Ein Hubschrauber wirbelt Warmluft aus höheren Luftschichten auf die Reben. (Foto: DPA/Christoph Schmidt)
Weinbau

Hubschrauber gegen Nachtfrost

Wein- und Obstbauern haben derzeit mit den eisigen Temperaturen zu kämpfen. Schon in früheren Jahren hat Frühjahrs-Frost einen Großteil der Ernte vernichtet. Um Abhilfe zu schaffen, verwirbeln Hubschrauber oder Luftschläuche die kalte Luft in den Weinbergen. Auch künstliche Beregnung oder Paraffin-Kerzen sollen helfen.

Die Winzer in Unterfranken und die Obstbauern in ganz Bayern machen sich Sorgen wegen der Nachtfröste: Die Weinreben haben ausgeschlagen, viele Obstbäume stehen bereits in voller Blüte. Doch in den vergangenen Nächten fiel die Temperatur örtlich auf minus zwei bis minus fünf Grad. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes könnten die Temperaturen auch in den kommenden Nächten nochmals bis minus fünf Grad sinken.

Schon in früheren Jahren haben Frühjahrs-Fröste einen großen Teil der Obst- und Weinernten vernichtet. Sehr schwere Schäden gab es etwa 2011, als noch am 4. Mai die Temperatur auf deutlich unter Null fiel. Seither setzen zahlreiche Winzer in Unterfranken technische Hilfe ein, um die lokale Temperatur in den Steilhängen zu erhöhen – ebenso wie Obstbauern versuchen, die Temperatur in den Obstgärten anzuheben.

Hubschrauber wirbeln Warmluft auf den Boden

In Unter- und Westmittelfranken gibt es etwa 4.000 Weinbaubetriebe, die 6.200 Hektar Rebflächen bearbeiten. Die unterfränkischen Winzer versuchen seit einigen Jahren, mit Hubschraubern, Warmluftschläuchen und Beregnungsanlagen die Kälteschäden zu begrenzen. Die Hubschrauber verwirbeln die Luft und verhindern, dass der Frost die Triebe zu hart anpackt. Wegen der Inversionswetterlage staut sich die Kaltluft am Boden, die oberen Luftschichten sind wärmer. Daher bläst der Hubschrauber etwas wärmere Luft auf den Boden und auf die Pflanzen.

Einen ähnlichen Verwirbelungs-Zweck erfüllen am Boden verlegte Luftschläuche, typischerweise schwarz und etwa 70 Zentimeter im Durchmesser. Die Schläuche sind an eine Belüftungsmaschine angeschlossen, die die kalte Luft aus den Rebhängen bläst. Wenn die Schläuche – wie bei einigen Winzern – auch noch Warmluft im Gepäck haben, erhöht diese auch direkt die örtliche Temperatur.

Landesanstalt probiert verschiedene Methoden

Bereits im Vorjahr testeten Experten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim in einigen Weinbergen verschiedene Methoden zur Frostbekämpfung. In Sulzfeld am Main (Landkeis Kitzingen) stellten Mitarbeiter Heizöfen auf, praktisch waren es Blecheimer mit Wachs und Kerzendocht. Acht bis zehn Stunden lang brannten diese Öfen in der Nacht. Diese Wärmespender sind aber eine teure Variante, weil 200 bis 300 Kerzen für einen Hektar gebraucht werden.

In Sommerach (Landkreis Kitzingen) war ein Hubschrauber unterwegs, um die Luft zu verwirbeln. Der Helikopter flog 20 Meter hoch über dem Boden über eine 14 Hektar große Fläche. Nach dem Hubschrauber flog eine halbe Stunde lang eine Drohne über die Reben, nahm die Temperaturwerte auf und erstellte dann eine Thermokarte. Erkenntnis: Der Hubschrauber-Einsatz bringt bis zu vier Grad Wärme.

Für Außenstehende etwas schwerer zu verstehen ist das Prinzip der Beregnungsanlagen, das die Landesanstalt im Vorjahr etwa in Himmelstadt (Landkreis Main-Spessart) gegen den Frost ausprobierte: Das gefrorene Wasser bildet eine Schutzschicht um die Knospen, dadurch kann der Frost nicht in die Knospe eindringen. Der Nachteil der Beregnungsanlage ist, dass sie wegen des hohen Wasserverbrauchs relativ teuer ist.

Große Paraffin-Kerzen und brennende Strohballen

Ähnlich wie die Weinbau-Anstalt in Sulzfeld stellte in den vergangenen Nächten ein Obstbau-Techniker in Norsingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald / Baden-Württemberg) mehr als 200 große Frostkerzen in seiner Obstbaumanlage auf, um mit deren Wärme die Blüten der Pfirsich- und Birnbäumen zu schützen. Die Kerzen erhöhen die Temperatur lokal um bis zu drei Grad, berichtet der Betreiber.

Auch manche Winzer am Bodensee beheizen derzeit ihre Weinberge mit hunderten kleiner Feuereimer. Dazu stellen sie mit Paraffin gefüllte Blecheimer zwischen die Reben und zünden sie an. Außerdem kommen örtlich Warmluftgebläse zum Einsatz.

In Österreich – etwa in Niederösterreich, vor allem im Kremser Gebiet, aber auch in der Steiermark und im Burgenland – probieren Winzer und Obstbauern neben großen Paraffin-Kerzen auch brennende Strohballen aus. Der Rauch soll nicht nur für Wärme am Boden sorgen und die Kälte von Blüten und Trieben fernhalten, sondern auch die Auftauphase in den frühen Morgenstunden verlangsamen. Denn auch zu schnelles Auftauen ist schädlich, meinen Experten, weil dabei die Zellen platzen können. Dadurch können die Obstbaumtriebe oder Reben absterben.