"Ich verteidige heute Amerikas nationale Sicherheit, indem ich Importe von Stahl und Aluminium mit Zöllen belege", sagt Donald Trump. Foto: Susan Walsh/AP
Reaktion

Trump schießt Eigentor

Das große Engagement der bayerischen Wirtschaft schafft in hohem Umfang auch Arbeitsplätze in den USA. Protektionismus und Strafzölle könnten diese laut vbw gefährden. Insgesamt reagiert das Ausland enttäuscht auf Trumps Einführung von Strafzöllen.

Bayerische Unternehmen sorgen für fast 530.000 Jobs und eine Bruttowertschöpfung von rund 67 Milliarden Euro in den USA. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). „Freier Handel und Direktinvestitionen haben Bayern wirtschaftlich eng mit den USA verzahnt. Unsere Unternehmen (…) stehen für 0,5 Prozent der gesamten US-amerikanischen Wertschöpfung. Dieser ökonomische Erfolg darf nicht durch aktuelle Beschlüsse der US-Administration für mehr Protektionismus und Strafzölle gefährdet werden,“ erklärt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt als Reaktion auf die Pläne von US-Präsident Trump.

Bayerische und deutsche Unternehmen schaffen Wohlstand in den USA. Das darf die US-Administration bei ihrer ‚America First‘-Politik nicht übersehen.

Bertram Brossardt, Vereinigung der bayerischen Wirtschaft

Die USA sind der Studie zufolge mit weitem Abstand das Land mit den meisten Direktinvestitionen von bayerischen Unternehmen. Insgesamt belaufen sich diese auf 62 Milliarden Euro. Damit gehen rund 31,5 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen des Freistaats in die USA. Zum Vergleich: In der gesamten EU haben bayerische Unternehmen 63 Milliarden Euro investiert, also etwa gleich viel wie in die USA. „Bayerische und deutsche Unternehmen schaffen Wohlstand in den USA. Das darf die US-Administration bei ihrer ‚America First‘-Politik nicht übersehen“, betont Brossardt. Jeder Euro, den bayerische Unternehmen in den USA direkt erwirtschaften, erzeuge weitere 90 Cent in US-amerikanischen Unternehmen.

Bayerischer Beschäftigungsmotor in den USA

Bayerische Unternehmen seien ein regelrechter „Beschäftigungsmotor“ in den USA. „Jeder Beschäftigte eines bayerischen US-Unternehmens sichert 1,8 weitere Arbeitsplätze vor Ort, insbesondere in beschäftigungsintensiven Branchen“, erläutert Brossardt und ergänzt: „Verantwortlich für diesen Erfolg ist die hohe Produktivität. Diese ist in den bayerischen US-Betrieben 2,2-mal so hoch wie in anderen US-Unternehmen.“

Bayern ist auch durch seine Exporte mit den USA wirtschaftlich eng verbunden. Die USA sind im Jahr 2017 der größte Handelspartner Bayerns mit einem Außenhandelsvolumen von über 33 Milliarden Euro, knapp 12 Milliarden Euro entfallen dabei auf die Exporte der amerikanischen Wirtschaft nach Bayern. „Die bayerisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind eine Erfolgsgeschichte – das sollten wir bewahren“, kommentiert der vbw-Hauptgeschäftsführer.

Trump stößt Handelswelt vor den Kopf

Mit seinem handelspolitischen Alleingang hatte sich US-Präsident Donald Trump erneut gegen große Teile der Welt gestellt: Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium sollen die heimische Industrie schützen und ihm die Gunst der Arbeiterschaft sichern. „Ich verteidige heute Amerikas nationale Sicherheit, indem ich Importe von Stahl und Aluminium mit Zöllen belege“, sagte Trump. Im Beisein von Stahlarbeitern unterzeichnete der US-Präsident im Weißen Haus zwei Proklamationen. Demnach treten in 15 Tagen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf eingeführten Stahl und von zehn Prozent auf Aluminium in Kraft, „sobald die Produkte unsere Grenze überschreiten“, wie Trump sagt.

Er kündigte ferner an, „Spiegel-Steuern“ einführen zu wollen. Das heißt: gleiche Steuersätze für gleiche Produkte im gegenseitigen Warenverkehr. „Wenn wir ein Auto nach China liefern, zahlen wir 25 Prozent. Für ein chinesisches Auto, das zu uns kommt, verlangen wir 2,5 Prozent – das muss sich ändern“, so Trump und weiter: „Amerikanische Unternehmen werden nicht fair behandelt.“

Wenn ihr Steuern vermeiden wollt, produziert in Amerika.

US-Präsident Trump in Richtung potenzieller Investoren

Das Weiße Haus begründete die Zölle unter anderem mit dem Verlust von Zehntausenden Jobs in der Stahl- und Aluminiumindustrie in den vergangenen 20 Jahren. US-weit existierten nur noch fünf Aluminium-Schmelzereien, nur zwei davon seien voll ausgelastet. 90 Prozent des Aluminiums würden importiert. Kanada und Mexiko werden von den Zöllen auf unbestimmte Zeit ausgenommen, Europa vorerst nicht.

Schaden durch internationalen Handelskonflikt

Es sei nun zu befürchten, dass „Dinge ins Rollen kommen, die wir uns nicht wünschen“, sagte der Präsident des deutschen Außenhandelsverbandes, Holger Bingmann. Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, kritisierte die Entscheidung: „Die USA sind vom Paulus zum Saulus geworden.“ Mit den jetzt verhängten Strafzöllen und der angeführten Begründung stellten sich die USA außerhalb der Regeln des Welthandelssystems WTO, das sie selbst initiiert hätten. Bereits zuvor hatten zahlreiche Wirtschaftsführer und Politiker erklärt, ein internationaler Handelskonflikt werde allen Beteiligten schaden und keinen Sieger hervorbringen.

Wir werden dieses aggressive Verhalten der USA nicht akzeptieren.

CSU-Europapolitiker Manfred Weber

Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag zunächst inhaltlich nicht äußern. Handelskommissarin Cecilia Malmström bekräftigte ihre Auffassung, dass die EU von den Zöllen ausgenommen werden solle. Sie wolle am Samstag mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Brüssel sprechen. Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber gab sich kämpferisch: „Wir werden dieses aggressive Verhalten der USA nicht akzeptieren“, sagte er. Europas Antwort müsse klar und bestimmt ausfallen, aber auch verhältnismäßig bleiben.