Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner kritisiert die Kampagne des Umweltbundesministeriums (Foto: CSU-Landtagsfraktion)
Polemik

Brunner verteidigt die Landwirte

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner greift in einem offenen Brief die "Bauernregel"-Kampagne des Bundesumweltministeriums scharf an. Der SPD-Ministerin Barbara Hendricks wirft er vor, sie spalte die Gesellschaft und diskriminiere die Landwirte.

Nein, er hat ihr kein Gedicht geschrieben. Bayerns Agrarminister Helmut Brunner hat einen anderen Weg gewählt, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks seine Verärgerung mitzuteilen. Die SPD-Politikerin greift mit polemischen, gereimten „Bauernregeln“ die Landwirte an und wirft ihnen damit mehr oder weniger pauschal Umweltverschmutzung und Tierquälerei vor. Die Aktion wurde bereits von Bauernverbänden und CSU-Politikern heftig kritisiert.

Diskriminierung statt Gespräche

In einem offenen Brief an Hendricks schreibt Brunner: „Ich bin tief enttäuscht und verärgert. Mit Ihrer Kampagne, die ganz offensichtlich darauf abzielt, eine vor allem städtische Öffentlichkeit gegenüber der Landwirtschaft in Deutschland zu mobilisieren, verlassen Sie ein bisher unsere Gesellschaft tragendes Niveau politischer Auseinandersetzung und leisten einen gefährlichen Beitrag zu einer inneren Spaltung unserer Gesellschaft.“ Die Aktion des Bundesumweltministeriums gehe „bewusst und gezielt zu Lasten unserer ehrlich und hart arbeitenden Bäuerinnen und Bauern in unserem Land, die sich ein weiteres Mal von Ihnen und Ihrem Haus gedemütigt, ja verachtet“ fühlten. Hendricks zerschneide „das Gesprächsband zwischen den Beteiligten“ und verhindere eine zielorientierte und ausgewogene Lösungsfindung.

In Bayern gehen wir einen anderen, einen besseren und erfolgreicheren Weg. Wir spalten nicht, wir versuchen Lösungen mit den Betroffenen und Beteiligten zu erreichen.

Helmut Brunner

„Das ist nicht mein Verständnis von Politik“, schreibt Brunner weiter. „Deshalb gehen wir in Bayern auch einen anderen, einen besseren und erfolgreicheren Weg. Wir spalten nicht, wir versuchen Lösungen mit den Betroffenen und Beteiligten zu erreichen, indem wir miteinander sprechen, Meinungen, Vorstellungen und Ziele benennen und nach Möglichkeit gemeinsame Lösungen entwickeln.“ Brunner wirft Hendricks vor, sie setze dagegen auf „Gängelung und jetzt sogar- ein neuer Tiefpunkt – auf Diskriminierung“.

Seehofer verlangt eine Entschuldigung

Brunner fordert die SPD-Ministerin auf, „von der geplanten Aktion abzulassen, zur Achtung aller Menschen und des bäuerlichen Berufsstandes zurückzukehren und so auch die Dialogfähigkeit mit unseren Land- und Forstwirten zurückzugewinnen“.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kritisierte Hendricks ebenfalls scharf. Ihre „Bauernregeln“ seien nicht nur eine „Verunglimpfung, sondern eine Beleidigung“, sagte Seehofer auf dem Rossmarkt im oberpfälzischen Berching. „Ich rufe die Umweltministerin auf, sich bei den Bauern zu entschuldigen“, so der Ministerpräsident.