Der fränkische Schaeffler-Konzern will Kosten senken und dafür auch in Unterfranken Stellen abbauen. Betroffen ist vor allem das Werk Elfershausen (Landkreis Bad Kissingen). „Wir können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass das Werk auch ganz geschlossen wird“, sagte ein Sprecher von Schaeffler in Schweinfurt. In einer Mitteilung hieß es, die Verlagerung der Fertigungslinien an andere Standorte erscheine „unausweichlich“, um das Ergebnis der Industriesparte in den nächsten drei Jahren nachhaltig zu verbessern.

Wir können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass das Werk auch ganz geschlossen wird.

Schaeffler

Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld hatte zuvor angekündigt, in der schwächelnden Industriesparte weitere 500 Jobs zu streichen – allerdings sprach er vor allem von Verwaltungsjobs in europäischen und amerikanischen Werken. Doch nun trifft es anscheinend auch Elfershausen, wo Schaeffler Wälzlager herstellt und 270 Mitarbeiter beschäftigt.

Die beiden anderen unterfränkischen Werke in Schweinfurt und Eltmann (Landkreis Haßberge) seien von den Kürzungen nicht betroffen, wie es hieß. In einer ersten Welle hatte Schaeffler bereits vor einigen Jahren 500 Arbeitsplätze am Standort Schweinfurt gestrichen. Das Programm beginne inzwischen zu greifen, reiche aber nicht aus, sagte Rosenfeld. „Da müssen wir jetzt grundsätzlich reagieren.“

Rosenfeld: Sanierung beschleunigen

Deutliche Kritik kam von Thomas Mölkner, dem stellvertretenden Gesamtbetriebsratschef. In den Nürnberger Nachrichten (NN) räumte er zwar ein, in der Industriesparte gebe es Probleme. „Aber immer nur Stellen abzubauen, das kann nicht die Lösung sein“, so Mölkner.

Immer nur Stellen abzubauen, das kann nicht die Lösung sein.

Thomas Mölkner, Betriebsrat

Schaeffler-Chef Rosenfeld erklärte hingegen, nach den jüngsten Umsatzverlusten müsse man die Sanierung der Industriesparte beschleunigen. Mit den jüngsten „Effizienzmaßnahmen“ will der Vorstand die Herstellungs- und Verwaltungskosten senken, um den Industriebereich wieder profitabler zu machen. In den nächsten drei Jahren solle so „das Ergebnis der Industriesparte um rund 60 Millionen Euro verbessert werden“, kündigte Rosenfeld an.

Während sich der Automotive-Bereich ordentlich entwickelte, schrumpfte die Industrie-Sparte, die ein Viertel zum Konzernumsatz beiträgt, um 7,1 Prozent. Im dritten Quartal sank der Umsatz der Sparte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,8 Prozent auf 741 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ging sogar um fast ein Drittel auf 53 Millionen Euro zurück.

Knapp 700 Millionen Euro Gewinn

Rosenfeld begründete die Einschnitte mit der weiter schwierigen Marktlage: Das Geschäft mit großen Industrielagern, etwa für Öl- und Gasförderpumpen und Züge, sei von Nachfragerückgängen und Preisverfall geprägt. „Wir müssen uns daher fragen, ob unsere Industriekapazitäten richtig dimensioniert sind“, erläuterte er. Grund sei vor allem die geringe Nachfrage in den Sektoren Eisenbahn und Rohmaterialien (Branchen Öl und Gas, Stahl und Bergbau) gewesen.

Konzernweit blieb Schaeffler wegen des weiter gut laufenden Autogeschäfts aber auf Wachstumskurs. Der Konzernumsatz stieg in den ersten neun Monaten um 0,2 Prozent auf 9,977 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 2,0 Prozent auf 1,276 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben dem Konzern Ende September 672 Millionen Euro (plus 29 Prozent). Trotz der Probleme in der Industriesparte hält der Vorstand an seiner Prognose für 2016 fest.

Schaeffler stürzt sich auf den Bereich E-Mobilität

Derweil will sich Schaeffler mit einem neuen Konzept auf den bevorstehenden Wandel in der Autoindustrie einstellen. Unter dem Titel „Mobilität von morgen“ wollen sich die Franken vor allem auf Module und Systeme für E-Autos konzentrieren. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren rund 500 Millionen Euro in den Bereich E-Mobilität investieren. Rosenfeld geht davon aus, dass von 2020 an die Zahl der produzierten Hybrid- und Elektrofahrzeuge deutlich wachsen wird.

Klimawandel, Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung hat das Unternehmen darin als die vier Megatrends der Zukunft definiert. An allen will man kräftig mitverdienen. Um vier bis sechs Prozent soll der Umsatz schon bis 2020 pro Jahr zulegen, die Gewinnmarge stets um die zwölf bis 13 Prozent pendeln und schließlich die Schuldenlast weiter sinken. An die Aktionäre — also vor allem Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihren Sohn Georg — will Rosenfeld jährlich 30 bis 40 Prozent des Konzernergebnisses als Dividende ausschütten.

(dpa/NN/Handelsblatt/wog)