Die private Initiative "Die Astronautin" will die erste deutsche Frau zur ISS bringen. (Bild: Die Astronautin)
Die private Initiative "Die Astronautin" will die erste deutsche Frau zur ISS bringen. (Bild: Die Astronautin)

Sie kreist in circa 400 Kilometer Höhe und umrundet die Erde mit einer Geschwindigkeit von rund 28.000 Kilometern in der Stunde: Die Internationale Raumstation ISS gilt als eines der größten Technikprojekte in der Geschichte der Menschheit. In drei Jahren soll zum ersten Mal eine deutsche Astronautin den Hightech-Arbeitsplatz ansteuern.

Suzanna Randall lebt in München und will bei der Mission mit an Bord sein. „Ich werde die erste Frau auf dem Mars“ – davon war sie schon als Jugendliche überzeugt. Den Plan belächelten ihre Freunde damals als „abgedrehten Traum“. Doch Randall blieb ihrer Idee treu und studierte Astronomie. Jetzt ist sie ihrem Vorhaben näher denn je. Als eine der sechs Finalistinnen der privaten Initiative „Die Astronautin“ hat die Astrophysikerin die Chance auf eine zehntägige Mission im Weltall.

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Frauen auf dem Weg ins Weltall: Die Astronautin

„Als ich von der Initiative gehört habe, habe ich gedacht: Wow, das ist der perfekte Job für mich“, sagt die 37-Jährige. Denn ihr gehe es nicht nur darum, einen Kindheitstraum zu verwirklichen. Sie will auch Vorbild für Mädchen und junge Frauen sein. „Es sollte ganz selbstverständlich sein, dass eine Frau in den Weltraum kommt“, sagt Randall. Die Arbeit in gemischten Teams aus Mann und Frau bewertet die Naturwissenschaftlerin meist sehr produktiv – sie stärke den Zusammenhalt.

Arbeiten am größten Teleskop der Welt

Aktuell arbeitet die gebürtige Rheinländerin in der Europäischen Südsternwarte in München. Dort beschäftigt sie sich innerhalb ihrer Forschungsarbeit mit der Evolution von Sternen und arbeitet außerdem für das Projekt „ALMA“ in Chile. ALMA (Abkürzung für Atacama Large Millimeter Array) ist das derzeit größte Teleskop der Welt im Millimeter- und Radiowellenbereich. Mehrmals im Jahr fliegt Randall nach Südamerika und beobachtet vor Bildschirmen in einem Kontrollraum auf rund 3.000 Metern Höhe, welche Daten die Teleskope über Entdeckungen im Weltraum liefern.

Die Welt aus einem anderen Blickwinkel

Während des medizinisch-psychologischen Auswahlverfahrens müssen die Bewerberinnen beweisen, dass sie körperlich und geistig in der Lage sind, den Belastungen während einer Mission standzuhalten. Randall punktete bei der Jury nicht nur mit ihrem naturwissenschaftlichen Studium. Auch ihre Flugerfahrung kommt ihr bei den Vorbereitungen zugute: Auch an ihren freien Wochenenden verlässt sie nämlich gerne den Erdboden und kreist mit ihrem Gleitschirm um die Alpen. Nach der Endausscheidung startet für die dann Auserwählte das dreijährige Training mit Fitnessübungen, einem Russisch-Kurs sowie dem Erwerb des Flug- und Tauchscheins.

Man sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Es wäre für mich bei dieser Mission das Schönste, wenn ich die Erde als Planeten wahrnehmen könnte.

Suzanna Randall, Astrophysikerin

Die ISS kann Suzanna Randall bei klarem Wetter nachts manchmal sogar mit dem bloßen Auge sehen, wenn die Sonne sie seitlich anstrahlt. Vielleicht wechselt sie ja bald die Perspektive – und kann von dem fliegenden 450-Tonnen-Koloss auf die Erde herabblicken. Ende April weiß die Münchnerin, ob sie als erste Deutsche ins All fliegt.

Crowdfunding-Kampagne für „Die Astronautin“

Insgesamt gingen 408 Bewerbungen von Frauen aus ganz Deutschland bei Claudia Kessler ein, der Initiatorin des Projekts „Die Astronautin“. Sie ist diplomierte Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt und Geschäftsführerin von HE Space Operations, einem Personaldienstleister für Fachkräfte in der Raumfahrt. Von der Qualifikation her haben sich ihrer Einschätzung nach die Bewerbungen der Frauen nicht von denen der Männer unterschieden. „Viele Frauen erwähnen, dass sie ein Vorbild für junge Mädchen sein wollen, um diese für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern. Dieser Vorbild-Gedanke ist bei Männern viel weniger ausgeprägt“, sagt Kessler über das Auswahlverfahren, das an die Standards der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA zur Astronautenauswahl angelehnt ist.

Das Projekt „Die Astronautin“

Lesen Sie hier mehr zu den Frauen auf dem Weg ins Weltall.

Um die Mission zu finanzieren, starteten die Initiatoren eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext. Bis Ende April hoffen sie mindestens 50.000 Euro einzusammeln, um die Ausbildung von zwei Kandidatinnen zu finanzieren. Insgesamt werden die Kosten für Auswahl, Training und Flug ins All auf 30 bis 40 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld für den Flug soll mithilfe einiger Sponsoren zusammenkommen, zum Beispiel aus der Pharma- und Kosmetikbranche. Zu einem der Kooperationspartner zählt auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es übernimmt das medizinische und psychologische Auswahlverfahren, um die Eignung der Kandidatinnen zu überprüfen.