Bayerns Innenminister Joachim Herrmann präsentierte die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres. (Foto: Imago/Alexander Pohl)
Kriminalität

Sicheres Bayern

Licht und Schatten zeigt Bayerns Kriminalitätsstatistik: Im vergangenen Jahr gab es weniger Raub, Diebstahl und Einbruch und eine sehr hohe Aufklärungsquote. Aber auch mehr Gewaltdelikte und eine steigende Zahl ausländischer Tatverdächtiger.

Zuerst die gute Nachricht. Trotz leichter Zunahme um 1,3 Prozent verharrt die Entwicklung der Gesamtkriminalität in Bayern auf niedrigem Niveau. Insgesamt 594.116 Fälle verzeichneten die Polizeibehörden im vergangenen Jahr. Im Zehnjahresvergleich ist das der zweitniedrigste Wert nach 2017.

Bundesweit die geringste Kriminalitätsbelastung

Das ergibt eine Kriminalitätsbelastung von 4533 Fällen auf 100.000 Einwohner. Auch dies der zweitbeste Wert seit 1989. Damit ist Bayern bundesweit ganz klar das sicherste Bundesland vor Baden-Württemberg (5093) und Hessen (5621). Im Stadtstaat Berlin ist die Kriminalitätsbelastung mit 13.746 Fällen auf 100.000 Einwohner mehr als drei Mal so hoch wie im Freistaat. Spitzenreiter ist Bayern auch bei der Aufklärungsquote. Sie verbesserte sich 2018 um 0,1 Prozentpunkte auf 64,5 Prozent.

Und nun die nicht so gute Nachricht: Die leichte Zunahme um 7910 Straftaten ist im Wesentlichen zurückzuführen auf Anstiege in den Bereichen der Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung (12,5 Prozent), der Rauschgiftkriminalität (8,0), der Sachbeschädidgungen (1,7) oder des Betrugs (18,4). Aber auch auf 386 zusätzliche Fälle von Gewaltkriminalität, ein Plus von 1,9 Prozent.

Mehr nichtdeutsche Tatverdächtige

Insgesamt 263.318 Tatverdächtige erfassten die bayerischen Polizeibehörden im vergangenen Jahr. Darunter waren 169.833 Personen mit deutschen Pässen – 3255 oder 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Weiter gestiegen ist dagegen die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen von 92.795 auf 934.485 Personen – 35,5 Prozent aller Tatverdächtigen. Bei einem Anteil von nur 12,6 Prozent der bayerischen Wohnbevölkerung seien nichtdeutsche Tatverdächtige deutlich überrepräsentiert, erklärte Innenminister Joachim Herrmann, der die Kriminalitätsstatistik präsentierte.

Nach wie vor spielt der steigende Anteil an tatverdächtigen Zuwanderern eine wichtige Rolle im Bereich der Kriminalstatistik.

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister

Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen wurden 27.823 Zuwanderer erfasst, die mindestens ein nicht ausländerrechtliches Delikt begangen haben. Ein Anstieg um 1,4 Prozent. Der Anteil der Zuwanderer an allen Tatverdächtigen lag 2018 bei 10,6 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Unerfreulicher Vergleich: Im Jahr 2012 lag der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer bei 1,8 Prozent. Schlussfolgerung des Innenministers: „Nach wie vor spielt der steigende Anteil an tatverdächtigen Zuwanderern eine wichtige Rolle im Bereich der Kriminalitätsstatistik.“

Gewaltkriminalität

Besonders sichtbar wird das bei der Gewaltkriminalität. Die wuchs um 386 Delikte oder 1,9 Prozent auf 20.785 Fälle. Den Schwerpunkt bildeten mit 80,5 Prozent die gefährlichen und schweren Körperverletzungen. 3889 Gewaltdelikte (18,7 Prozent) gingen auf das Konto von Zuwanderern – 133 mehr als im Jahr zuvor. Das bedeutet: Ein gutes Drittel des Anstiegs um 386 Gewaltdelikte bestritten tatverdächtige Zuwanderer.

Von den durch Zuwanderer begangen Gewaltdelikten lag der Tatort bei 1420 Delikten innerhalb und bei 2469 Fällen außerhalb von Asylbewerberunterkünften. Herrmann: „Damit wurde mittlerweile der überwiegende Anteil dieser Delikte außerhalb der Asylbewerberunterkünfte begangen.“

Tatort Asylbewerberunterkunft

Insgesamt 4592 Personen wurden Opfer eines Gewaltdeliktes, bei dem ein Zuwanderer Tatverdächtiger war. Darunter waren 1486 deutsche und 3106 nichtdeutsche Opfer. Von den nichtdeutschen Opfern waren wiederum 2358 (51,4 Prozent) Zuwanderer.

Vor allem die Verstärkung der uniformierten Präsenz im Umfeld der Unterkünfte sorgt für mehr Sicherheit in diesem Bereich.

Joachim Herrmann

„Die Bayerische Polizei hat die Sicherheitslage, gerade im Umfeld von Gemeinschaftsunterkünften, fest im Blick“, versicherte Innenminister Herrmann. Insgesamt wurden in Asylbewerberunterkünften im vergangenen Jahr 9946 Straftaten registriert. Das sind 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Trotzdem musste Bayerns Polizei 25.967 Einsätze in Asylbewerberunterkünften absolvieren, fast zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Den Schwerpunkt bildeten dort Rohheitsdelikte, Sachbeschädigungen und Diebstähle.

Mord, Totschlag und Vergewaltigung

Einen starken Anstieg verzeichneten die Polizeiermittler bei den Straftaten gegen das Leben. 2018 wurden insgesamt 648 versuchte und ausgeführte Fälle gezählt und damit 90 Delikte mehr als im Vorjahr. Die Zunahme geht zurück auf einen einzigen krassen Fall von 105 Mordversuchen per Internet.

Von 612 Tatverdächtigen im Deliktbereich Straftaten gegen das Leben waren 225 Nichtdeutsche (36,8 Prozent). Was gegenüber den 239 nichtdeutschen Tatverdächtigen des Jahres 2017 einen kleinen Rückgang darstellt. Allerdings: 2009 waren von insgesamt 588 Tatverdächtigen nur 117 Nichtdeutsche. Von den 225 tatverdächtigen Nichtdeutschen des Jahres 2018 waren 83 Zuwanderer (2009: 10).

Die Zahl der vollendeten Totschläge und Morde ist um 40 auf 180 Fälle zurückgegangen – der geringste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Ganz entscheidend: Die sehr hohe Aufklärungsquote von 94,3 Prozent im Vorjahr konnte 2018 auf 96,3 Prozent weiter gesteigert werden. Totschläger und Mörder, so Herrmann, haben in Bayern keine Chance.

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist erneut um 12,5 Prozent von 7666 auf 8626 Delikte stark gestiegen. Was auch auf eine allerdings schon zwei Jahre zurückliegende Gesetzesnovelle und ein darum verändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen sein könnte, vermutet Herrmann. Der Anteil der deutschen Tatverdächtigen ging dabei von 68 auf 65 Prozent zurück. Der der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg von 32 auf 35. Der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer stieg von 15 auf 15,9 Prozent.

Weniger Einbrüche

Nach diesen und anderen eher unerfreulichen Zahlen – Anstieg der Internetkriminalität um 605 auf 26.437 Fälle, Wachstum der Rauschgiftkriminalität um 8,0 Prozent auf 50.941 Fälle – gab es aber auch positive Entwicklungen. So sank die Zahl der Diebstähle um 7254 auf 155.924 Delikte. Die Kfz-Diebstähle gingen um 9,7 Prozent auf 12.581 Fälle zurück, die der Taschendiebstähle gar um 14,9 Prozent auf 4885 Fälle. 43 Prozent aller Diebstahl-Tatverdächtigen waren Nichtdeutsche.

Besonders freut mich, dass sich unsere intensiven Bemühungen zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchs weiter auszahlen.

Joachim Herrmann

Besonders freut sich Herrmann über den deutlichen Rückgang der Wohnungseinbrüche. Ihre Zahl sank um 806 auf 5239 Taten – zum zweiten Mal ein Rückgang von 13 Prozent. Allerdings liegt die Zahl deutlich über der von 4522 Einbrüchen im Jahr 2009. Fast die Hälfte der Einbrüche (48,7 Prozent) blieb 2018 beim Versuch stecken.

Bayerns Fahnder konnten im vergangenen Jahr 923 Wohnungseinbrecher identifizieren. Knapp über die Hälfte von ihnen (50,1 Prozent), waren nichtdeutsche Tatverdächtige, vorwiegend aus Mittel- und Osteuropa.