Wird ab 2017 ohne die Franziskaner auskommen müssen, die hier seit 400 Jahren die Wallfahrt betreuten: Kirche "Maria im Sand" im unterfränkischen Dettelbach. (Foto: imago/Werner Otto)
Wird ab 2017 ohne die Franziskaner auskommen müssen, die hier seit 400 Jahren die Wallfahrt betreuten: Kirche "Maria im Sand" im unterfränkischen Dettelbach. (Foto: imago/Werner Otto)

Die Franziskaner in Bayern (Ordo Fratrum Minorum/OFM) müssen erneut ein Kloster schließen. Anfang 2017 will die Ordensgemeinschaft ihr Haus im unterfränkischen Dettelbach (Landkreis Kitzingen) aufgeben. „Der Altersdurchschnitt der Brüder ist mittlerweile einfach zu hoch“, sagte Klostervorsteher Richard Heßdörfer über die Gründe für diese Entscheidung.

Zuletzt war vor einem Jahr das Franziskaner-Kloster in Hammelburg (Landkreis Bad Kissingen) geschlossen worden. Danach wirken und leben die Ordensbrüder nur noch in 7 Klöstern im Freistaat: Engelberg und Kreuzberg in Unterfranken, die Wallfahrt Vierzehnheiligen in Oberfranken, Dietfurt an der Altmühl in der Oberpfalz, München, Füssen und Garmisch-Partenkirchen. Deutschlandweit sind die Franziskaner noch an 30 Standorten präsent.

Bistum Wützburg verliert auch einen Pfarrer

Im Kloster Dettelbach lebten bislang noch fünf Patres und ein Bruder, die zwischen 45 und 80 Jahre alt sind. Mit dem Rückzug der Franziskaner verliert das Bistum Würzburg auch einen Pfarrer, denn die Brüder könnten künftig keinen leitenden Pfarrer mehr für die Pfarreiengemeinschaft stellen. Die Zuständigkeit für die Seelsorge der Pfarrei Dettelbach liegt seit 1965 bei den Franziskanern.

Dass man versetzt wird, ist bei uns normal. Dass aber ein Kloster abstirbt, ist etwas, das tatsächlich wehtut. Wir hätten die Diözese gern noch weiter unterstützt.

Pater Richard Heßdörfer

Das Franziskaner-Kloster in Dettelbach war vor genau 400 Jahren, von 1616 bis 1620, zur besseren Betreuung der Wallfahrer errichtet worden. Die Wallfahrtskirche „Maria im Sand“ war bereits im Jahr 1505 gebaut worden. Zur Blütezeit im 18. Jahrhundert lebten im Kloster knapp 40 Brüder.

Auffällige Nachwuchskrise der Franziskaner in Mitteleuropa

Es ist auffällig, das gerade die Tradition der Bettelmönche, wie der Franziskaner, im reichen Mitteleuropa immer weniger Nachwuchs anzieht. Die Nachwuchssituation anderer Orden wie Benediktiner oder Jesuiten ist nicht derart drastisch.

Die Bettelorden stellten seit dem hohen Mittelalter das Ideal der Armut in den Mittelpunkt. Ihre Grundkonzeption war, im Gegensatz zu den bestehenden sogenannten Prälatenorden (etwa Benediktiner, Prämonstratenser, Augustiner-Chorherren) auf Ländereien zu verzichten. Sie gingen stattdessen bewusst zu den sozialen Brennpunkten, oft in die Wallfahrtsbetreuung und in die stark wachsenden Städte, um sich dort den Armen zuzuwenden und das Wort Gottes zu verkünden. Weil sie keine Landwirtschaft betrieben, waren die Bettelmönche stets auf Spenden angewiesen.

Im Gegensatz zur Nachwuchskrise in Mitteleuropa erfreuen sich die Franziskaner in Ost- und Südosteuropa regen Zulaufs, so beispielsweise in Kroatien oder Rumänien. In der ostrumänischen Stadt Roman unterhalten die Franziskaner seit 1991 sogar eine eigene theologische Fakultät.

dpa/wog