 etwa 500.000 neue Wohnungen entstehen lassen, 70.000 im Jahr. Mit der BayernHeim will die Staatsregierung dazu ihren Beitrag leisten: 10.000 Wohnungen, ebenfalls bis zum Jahr 2025. Dabei soll Staatsunternehmen nicht privaten Wohnungsbaugesellschaften Konkurrenz machen, betont Aigner: „Wir handeln nur dort, wo es schon heute einen eklatanten Mangel an sozialgefördertem Wohnraum gibt.“

Wir verhandeln bereits mit 22 Kommunen über 32 potentielle Flächen.

Ilse Aigner

Und darum ist die BayernHeim so wichtig, erläutert Aigner: Der Staat kann schneller und günstiger bauen. Weil er über staatliche Grundstücke verfügt und leichter auf Flächen des Bundes, von Kommunen oder anderer Eigentümer wie der Kirchen oder private Besitzer zurückgreifen kann. Günstiger wird es, weil eine so große Firma wie die BayernHeim Mengeneffekte nutzen kann und mit hohem Vorfertigkeitsgrad, also in Modulbauweise, bauen will.

Fliegender Start für die BayernHeim

Und es geht, wie gesagt, gleich los. Aigner: „Am Tag der Gründung (der BayernHeim, A.d.V.) kann ich selbstbewusst sagen: Wir verhandeln bereits mit 22 Kommunen über 32 Flächen.“ Bislang größtes Projekt der BayernHeim ist die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers im Bereich der ehemaligen McGraw-Kaserne in München-Obergiesing. Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern sollen hier 1000 Wohnungen und Wohnheimplätze entstehen. Aigner: „Mit der BayernHeim wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt – aber qualitativ und optisch ansprechend.“

In Bayreuth soll ein als Parkplatz benutzter Teil der ehemaligen Röhrenseekaserne überbaut werden. So dass auf 3000 Quadratmetern Wohnungen entstehen – „und zwar in zentraler Lage, direkt an der Altstadt“, so Aigner. In direkter Nähe zur Fürther Dienststelle des Landesamtes für Statistik geht es um ein 4000 Quadratmeter großes Areal. In München ist Aigners Ministerium außerdem mit dem Klinikum Großhadern in Kontakt. Aigner: „Hier schlummern Flächenpotentiale, die wir bebauen wollen.“ Bayern baut.