Immer weniger Menschen müssen in Bayern zum Arbeitsamt gehen. (Foto: dpa/Sonja Wurtscheid)
Arbeitsmarkt

Weniger als 200.000 Arbeitslose in Bayern

Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist im Freistaat weiter gesunken. Weniger als 200.000 Arbeitslose waren im Juni gemeldet. Doch die Zahl der offenen Stellen geht zurück und mehr Beschäftigte müssen inzwischen kurzarbeiten.

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Juni unter die Marke von 200.000 gesunken. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 2,6 Prozent zurück, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Montag in Nürnberg mitteilte. Demnach waren im Juni 197.513 Menschen im Freistaat ohne Job. Das ist der niedrigste Wert für einen Juni seit 1991. Im Vergleich zum Mai waren damit in Bayern 3713 Menschen weniger arbeitslos – das entspricht einem Rückgang um 1,8 Prozent.

Weniger offene Stellen

Vor einem Jahr hatte die Quote 2,7 Prozent betragen. Verglichen mit dem Vorjahr sank die Zahl der Jobsucher um 307. „Es ist weiter von einem Beschäftigungsaufbau auszugehen, die Entwicklung wird sich allerdings abflachen“, sagte Regionaldirektionschef Ralf Holtzwart.

Ein Indikator für seinen Befund ist der Rückgang der bei den Arbeitsagenturen verfügbaren offenen Stellen. Mit aktuell 129.061 bewegt sich deren Zahl um 1,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die den Agenturen seit Jahresbeginn neu gemeldeten Stellen liegen nach Angaben der Regionaldirektion mit 176.743 um 11.627 oder 6,2 Prozent unter dem Vergleichswert des vergangenen Jahres.

Mangel in vielen Branchen

Deutliche Unterschiede verzeichnet die Regionaldirektion zwischen einzelnen Branchen. Während seit Jahresbeginn in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (plus 10,3 Prozent) sowie in der öffentlichen Verwaltung (plus 13,0 Prozent) mehr Stellen als im gleichen Zeitraum 2018 gemeldet wurden, sind die Zahlen aus der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung (minus 9,1 Prozent), dem verarbeitenden Gewerbe (minus 14,6 Prozent) und dem Handel (minus 7,7 Prozent) rückläufig. Vor allem in Anwaltskanzleien, Notariaten, bei Steuerberatern, Architekten und in Ingenieurbüros werden Fachkräfte benötigt. Außerdem fehlen Lokführer, Erzieher, Sozialarbeiter und Bauingenieure.

Die Beschäftigung wächst nach aktuellen Hochrechnungen in Bayern weiter an. Im April waren im Freistaat rund 5,690 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Monat davor entspricht das einem Plus von 21.300 Menschen oder 0,4 Prozent. Im Vergleich zum April 2018 ergibt sich sogar ein Zuwachs um 115.100 Arbeitnehmern oder 2,1 Prozent.

Gute Aussichten für Schulabgänger

Für Schulabgänger gibt es noch zahlreiche offene Lehrstellen. Seit Oktober meldeten die Unternehmen 104.297 Berufsausbildungsstellen – 4811 oder 4,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum meldeten sich aber 5,2 Prozent weniger Bewerber in den Agenturen, und zwar 69.041. Bayernweit können damit rein rechnerisch 100 Bewerber aus 151 Angeboten auswählen.

Ein Fünftel der unbesetzten Lehrstellen sind Verkaufsberufe, gefolgt von Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen. Unternehmen sollten auch Bewerbern eine Chance geben, die nicht den vermeintlich idealtypischen Lebenslauf vorweisen, erklärte Holtzwart.

Warnungen aus der Wirtschaft

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) verwies auf die steigende Zahl von Kurzarbeitsanzeigen, die sich seit Juli 2018 verdreifacht hätten. „Die konjunkturelle Entwicklung verlangsamt sich. Gründe dafür sind die politischen Unsicherheitsfaktoren wie internationale Handelskonflikte und schwächere Exporte“, mahnte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger forderte von der Bundesregierung mehr Engagement für ein hohes Beschäftigungsniveau: „Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist der Rückenwind für neue Arbeitsplätze. Für ein Mehr brauchen wir das „Weniger“ an Abgaben und Vorschriften. Jetzt ist die Zeit für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und die Senkung der Unternehmenssteuern, das muss jetzt vom Bund endlich kommen“, so der Minister.