Der ehemalige Bundespräsident zu Gast im Treffunkt Rotebuehl. (Foto: Imago/Lichtgut)
Der ehemalige Bundespräsident zu Gast im Treffunkt Rotebuehl. (Foto: Imago/Lichtgut)

Mit dem Tod von Alt-Bundespräsident Roman Herzog hat Deutschland nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine „beeindruckende Persönlichkeit“ verloren. Mit ihm sei einer der „ganz großen Bayern“ gegangen. Herzog sei ein hoch angesehener Bundespräsident für alle Deutschen gewesen, der zugleich dem Freistaat Bayern immer in besonderer Weise verbunden geblieben sei.

Klug, weitsichtig, mutig, mit großer Liebe zum offenen Wort und dabei stets bescheiden haben wir ihn erlebt – als Bundespräsident, als Präsident des Bundesverfassungsgerichts, als Minister. Unvergessen ist seine ‚Ruck-Rede‘, mit der er Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes aufgerüttelt hat. Gleich welches Amt er ausübte, immer war seine enge Verbundenheit zu seiner bayerischen Heimat zu spüren. Wir verneigen uns vor einem großen Staatsoberhaupt und einer beeindruckenden Persönlichkeit.

Horst Seehofer, Bayerischer Ministerpräsident

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Amtsvorgänger als „markante Persönlichkeit“ mit „vorwärtsstrebendem Mut“. Herzog habe „das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet“, betonte er in einem Kondolenzschreiben an Herzogs Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen. Er habe „viel zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik“ beigetragen und sich so „Respekt und große Sympathie bei ungezählten Menschen“ erworben.

Herzog war Mutmacher und Motivator

Herzog hatte in seiner Amtszeit unermüdlich vor Reformmüdigkeit in Deutschland gewarnt. Er machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“. Herzog setzte sich auch kritisch mit den Bürgern und Politikern auseinander. „Das Volk bewegt sich nicht“, sagte er im Frühjahr 2008 der Bild-Zeitung. Es gebe eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, „aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren“.

Roman Herzog war ein Vordenker der Freiheit und des Fortschritts. Er war ein Mutmacher und Motivator, der nicht zuletzt mit seiner berühmten „Ruck-Rede“ den Boden für weitreichende Reformen in Deutschland bereitet hat. Unvergessen ist sein Slogan „Laptop und Lederhose“, mit der er 1998 in einer Rede in München den Aufstieg Bayerns vom Armenhaus Deutschlands zum High-Tech-Standort charakterisiert hat. Dieses Motto ist zum Leitmotiv meiner Regierungszeit geworden.

Edmund Stoiber, Bayerischer Ministerpräsident a. D.

Vorkämpfer für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Roman Herzog war Träger der Verfassungsmedaille in Gold, die ihm der Landtag 1999 verliehen hatte. Mit tiefer Trauer hat auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Nachricht vom Tod des Altbundespräsidenten aufgenommen. Herzog habe sich nie gescheut, unbequeme Themen und Wahrheiten anzusprechen und Konsequenzen daraus aufzuzeigen.

Mit Prof. Herzog verlieren wir einen vorbildlichen und hochengagierten Vorkämpfer für den Zusammenhalt in unserem Land, der eingetreten ist für unseren Rechtsstaat und die gesellschaftliche Erneuerung. Dieser bodenständige, nahbare und in seinen Ansichten mutige und unabhängige Mensch wird uns allen sehr fehlen.

Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtag

Seine politische Karriere in hohen Ämtern begann das CDU-Mitglied als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg. Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß er in verschiedenen Kommissionen, darunter im Expertengremium „Konvent für Deutschland“, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte. Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Thomas Kreuzer, betonte, dass seine allseits respektierte und beliebte Art viel Vertrauen in die politisch Wirkenden aufgebaut habe. Dies sei in einer Demokratie und in Zeiten schnellen Wandels ein unglaublich wichtiger Aspekt. Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, würdigte Herzog als einen „klugen Mahner, vorurteilsfreien Denker und hörenswerten Redner“.

Als Bundespräsident war er beliebt, weil er immer aufgeschlossen, neugierig und offen dafür war, was die Menschen bewegt – er war ein bürgernaher Präsident. Seine Unabhängigkeit und seine Aufrichtigkeit brachten ihm in Deutschland und der Welt Anerkennung.

Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag

Auschwitz-Lüge als Straftatbestand

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hat mit tiefer Trauer auf die Nachricht vom Tod Roman Herzogs reagiert. Der Alt-Bundespräsident war der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eng verbunden. Er erhielt 1998 für sein Engagement den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden. Schon als Richter bzw. Präsident des Bundesverfassungsgerichts hatte sich Herzog um das jüdische Leben in Deutschland verdient gemacht, etwa mit dem Urteil, in dem die Auschwitz-Lüge als Straftatbestand bestätigt wurde. In vielen Reden als Bundespräsident betonte Roman Herzog die Singularität der Shoa. Auch war es Herzog, der 1996 den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, proklamierte und damit weltweit ein wegweisendes Zeichen setzte.

Alt-Bundespräsident Herzog hat mit seiner klaren Haltung und seinem Engagement viel zur Versöhnung zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der jüdischen Gemeinschaft sowie zwischen Deutschland und Israel beigetragen. Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen war ihm immer ein Herzensanliegen. Bis heute haben viele seiner Worte ihre Gültigkeit nicht verloren. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren und drücken seinen Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aus.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Zuerst Lederhose, dann Laptop

Bei allem politischen Ernst bewahrte sich Herzog stets seine humorige Seite. In einer Mail vom Juli des vergangenen Jahres an die Bayernkurier-Redaktion stellte er seine Urheberschaft des berühmt gewordenen Leitspruches über den Freistaat Bayern klar: „Laptop und Lederhose“. Allerdings, so betonte der Alt-Bundespräsident „mit einem kleinen Augenzwinkern“ in dem Schreiben, habe er bei der Eröffnung der Neuen Messe München 1998 gesagt: „Hier sind Lederhose und Laptop eine Symbiose eingegangen.“ Also erst Hose, dann Computer. So passe dann auch Ilse Aigners Slogan „Dirndl und Digitalisierung“ besser.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau zuhause ist. Seine erste Ehefrau Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich stark engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

Vom Juristen zum Bundespräsidenten

Der am 5. April 1934 in Landshut geborene Sohn eines Archivars hatte zunächst eine juristische Karriere eingeschlagen und sich bereits mit 30 Jahren habilitiert. Ein Jahr später wurde er Professor an der Freien Universität Berlin. 1970 trat er in die CDU ein. 1983 wurde Herzog zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts berufen und vertrat dort eine eher liberale Linie. 1987 rückte er an die Spitze des obersten deutschen Gerichts auf. Von 1994 bis 1999 hatte Herzog als Bundespräsident das höchste Amt im Staat inne.