Die Exponate der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg in Kronach erstrahlen dank neuer, moderner Beleuchtungstechnik seit März 2015 in neuem Licht. (Foto: BK / dia)
Die Exponate der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg in Kronach erstrahlen dank neuer, moderner Beleuchtungstechnik seit März 2015 in neuem Licht. (Foto: BK / dia)

2015 gilt als das Cranach-Jahr: Vor 500 Jahren, im Jahr 1515, wurde Lucas Cranach der Jüngere geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Maler und Porträtisten der Renaissance, der bis zu seinem Tod 1586 am Hof im sächsischen Wittenberg eine der größten und produktivsten Kunstwerkstätten in Europa leitete. Darauf stolz zeigt sich nicht nur die Luther-Stadt Wittenberg, die mit dem Reformator Martin Luther und dem Künstler Cranach gleich zwei herausragende Persönlichkeiten der deutschen Zeitgeschichte beheimatete. Auch die Lucas-Cranach-Stadt Kronach freut sich, dass in ihr als Heimat und Wirkungsstätte des ebenso über die Maßen bedeutenden Künstlers und Grafikers sowie Luther-Zeitgenossen und -Weggefährten Lucas Cranach der Ältere der Grundstein für den Erfolg des Sohnes gelegt wurde.

Anlässlich des 500. Geburtstags des Ausnahmekünstlers Lucas Cranach der Jüngere haben die beiden Städte sowie die Stiftung Christliche Kunst, der Verein Regionale Kunstförderung Kronach e.V. und die Cranach-Stiftung erstmals gemeinsam den Internationalen Lucas-Cranach-Preis vergeben. Von 639 Wettbewerbseinsendungen zeitgenössischer Künstler wurden 61 Arbeiten ausgewählt, davon vier mit Preisen und weitere vier mit Anerkennungen ausgezeichnet. In einer Sonderausstellung im Fürstenbau in der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg zeigt die Stadt Kronach noch bis 31. Oktober die von der Jury nominierten Wettbewerbsbeiträge.

Moderne von damals im Kontext von heute

Zu sehen sind dabei unter dem von der Jury vorgegebenen Motto „Cranach 2.0“ sowohl Gemälde, Grafiken, Plastiken, Installationen als auch Fotografien und Videos, die alle jeweils einen ganz eigenen Zugriff auf das Cranach’sche Werk widerspiegeln: mal realistisch, mal abstrakt, oder schrill farbig oder schwarz-weiß. Der Brückenschlag zwischen Reformation und Moderne ist den ausgewählten Künstlern in ihren zeitgenössischen Positionen zur revolutionären Kunst einer der innovativsten deutschen Malerdynastien der damaligen Zeit aber gleicherweise gemeinsam beeindruckend gelungen. Und noch eines scheint vor diesem Hintergrund allen Künstlern gemein zu sein: Die Bildwelten der Cranachs wirken bis heute ansteckend, inspirierend und zu neuen, weitergehenden Interpretationen einladend.

Vor allem beziehen sich die Exponate auf die visuell fassbaren Künstler, deren Porträts, aber auch deren biblische und mythologische Arbeiten. Einige der eingesandten Arbeiten können auch „als Kommentare zur effizienten Mehrfachverwendung der Motive durch die Cranach-Werkstatt gelten“, wie die Wissenschaftlerin Silke Opitz über die Ausstellung schrieb. Denn, so Opitz: „Das Prinzip der Reproduktion profaner und verkaufsträchtiger Clichés, auch als ‚Repertoire-Praxis’ bezeichnet, hat sich mit Lucas Cranach dem Jüngeren als Nachfolger seines Vaters im Grunde potenziert.“ In der Ausstellung erfährt es eine nochmalige Steigerung beispielsweise in der Installation des Künstlers Kaat Schulte, die an ein Verkaufsregal eines Museumsshops erinnert, in dem seriell produzierte Repliken Cranach’scher Figurentypen inklusive Martin Luther stehen.

Neuer Glanz für Alte Meister

In der Fränkischen Galerie, einer Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums München, jedenfalls gibt es weder das eine noch das andere zu kaufen. Vielmehr fügt sich die Sonderausstellung harmonisch in die rund 220 Stücke umfassende Sammlung der fränkischen Alten Meister und insbesondere der Cranach’schen Vorbilder und Motivgeber ein. Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch werden im wahrsten Sinne des Wortes die Werke eines Cranach, Riemenschneider, Hans von Kulmbach oder anderer Meister der Spätgotik und Frührenaissance auf rund 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in ein neues, modernes Licht gerückt: Für das Cranach-Jahr hat die Galerie 2014 mit Mitteln des Bayerischen Kultusministeriums eine Rundumerneuerung der Beleuchtungstechnik vorgenommen. Hierbei handelt es sich um eine LED-Beleuchtung, die als „gerichtetes Licht“ in den abgedunkelten Räumen das Objekt und nicht die Ausleuchtung des Raums in den Vordergrund stelle, wie der Museologe der Stadt, Alexander Süß, erklärt.

Begleitet wurde die Innenrenovierung, die Ende Februar pünktlich zum Cranach-Jahr abgeschlossen worden war, von der Erstellung eines neuen inhaltlichen und textlichen Leitfadens durch die einzelnen Abteilungen des Museums sowie einer teilweisen neuen Hängung der Werke. Letztere ist das Ergebnis der umfangreichen Recherchen, die Matthias Weniger, Referent für Skulptur und Malerei um 1500 am Bayerischen Nationalmuseum, im Zuge der Vorbereitung für den neuen Ausstellungskatalog vorgenommen hat. Zusammen mit dem Katalog bilden weitere, neue Leihgaben, die München der Fränkischen Galerie für ihre Sammlungsbestände zur Verfügung gestellt hat, nun einen weiteren wichtigen Baustein des Museums hoch über der Cranach-Stadt.

Sonderausstellung „Internationaler Lucas-Cranach-Preis 2015 – Cranach 2.0“:

  • Die Sonderausstellung ist noch bis 31. Oktober im Fürstenbau der Festung Rosenberg zu sehen.
  • Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für 15 Euro an der Kasse erworben werden kann.
  • Geöffnet ist die Fränkische Galerie von März bis Oktober – in dieser Zeit von Dienstag bis Sonntag von 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr.
  • Erwachsene zahlen sieben Euro, Schüler und Studenten 4,50 Euro und Familien 14 Euro.
  • Weitere Informationen unter: www.bayerisches-nationalmuseum.de oder www.kronach.de.