Zu den Feierlichkeiten kamen auch in diesem Jahr Überlebende und ihre Angehörigen. Foto: imago/newspix
Zu den Feierlichkeiten kamen auch in diesem Jahr Überlebende und ihre Angehörigen. Foto: imago/newspix

Vor 71 Jahren wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Als die sowjetische Armee das Lager am Ort des Schreckens eintrafen, waren dort noch 7.000 Häftlinge inhaftiert. Zahlreiche waren noch kurz zuvor auf Todesmärsche nach Westen geschickt worden. An diesen Tag erinnern am Mittwoch im Rahmen des „Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ zahlreiche Feierlichkeiten und Kranzniederlegungen. Der Gedenktag wurde vor 20 Jahren auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufen.

Nur noch wenige Überlebende

Nur wenige können heute noch von ihrem Leben in Auschwitz berichten. Zu ihnen gehört die Schriftstellerin Ruth Klüger, die am Mittwoch eine Gedenkrede vor dem Bundestag hält. Zusammen mit ihrer Mutter wurde Klüger 1942 im Alter von elf Jahren zuerst in das Theresienstädter Familienlager des KZ Auschwitz-Birkenau, später dann ins KZ Christianstadt, gebracht.

In Oświęcim/Auschwitz nimmt der polnische Präsident Andrzej Duda an einer Gedenkfeier teil. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, lädt zu einer Kranzniederlegung am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas bei den Vereinten Nationen in New York.

Am diesjährigen Gedenktag hat Israels Präsident Reuven Rivlin bislang geheime Dokumente seines Landes veröffentlicht. Darunter auch das handschriftliche Gnadengesuch des NS-Verbrechers Adolf Eichmann. Eichmann war während des Dritten Reiches als SS-Obersturmbannführer und Leiter des für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden zuständigen Eichmannreferats des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin zentral mitverantwortlich für die Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen.

Nach dem Krieg flüchtete Eichmann nach Argentinien, wurde aber von Agenten des Geheimdienstes Mossad geschnappt und nach Israel entführt. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 1961 zum Tode verurteilt und ein Jahr später hingerichtet.

Leugner bis zum Schluss

Wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Unterlagen hervorgeht, versuchte Eichmann bis zuletzt, dem Todesurteil zu entgehen. In seinem Gnadengesuch spielte er seine Mitverantwortung während des NS-Regimes herunter. Seine Rolle hätte gar nicht so groß sein können, wie die Richter glauben, schrieb Eichmann, da er keinerlei Vergünstigungen durch die deutsche Regierung genossen habe.

In dem Schreiben, dass Eichmann an den damaligen israelischen Präsidenten Izchak Ben Zvi gerichtet hatte, beschrieb er sich stets als unschuldig und verurteilte die Gräueltaten, die am jüdischen Volk begangen worden waren. Von der Ehrlichkeit dieses Bedauerns konnte Eichmann freilich niemanden überzeugen.

Das Schreiben ist auf den 29. Mai 1962 datiert. 48 Stunden später wurde Eichmann gehängt.

Ausstellung in New York

Auch in New York wird der Zeit des Nationalsozialismus gedacht – mit der Ausstellung „Life After Survival“. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, stellte bei der Eröffnung die Arbeit seines Teams vor. Die Ausstellung setzt sich mit dem Leben der Waisenkinder auseinander, die den Holocaust überlebten und im Juli 1945 Zuflucht in einem UN-Kinderzentrum in Markt Indersdorf fanden.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Historikerin Anna Andlauer. Sie zeigt die Geschichte des ersten internationalen UN-Kinderzentrums, die Arbeit der damaligen Helferinnen und Helfer und natürlich die tragischen Schicksale seiner Bewohner, die später als „Kinder von Indersdorf“ Bekanntheit fanden.

Als Stiftungsdirektor ist Karl Freller Teil der deutschen Delegation, die zur Ausstellungseröffnung anreiste. Die Stiftung und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg hatten bereits seit 2008 die ersten Überlebendentreffen in Indersdorf begleitet. Das Projekt von Anna Andlauer hat die Stiftung daher als Kooperationspartner unterstützt und bei der Bewerbung für eine Ausstellung in New York geholfen.

In seiner Rede ging Freller vor allem auf die Bedeutung von authentischen Erinnerungen ein: „Zeitzeugenberichte sind für die heutige Nachwelt unverzichtbar“, so Freller, der den Hauptredner und Zeitzeugen Shmuel Reinstein vorstellte. Der 1931 geborene Reinstein überlebte mehrere KZs, unter anderem Flossenbürg und kam nach Kriegsende mit 14 Jahren ins Kloster Indersdorf.

Das Konzentrationslager Auschwitz, auch KZ Auschwitz genannt, war ein nationalsozialistischer Lagerkomplex.

Dieser hatte eine Doppelfunktion als Konzentrationslager und Vernichtungslager. Er bestand aus dem Stammlager Auschwitz, dem Vernichtungslager Birkenau, dem Arbeitslager Monowitz und ca. 50 weiteren Außenlagern. Der Lagerkomplex befand sich im vom Deutschen Reich besetzten Polen. Die SS betrieb den Lagerkomplex von 1940 bis 1945 am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim (dt.: Auschwitz).

Die europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in das KZ Auschwitz transportiert. Etwa 90 Prozent waren Juden. Die Herkunftsländer waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen.