Der CSU-Parteivorsitzende und Bundesinnenminister Horst Seehofer beim ARD-Sommerinterview in Berlin. (Foto: Picture Alliance/Gregor Fischer/dpa)
Interview

„Gut drauf und hoch motiviert“

Im Interview mit der ARD zeigt sich der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer optimistisch mit Blick auf die bayerische Landtagswahl. Er macht Druck bei der Einrichtung von Anker-Zentren und wehrt sich gegen die Diffamierungen der vergangenen Wochen.

Bei der Einrichtung der Ankerzentren für Asylbewerber nimmt CSU-Chef Horst Seehofer die Koalitionspartner CDU und SPD in die Pflicht. Der Bundesinnenminister forderte Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sowie die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles auf, sich bei den Ländern stärker für die Einrichtung solcher Zentren einzusetzen. „Der Koalitionsvertrag gilt“, sagte Seehofer am Sonntag im ARD-Sommerinterview. „Und nun müssen die Parteivorsitzenden der anderen Parteien dafür sorgen, dass diese Ankerzentren auch durchgesetzt werden. Die CSU in Bayern hat es durchgesetzt.“

Nahles und Merkel sollten sich bei den Ministerpräsidenten ihrer Parteien für Ankerzentren einsetzen. „Wir müssen solange an dem Thema dranbleiben, bis die Ministerpräsidenten in ihren Landesregierungen dies auch durchsetzen“, sagte Seehofer. Es gehe um Glaubwürdigkeit. Auf die Frage, ob er sich von Merkel in dieser Frage mehr Unterstützung wünsche, sagte der CSU-Chef: „Ja.“

Sieben Ankerzentren in Bayern

In Bayern hatten Anfang August die bundesweit ersten Ankerzentren die Arbeit aufgenommen, insgesamt sieben. Die Einrichtungen sollen Asylverfahren und damit auch Abschiebung oder Rückführung derjenigen Migranten beschleunigen, die kein Bleiberecht haben. Die Ankerzentren sind im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart und ein Teil von Seehofers „Masterplan Migration“. Außer Bayern ist bislang laut Bundesinnenministerium nur Sachsen bereit, sich mit dem Modellstandort Dresden zu beteiligen. Das Saarland habe Interesse bekundet.

Die deutsche Bevölkerung würde es nicht verstehen, wenn wir mehr Migranten aufnehmen als an der Grenze zurückweisen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

Seehofer äußerte sich auch zu den Verhandlungen über Migrationsabkommen mit anderen EU-Staaten. Er hoffe, dass es in der kommenden Woche Klarheit darüber geben werde, ob diese Abkommen klappen. Möglicherweise müssten die Regierungschefs wegen der Komplexität noch einmal darüber reden.

Schwierige Verhandlungen über Rückführungen

Seehofer nannte explizit Verhandlungen über Abkommen mit Griechenland und Italien. Er werde das Ergebnis Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Koalition vorlegen. „Und dann muss entschieden werden, ob wir ein eventuelles Ergebnis akzeptieren als Koalition.“ Das Ziel seiner Politik bekräftigte Seehofer. Es sei richtig, „Menschen zurückzuführen, die bereits in Europa einen Asylantrag gestellt haben“.

Der CSU-Chef äußerte sich aber erneut skeptisch über den Ausgang der Verhandlungen zur Rücknahme von Migranten. Die Schwierigkeit bestehe darin, dass die Partner eine Gegenleistung verlangten. Es gehe darum, dass für den Fall, dass Deutschland bestimmte Migranten zurückführe, Griechenland und Italien wollten, dass umgekehrt Deutschland andere Flüchtlinge aus den Ländern übernehme. „Das würde die deutsche Bevölkerung nicht verstehen, wenn wir mehr aufnehmen als an der Grenze zurückweisen“, sagte Seehofer.

CDU und CSU hatten nach langem asylpolitischen Streit Verhandlungen mit anderen EU-Staaten über Migrationsabkommen vereinbart, am Ende auch mit Zustimmung des Koalitionspartners SPD.

Seehofer kritisiert Diffamierungs-Kampagne

Der CSU-Chef wies zudem Kritik an Äußerungen von ihm zur Asylpolitik zurück. Auf die Frage, ob er Aussagen bereue, sagte er, er habe sich da sehr genau geprüft: „Ich komme nicht zu dem Ergebnis, dass hier falsche Sätze geprägt wurden.“ Demgegenüber seien er und seine Partei mit Sätzen und Attributen konfrontiert worden, über die sich niemand aufgeregt habe: „Wir sind in Bezug gesetzt worden zu Mördern, zu Rassisten, zu Terroristen, zu Nazis.“

Der Begriff „Asyltourismus“, für den die CSU ebenfalls kritisiert worden war, sei eine Formulierung, die die EU-Kommission in einem Bericht verwendet habe. Darüber habe sich seit 2008 niemand aufgeregt. „Bei der CSU kommt sofort die Sprachpolizei und will uns bevormunden, was wir sagen dürfen“, sagte Seehofer. Bereits in einer Bierzelt-Rede im oberbayerischen Töging am Inn am Donnerstagabend hatte er seinen Kritikern eine gezielte Kampagne gegen seine Person und eine völlig unangemessene Wortwahl vorgeworfen.

Absolute Mehrheit als Ziel

Für die Landtagswahl im Oktober in Bayern zeigt sich der CSU-Parteivorsitzende optimistisch. Auf die Frage zu den Chancen auf eine absolute Mehrheit, sagte Seehofer im Sommerinterview, er glaube „fest daran“. Seehofer sagte, die CSU sei „gut drauf und hoch motiviert“. Er lege mit dem Ziel der absoluten Mehrheit auch für sich persönlich die Messlatte hoch. Er habe zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Verantwortung, ein gutes Wahlergebnis zu erzielen.

Die CSU liege in den Umfragen 25 Prozentpunkte vor Konkurrenten, die zudem keine eigenen Ministerpräsidenten-Kandidaten aufgestellt hätten. Die CSU stelle mit Söder einen „erstklassigen Ministerpräsidenten“, sagte Seehofer. Es gehe darum, die Politik der CSU zu vermitteln, dann werde die Partei auch gut abschneiden.