Marco Breitenbach steht am 15.02.2017 in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim während einer Probe auf der Bühne. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Marco Breitenbach steht am 15.02.2017 in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim während einer Probe auf der Bühne. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Es ist kurz nach halb drei, als Marco Breitenbach zum ersten Mal die große Bühne betritt und seine Mutter im Publikum die Daumen drückt. Hoffentlich klappt jetzt alles. Marco ist erst 16 Jahre alt und damit der jüngste Büttenredner aller Zeiten bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. Am Freitag wird ihm im Fernsehen ein Millionenpublikum zusehen.

Er ist über die ersten Verse seiner gereimten Rede hinweg und spricht das Publikum an, das sich an „Wein, Weib und Gesang“ erfreue. „Mir selbst bleibt ja von den drei Dingen rein altersmäßig nur das Singen“, sagt er. Mutter Sonja Breitenbach wischt sich über die Stirn – die Pointe saß.

Mit Lampenfieber

„Wenn ich die ersten Worte draußen hab, läuft es eigentlich wie ein Band durch“, sagt Marco nach der Probe hinter der Bühne. Schwierig sei, dass seine Büttenrede fürs Fernsehen gekürzt worden sei. „Da muss sich das Band dann erinnern, was als nächstes kommt.“ Der Neuntklässler mit kurzen, dunklen Haaren wirkt im Interview überhaupt nicht aufgeregt. Nur hinter der Bühne, kurz vor dem Auftritt, da habe er Lampenfieber. Er werde am Freitag nicht an die Fernsehzuschauer denken, sondern sich nur auf das Publikum im Saal konzentrieren, sagt er. „Dann geht das mit der Aufregung besser klar.“

Zum Fasching ist der Gymnasiast aus Schweinfurt eher zufällig gekommen, aus einer Fastnachtsfamilie stammt er nicht. „Wir entwickeln uns gerade dazu“, sagt Mutter Sonja lachend. Entscheidend war etwas anderes: „Der Marco wollte unbedingt auf die Bühne.“ Ein Kollege von ihr war der Sitzungspräsident der Schweinfurter Faschingsgesellschaft „Schwarze Elf“, Ludwig Paul. Ihm erzählte sie vom Bühnendrang ihres Sohnes. Und er sagte: Probieren wir es doch einfach mal.

Mir selbst bleibt ja von den drei Dingen rein altersmäßig nur das Singen.

Marco Breitenbach, über die Freude des Publikums an Wein, Weib und Gesang

So stand Marco im Jahr 2013 das erste Mal auf einer Faschingsbühne – mit zwölf Jahren. Für seinen zweiten Auftritt stimmte dann der „Meister der gereimten Bütt“, der aus Oberwern bei Schweinfurt stammende Peter Kuhn, zu, seine Rede zu schreiben. Und von da an lief es. „Er macht das aus Spaß“, sagt Mutter Sonja. „Aber dass er bei Fastnacht in Franken landet, hätte ich nicht gedacht.“

Einmal auf der großen Bühne

Sein Ziel sei es aber von Anfang an gewesen, einmal auf der „großen“ Bühne des fränkischen Faschings zu stehen, sagt Marco. Bei der Nachwuchssendung „Wehe, wenn wir losgelassen“ trat er schon mehrfach auf. Und sein Ziel jetzt, nachdem er den Sprung geschafft hat? „Ganz klar: Nächstes Jahr wiederkommen zu dürfen“, sagt er.

Rüdiger Baumann, für die „Fastnacht in Franken“ zuständiger Redakteur des Bayerischen Rundfunks, hält Marco für ein Ausnahmetalent. „Für einen 16-Jährigen hat er eine unglaubliche Bühnenpräsenz“, sagt er. Auch seine Gestik, Mimik und die gesamte Präsentation hätten großes Potenzial. „Man wird sehen, was er für einen Weg nimmt.“

Sitzungspräsident Bernd Händel scheint zuversichtlich, ihn wiederzusehen. In der Probe für die diesjährige Geburtstagssendung – die „Fastnacht in Franken“ wird dieses Jahr 30 Jahre alt – moderierte er ihn als ein Talent „für die nächsten 30 Jahre“ an. Damit wäre der Erhalt dieser bayerischen Tradition gesichert – zur Freude auch des Bayerischen Ministerpräsidenten, der die Tradition der „Fastnacht in Franken“ mit einem Staatsempfang ehrte.

Nichts ist schwieriger als das leichte Fach. Frohsinn erfordert Disziplin und Übung, akribische Vorbereitung, perfektes Timing und gelegentlich auch Improvisationstalent. Jeder, der gerne einen Spaß macht, kann davon ein Lied singen. Ob Fastnacht oder Fasching – karnevalistisches Engagement steht für bayerische Tradition und Brauchtumspflege.

Horst Seehofer, Ministerpräsident auf dem Staatsempfang in Veitshöchheim „30 Jahre Fastnacht in Franken“

(dpa/BK)

Fastnacht in Franken

Freitag, 17. Februar, ab 19.00 Uhr live im Bayerischen Rundfunk

Seit 1987 strahlt der Bayerische Rundfunk die Prunksitzung des Fastnachts-Verbandes Franken als Live-Sendung aus. Einen Rekordwert erreichte „Fastnacht in Franken“ im Jahr 2010 mit 3,98 Millionen Zuschauern deutschlandweit und war damit die erfolgreichste Sendung des BR Fernsehens seit 1991. Bayernweit betrachtet war die „Fastnacht in Franken“ im Jahr 2015 mit 2,39 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 47,9 Prozent am erfolgreichsten.