Der Regensburger Andreas A. wurde mehrere Wochen auf Kuba festgehalten. (Bild: Robert W. / fkn)
Der Regensburger Andreas A. wurde mehrere Wochen auf Kuba festgehalten. (Bild: Robert W. / fkn)

Eigentlich hätte es ein unbeschwerter Urlaub werden sollen. Zusammen mit zwei Freunden flog der Regensburger Andreas A. Mitte September nach Kuba. Zwei Wochen lang wollten sie einen Traumurlaub verbringen – für Andreas entwickelt sich der Trip allerdings immer mehr zum Alptraum.

Autounfall mit mehreren Verletzten

Denn: Sechs Tage nach ihrer Ankunft sind Andreas und seine Freunde in einen Autounfall verwickelt: In einem Dorf nahe der Stadt Union de Reyes – knapp 200 Kilometer von der Hauptstadt Havana entfernt – gerät der Mietwagen der Deutschen, offenbar durch einen Achsenbruch, außer Kontrolle. Der Wagen schießt über den Grünstreifen, der die Fahrbahnen trennt, und rammt ein entgegenkommendes Taxi. Das Taxi überschlägt sich, die fünf Insassen werden verletzt, einer von ihnen wird mit dem Krankenwagen abtransportiert. Die drei Deutschen bleiben wie durch ein Wunder nahezu unverletzt.

Mehrere Stunden müssen sie am Straßenrand warten, bis die kubanische Polizei gegen 20 Uhr kommt. „Wir wurden auf die Wache gebracht, und mussten dort unsere Aussagen machen“, erzählt Robert W., der mittlerweile wieder in Deutschland ist, dem BAYERNKURIER. Um die Sprachhürde zu überbrücken, holen die Behörden einen Kubaner hinzu, der in der ehemaligen DDR gelebt hat und „passabel deutsch spricht“, wie Robert berichtet. Mehrfach müssen sie den Unfallhergang beschreiben, fertigen zahlreiche Zeichnungen an. „Aber irgendwie wollten die das nicht kapieren.“

Schäden bezahlt, Verletzte wieder Zuhause – aber keine Ausreise

Fakt ist aber, das teilen die Behörden den Deutschen mit: Andreas A. muss als Fahrer des Unfallautos so lange im Land bleiben, bis ein Gutachten erstellt ist und die Verletzten aus dem Krankenhaus entlassen sind. Robert und der dritte Freund dürfen nach Hause fliegen.

Zunächst, so schildert es Robert, nimmt Andreas seinen verlängerten Urlaub noch mit Humor. Am 24.September wird ein Gutachten des Unfallwagens erstellt, am 28. werden die Verletzten aus der ärztlichen Behandlung entlassen – keiner der Insassen hat irgendwelche Folgeschäden von dem Unfall davonzutragen. Andreas kommt für alle Forderungen auf und begleicht alle Kosten, die ihm präsentiert werden. Ärger will er um jeden Preis vermeiden.

Kubas Justizsystem mahlt langsam

Doch Andreas A. darf immer noch nicht nach Hause. Denn nun greifen die langsam mahlenden Mühlen der kubanischen Justiz. Jetzt fehlt eine Unterschrift aus Havanna, um das Verfahren endlich abzuschließen – doch nachdem das Polizeiauto kaputt ist, könne diese Unterschrift nicht eingeholt werden. Das zumindest wird Andreas A. erklärt – die letzte Frist, die die Behörden versprechen, verstreicht am 14. Oktober.

Seitdem hat Andreas nichts mehr von den Behörden gehört – und sitzt daher auf unbestimmte Zeit auf Kuba fest. Unterschlupf hat er bei dem Dolmetscher gefunden. Mit ihm wohnt er seitdem in einer Wellblechhütte, teilt sich mit ihm sogar ein Bett.

Freunde und Familie machen sich große Sorgen

Kein Wunder also, dass sich Familie und Freunde in der Oberpfalz Sorgen machen. Der Kontakt zu Andreas A. ist nur sporadisch möglich. Im Gespräch mit dem BAYERNKURIER berichten seine Freunde davon, dass Andreas anfangs nicht in Panik verfallen sei – mittlerweile aber gehe ihm die Situation an die Substanz. „Das Schlimmste für ihn ist die Ungewissheit, weil er einfach festsitzt und man nicht mit ihm spricht“, berichtet Benjamin. Zusammen mit anderen Bekannten haben sie einen Aufruf über Facebook gestartet, um in Deutschland Aufmerksamkeit für das Schicksal ihres Freundes zu erregen.

Mittlerweile geht es ihm an die Substanz.

Robert W., Freund und Begleiter auf der Kuba-Reise

Auswärtiges Amt ist über den Fall informiert

Und auch das Auswärtige Amt ist informiert – sieht aber offenbar aktuell wenig Spielraum, um Andreas A. helfen zu können. Auf Anfrage des BAYERNKURIER heißt es aus Berlin lediglich, der Fall sei bekannt. „Die deutsche Botschaft in Havanna ist befasst und setzt sich seit Bekanntwerden des Falls für den Betroffenen ein.“ Allerdings, so betont das Ministerium: Die Entscheidung über die Ausreisesperre liege einzig und allein bei den kubanischen Behörden. Andreas Freund Robert, der bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz saß, hat jedoch eine andere Version der Geschichte: „Mir hat Andreas erzählt, dass er der deutschen Botschaft hinterher telefoniert, ohne dass etwas passiert.“ Unabhängig davon, wieviel das Auswärtige Amt hinter den Kulissen für Andreas A. tut – der Betroffeneselbst fühlt sich offenbar nur unzureichend unterstützt.

„Was bleibt, ist die Angst vor der Ungewissheit“

Bleibt also die Frage: Warum muss Andreas A. weiter auf Kuba bleiben? Zwar haben ihm die Behörden einen Rechtsanwalt zugewiesen – „mit dem hat er aber nur kurz gesprochen“, berichtet Robert. Auch ist weder von einer Anklage, noch von einer potentiellen Gerichtsverhandlung die Rede. „Im Prinzip sitzt er einfach nur herum und wartet“, erzählen seine Freunde. Auf was, wissen offenbar nur die kubanischen Behörden. Was für Andreas A. bleibt, ist die Angst, in einem Justizsystem gefangen zu sein, das von dem Begriff „Rechtsstaat“ nicht weiter entfernt sein könnte.