Gefährliche Provokation mit Raketen
Nordkorea hat wieder Tests mit Mittelstreckenraketen durchgeführt - in Richtung Japan. Washington, Seoul, Tokio, Moskau und sogar Kims Verbündete in Peking verurteilen die neuerliche Provokation. Angeblich arbeitet Nordkorea an Raketen mit nuklearen Sprengköpfen, die auch die USA erreichen können.
Nordkorea

Gefährliche Provokation mit Raketen

Nordkorea hat wieder Tests mit Mittelstreckenraketen durchgeführt - in Richtung Japan. Washington, Seoul, Tokio, Moskau und sogar Kims Verbündete in Peking verurteilen die neuerliche Provokation. Angeblich arbeitet Nordkorea an Raketen mit nuklearen Sprengköpfen, die auch die USA erreichen können.

Wenige Wochen nach der Verurteilung eines seiner Tests mit Mittelstreckenraketen durch die UN hat Nordkorea erneut mehrere Testraketen in Richtung japanische Küste abgefeuert. Vier ballistische Raketen seien am Montag vom Raketenstützpunkt Togchang-ri an der Westküste Nordkoreas gestartet worden und etwa 1000 Kilometer weit geflogen, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer „neuen Phase der Bedrohung”. Drei der Flugkörper stürzten nach Angaben Japans innerhalb seiner 200-Meilen-Zone vor der Küste ins Wasser.

Neue Phase der Bedrohung.

Japans Premierminister Shinzo Abe

Das US-Außenministerium verurteilte die Tests scharf. Nordkorea verletze damit Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, sagte der kommissarische Sprecher Mark Toner dem Sender ABC zufolge. Das Nordamerikanische Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad) habe die Raketenflüge verfolgt, für Nordamerika habe keine Gefahr bestanden. Auch die Regierungen Russlands und Deutschlands kritisierten Nordkorea scharf. „Wir sind ernsthaft besorgt”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau. Solche Aktionen führten unweigerlich zu neuen Spannungen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin schloss auch eine Verschärfung der Sanktionen nicht aus.

Reichweite bis zu 1500 Kilometer

Südkoreas Militär vermutete, die Raketentests könnten ein Protest Nordkoreas gegen die laufenden Frühjahrsmanöver der südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte sein. Das zweimonatige Manöver „Foal Eagle” hatte am vergangenen Mittwoch in Südkorea begonnen. Nordkorea hatte daraufhin am Freitag mit weiteren Raketenstarts gedroht. Das wegen seines Atomprogramms international isolierte Regime in Pjöngjang unterstellt den USA und Südkorea regelmäßig, mit ihren Manövern einen Angriff vorzubereiten, was beide aber bestreiten.

Nordkorea arbeitet an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Der Typ der Raketen bei den jüngsten Versuchen war zunächst noch unklar, doch spekulierten Militärs in Südkorea, dass es sich um Rodong-Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis 1500 Kilometern handeln könnte. Laut Medienberichten arbeitet Nordkorea an der Entwicklung von Mittel- und Langstreckenraketen, die einen Atomsprengkopf nicht nur nach Südkorea und Japan, sondern bis in die USA tragen können.

Chinas Zorn

Südkorea warf Pjöngjang eine „weitere Provokation” vor, die es nur 22 Tage nach dem Raketentest am 12. Februar und 24 Starts ballistischer Raketen im vergangenen Jahr unternommen habe. Das südkoreanische Außenministerium drohte dem Nachbarland, einen „untragbaren Preis” dafür zahlen zu müssen. Seoul wolle dafür sorgen, dass die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen Nordkorea gewissenhaft umsetze.

Peking hatte im Februar die Koheleeinfuhren aus Nordkorea ausgesetzt.

Sogar das chinesische Außenministerium kritisierte am Montag die Raketentests. Der engste Verbündete des Diktators Kim Jung-un rief Nordkorea, aber auch Südkorea und die USA auf, Ruhe zu bewahren und die Lage nicht zu eskalieren. Peking hatte nach dem Raketentest im Februar sogar die Kohleeinfuhren aus Nordkorea ausgesetzt, die als wichtigste Devisen-Einnahmequelle des Landes galten. Zudem wurde gemutmaßt, dass der Auftrags-Giftmord an Kims Halbbruder Kim Jong-nam in Peking auf große Missbilligung gestoßen ist, weil man sich den im Exil lebenden Nordkoreaner als Reserve-Staatschef „gehalten“ habe – für den Fall, dass Kim Jong-un einmal stürzen würde oder gestürzt werden müsste. Als Auftraggeber des Mordes wird Nordkoreas Diktator vermutet.

Washington speilt Strategieoptionen durch

Nordkorea hatte im Februar mit dem Test einer „Mittelstreckenrakete von größerer Reichweite” weltweit Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Test scharf verurteilt. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte nach dem Test erklärt, das Land verfüge jetzt „über ein weiteres mächtiges Mittel für einen Atomangriff”.

Ein weiteres mächtiges Mittel für einen Atomangriff.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

Die US-Tageszeitung Wall Street Journal hatte am 1. März berichtet, die Regierung in Washington erwäge gegen die atomare Bedrohung aus Nordkorea auch ein militärisches Eingreifen oder einen Regimewechsel in Pjöngjang. Sicherheitsexperten würden neue Strategieoptionen durchspielen. Die Ideen reichten von der Anerkennung Nordkoreas als Atommacht bis zu Militärschlägen. Nach einer Abwägung solle Präsident Donald Trump ein Strategievorschlag vorgelegt werden. (dpa/BK/H.M.)