Die historischen Wassertürme stehen in der Herbstsonne. Die Unesco hat das Wassermanagement-System in Augsburg (Bayern) als Weltkulturerbe anerkannt. (Bild: dpa/Stefan Puchner)
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Augsburger Wassersystem ist Weltkulturerbe

Bayern hat ein weiteres Weltkulturerbe. Das historische Augsburger Wasserwirtschaftssystem ist nach Ansicht der Unesco ein weltweit beispielhaftes Technikdenkmal. Bei einem zweiten Antrag hatte der Freistaat hingegen kein Glück.

Die jahrelangen Bemühungen der Stadt Augsburg für eine Ernennung zum Weltkulturerbe haben sich gelohnt: Das Unesco-Welterbekomitee entschied am Samstag in Baku in Aserbaidschan, das historische Wassermanagementsystem der schwäbischen Stadt auf die renommierte Liste des Welterbes zu setzen. Das Jahrhunderte alte Augsburger System, zahlreiche Kanäle durch die Stadt zu ziehen und Wasser dadurch optimal wirtschaftlich zu nutzen, war in diesem Jahr die deutsche Hauptbewerbung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „guten Tag für den Kulturstandort Bayern”. Das jahrelange Engagement der Stadt sei belohnt worden. „Das ausgeklügelte System der Wasserbewirtschaftung über Jahrhunderte hat Augsburg Wohlstand gebracht. Heute steht intelligentes Wassermanagement für den nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen”, betonte Söder am Sonntag. „Augsburg kann stolz sein!”

Acht bayerische Welterbestätten

Kunstminister Bernd Sibler verwies darauf, dass der Freistaat nunmehr mit acht Welterbestätten auf der Liste vertreten ist. Als erstes Denkmal aus Bayern war 1981 die Würzburger Residenz zum Weltkulturerbe ernannt worden. Zwei Jahre später folgte die oberbayerische Wallfahrtskirche „Die Wies”. Auch die Altstädte von Bamberg und Regensburg gehören heute zum bayerischen Welterbe.

Ein guter Tag für den Kulturstandort Bayern.

Markus Söder

Einen Rückschlag musste Bayern hingegen bei einer weiteren Bewerbung hinnehmen. Der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären, scheiterte. Ungarn hatte den Antrag der vier Staaten zu den Überresten der einstigen römischen Militärgrenze kurzfristig abgeändert. Das Komitee vertagte daher die Entscheidung.

Nasser Limes dieses Mal nicht

Sibler bedauerte dies. „Der insgesamt rund 3000 Seiten starke Antrag war von langer Hand vorbereitet und sehr überzeugend”, meinte er. Er kündigte an, es später noch einmal versuchen zu wollen, den „nassen Limes” unter Schutz zu stellen. Der Donaulimes soll das bestehende Welterbe „Die Grenzen des Römischen Reiches” ergänzen. Der Obergermanisch-Raetische Limes auf dem Festland ist schon seit 2005 Welterbe. Die Donau wurde einst von den Römern ab dem Kastell Eining, bei der niederbayerischen Stadt Neustadt/Donau (Kreis Kelheim), als Verlängerung des Grenzwalls genutzt.

Erfolgreich war hingegen der dritte Antrag, an dem die Bundesrepublik beteiligt war. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří wurde ebenfalls als Weltkulturerbe anerkannt. Das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen war gemeinsam mit Tschechien vorgeschlagen worden.

Römische Wasserleitungen

Auch Augsburg hatte gezielt auf Industrie- und Technikgeschichte gesetzt, nachdem klassische Baudenkmäler seit einiger Zeit von dem Unesco-Gremium nicht mehr so gerne aufgenommen werden. Acht Jahre lang hatte die 300.000 Einwohner große Stadt die Bewerbung vorangetrieben. „Mit der Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-Systems als Weltkulturerbe würdigt die Unesco einen unvergleichlichen Schatz, den die Stadt seit ihrer Stadtgründung birgt”, sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Die Lage Augsburgs am Zusammenfluss von Lech und Wertach ist kein Zufall, sondern strategisch wohl überlegt.

Kurt Gribl,Oberbürgermeister Kurt Gribl

Die Römer hatten Augsburg vor mehr als 2000 Jahren als Augusta Vindelicum, einer ihrer wichtigsten Stützpunkte nördlich der Alpen, gegründet. Schon damals führten sie mit Leitungen über viele Kilometer Wasser in die Stadt. „Die Lage Augsburgs am Zusammenfluss von Lech und Wertach ist kein Zufall, sondern strategisch wohl überlegt”, betonte Gribl. „Ihre gesamte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung hat Augsburg dem Wasser beider Flüsse wie auch den reichlichen Trinkwasservorkommen im Stadtwald zu verdanken.”

Wasser als Wirtschaftsfaktor

Augsburg hat in der Bewerbung insbesondere die Bedeutung der alten Lechkanäle im alten Handwerkerviertel dargelegt. Dort wurden die Wasserläufe früher genutzt, um mit Wasserrädern Maschinen anzutreiben. Ein weitereres Denkmal ist das rund 600 Jahre alte Wasserwerk am Roten Tor, nach Angaben der Stadt das älteste bestehende Wasserwerk Mitteleuropas. Auch mehrere prachtvolle Brunnen, historische Wassertürme sowie Wasserkraftwerke waren Teil des Antrags, der insgesamt 22 solche Stätten auflistete.

Das ausgeklügelte System der Wasserbewirtschaftung über Jahrhunderte hat Augsburg Wohlstand gebracht.

Markus Söder, Bayernsr Ministerpräsident

Im Mittelalter begann dann die systematische Nutzung des Wassers auch als Wirtschaftsfaktor. Heute kann man das historische Wassersystem noch an mehr als 20 Stationen erleben. Besonders die Lechkanäle in der Altstadt prägen nach wie vor das Stadtbild. Quer durch die Stadt wurden einst zahlreiche Kanäle gezogen, die beispielsweise als Energielieferant für die Textilindustrie dienten. Wasserräder trieben Mühlen, Hammer- und Pumpwerke an. Kreativ wurde das Wasser auch bei der 1609 fertiggestellten Stadtmetzgerei verwendet. Der Vordere Lech wurde direkt durch die „Stadtmetzg” geleitet, um so in dem Gebäude das Fleisch kühlen und gleichzeitig Abfälle entsorgen zu können.

Künstliche Wildwasserstrecke

Im vergangenen Jahrhundert kam das Augsburger Wasser dann 1972 zu olympischen Ehren. Bei den Münchner Sommerspielen wurden die Kanu-Wettbewerbe in der schwäbischen Nachbarstadt ausgetragen. Augsburg hatte mit dem Eiskanal die erste künstlich angelegte Wildwasserstrecke der Welt erhalten. Nach wie vor wird die Strecke regelmäßig für internationale Wettkämpfe genutzt.

In Augsburg schon seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser.

Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, lobte ebenfalls den Erfindergeist hinter dem ausgeklügelten Augsburger Wassersystem. „Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser”, betonte sie. (dpa/BK/H.M.)