Die Autoindustrie, hier BMW, gehört weiter zu den Wachstumsbranchen. (Foto: dpa/Jan Woitas)
Konjunktur

Bayerns Wirtschaft wächst am stärksten

Eine neue Studie bescheinigt dem Freistaat hohe wirtschaftliche Dynamik. Kein anderes Flächenland werde bis zum Jahr 2045 ein so kräftiges Wirtschaftswachstum verzeichnen wie Bayern. Bremsen könnten den Aufschwung Handelskonflikte mit den USA.

Bayerns Wirtschaft bleibt bis 2045 auf Wachstumskurs. Der Freistaat wird in diesem Zeitraum sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) stärker steigern können als Deutschland insgesamt. Das geht aus einer Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und der Prognos AG hervor. „Insgesamt ist Bayern im Prognosezeitraum der wirtschaftlich am stärksten wachsende Flächenstaat“, erklärt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Bis 2045 rechnen wir mit Zuwachsraten des bayerischen BIP in Höhe von durchschnittlich 1,6 Prozent pro Jahr. Die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik legt etwas verhaltener mit 1,3 Prozent jährlich zu.“

Autobranche als Gewiner

Die Hauptgründe für die überdurchschnittliche Entwicklung Bayerns seien die große Bedeutung der Industrie, die starke Internationalisierung der bayerischen Wirtschaft sowie die im Vergleich zu Deutschland günstigere Bevölkerungsentwicklung.

Wachstumstreiber Nummer eins in Deutschland und Bayern ist die Industrie.

Bertram Brossardt, vbw-Hauptgeschäftsführer

„Wachstumstreiber Nummer eins in Deutschland und Bayern ist die Industrie“, sagt Brossardt. „27 Prozent der bayerischen Bruttowertschöpfung werden von ihr erwirtschaftet. Zwischen 2016 und 2045 rechnen wir hier mit jahresdurchschnittlichen Zuwachsraten von 1,7 Prozent. Deutschlandweit wächst dieser Wirtschaftszweig mit 1,5 Prozent langsamer.“ Zu den Gewinnern gehöre laut Studie die Automobilindustrie. Beste Aussichten haben demnach auch die Branchen Pharmazie, Datenverarbeitungsgeräte, Elektronik und Optik.

Protektionismus als Wachstumsbremse

Die entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre sei der demografische Wandel, so Brossardt. Dem Rückgang der Erwerbspersonenzahl müsse mit einem Bündel von Maßnahmen begegnet werden. „Eine weitere Gefahr für das Wachstum stellt auch der Protektionismus dar“, betont der vbw-Hauptgeschäftsführer und fügt hinzu: „Die jüngsten Vereinbarungen zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker scheinen zunächst die Zollspirale im transatlantischen Handel gestoppt zu haben. Falls es doch zu langfristigen Handelshemmnissen kommen sollte, dann zeigt eine Szenariorechnung des Reports, dass diese zu Wachstumsverlusten führen würden.“

Im Falle von Wirtschaftssanktionen läge Deutschlands BIP-Volumen im Jahr 2025 laut Prognos-Studie um rund 15 Milliarden Euro beziehungsweise 0,5 Prozent niedriger als in der Prognose ohne neue Handelshemmnisse. Das Szenario basiert auf der Annahme, dass die USA für mehrere Branchen Strafzölle auf bestimmte Importgüter festlegen. In der Folge verteuern sich US-Importe aus den Ländern, die von den Strafzöllen betroffen sind. Des Weiteren wird angenommen, dass die betroffenen Handelspartner auf die Entscheidung der USA mit in der Summe gleich hohen Vergeltungszöllen reagieren. Weitere Effekte wie die Folgen von Investitionszurückhaltung durch Unsicherheiten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Effekte der Globalisierung

Auch ohne Handelskonflikte sei der Erfolg laut vbw Bayerns kein Selbstläufer. „Die prognostizierte positive Entwicklung für Bayern steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Globalisierung weiter positiv fortsetzt, und es uns allen gemeinsam gelingt, die großen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen“, sagt Hauptgeschäftsführer Brossardt.