Heiner Geißler verstarb im Alter von 87 Jahren. Das Foto zeigt ihn Ende 2013 in einer Fersehsendung. (Foto: dpa/Karlheinz Schindler)
Nachruf

Heiner Geißler ist tot

Der frühere CDU-Generalsekretär und Bundesfamilienminister Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Politiker von CDU und CSU würdigen ihn als klugen und streitbaren Politiker, der Deutschland über viele Jahre mitgeprägt hat.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Das melden sowohl die Deutsche Presse-Agentur als auch die Süddeutsche Zeitung. Geißler wurde 87 Jahre alt.

Politiker aus CDU und CSU zeigten sich betroffen und würdigten seine Lebensleistung. Geißlers Karriere hatte in Rheinland-Pfalz begonnen. Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Helmut Kohl (beide CDU) war er von 1967 bis 1977 Sozialminister des Landes, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Kohl berief den promovierten Juristen 1982 zum Familienminister. Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er 2010 im Alter von 80 Jahren den Konflikt um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ schlichtete.

Prägender Einfluss auf die Politik

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat den gestorbenen Ex-Generalsekretär als einen der markantesten Köpfe der Christdemokraten gewürdigt. Er sei „intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst“ gewesen, erklärte Merkel am Dienstag gemeinsam mit Generalsekretär Peter Tauber in Berlin.

Keiner hat das Amt des Generalsekretärs so gelebt wie Heiner Geißler.

Edmund Stoiber

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) schrieb am Dienstag auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: „Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt.“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete Geißler als prägende Figur der Bundespolitik. „Mit Heiner Geißler verliert die deutsche Politik einen klugen, streitbaren Kopf, der keine Kontroverse scheute und den Debatten wichtige neue Impulse gab“, heißt es in einer Mitteilung des CSU-Vorsitzenden.

Konfliktfähig und wortgewaltig

Der CSU-Ehrenvorsitzende und ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber reagierte ebenfalls betroffen auf den Tod Geißlers: „Keiner hat das Amt des Generalsekretärs so gelebt wie Heiner Geißler“, betonte Stoiber, der selbst 1978 bis 1983 CSU-Generalsekretär war. „Mit seiner Konfliktfähigkeit und Wortgewalt war Heiner Geißler für die CSU immer eine große Herausforderung.“ Geißler habe sich als das programmatische und soziale Gewissen der CDU verstanden. „Heiner Geißler war ein großer Kämpfer und hat in seiner Zeit die politische Diskussion in jeder Beziehung geprägt.“

Wir trauern um einen streitbaren, ehrlichen und intellektuellen Vordenker unserer christlichen Parteienfamilie.

Gerda Hasselfeldt

Die Präsidentin der Bayerischen Landtages, Barbara Stamm, erklärte, Geißler sei immer bewusst gewesen, „dass eine lebendige Demokratie das Ringen um den richtigen Weg“ brauche. „Er verstand es in besonderer Weise, die öffentliche Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu lenken. Sein Wort hatte Gewicht, weil die Bürgerinnen und Bürger erkannten, dass seine Äußerungen immer in hellsichtigen Beobachtungen und klugen Analysen gründeten.“

Die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt würdigte Geißler als „Ideengeber, Querdenker und Streitschlichter“. „Heiner Geißler stand stets für ein hohes Ethos und kämpfte für christliche Werte wie die Nächstenliebe. Deutschland verliert einen unverwechselbaren Politiker. Wir trauern um einen streitbaren, ehrlichen und intellektuellen Vordenker unserer christlichen Parteienfamilie.“