Ein Schild auf einer Pegida-Demo fordert den Austritt Deutschlands aus der EU. Anhänger von Rechtspopulisten sehen die Globalisierung besonders negativ. (Foto: Imago)
Ein Schild auf einer Pegida-Demo fordert den Austritt Deutschlands aus der EU. Anhänger von Rechtspopulisten sehen die Globalisierung besonders negativ. (Foto: Imago)

Wer Angst vor den Folgen der Globalisierung hat, der wählt eher extreme Parteien. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. In einer europaweiten Umfrage versuchte die Stiftung, die Ursachen für den Aufstieg populistischer Parteien zu ergründen.

AfD-Wähler sehen Globalisierung besonders negativ

Das Ergebnis der Untersuchung legt nahe, dass ein Grund für den Erfolg der Populisten von rechts und links die Furcht vieler Menschen vor der Globalisierung ist. So sehen die Anhänger der AfD (78 Prozent), der französischen Front National (76 Prozent) und der FPÖ in Österreich (69 Prozent) die Globalisierung sogar als Bedrohung.

In allen untersuchten Ländern zählt sich mindestens die Hälfte der Anhänger der rechtsnationalen Parteien wie der italienischen Forza Italia oder der britischen UKIP zu den Globalisierungspessimisten, wie es in der Studie mit dem Titel „Globalisierungsangst oder Wertekonflikt?“ heißt.

Aber auch bei den Anhängern linker Parteien finden sich viele Globalisierungsgegner: So sehen 58 Prozent der Wähler der französischen Front de gauche und 54 Prozent der Anhänger der deutschen Linkspartei die Globalisierung negativ. Dagegen beurteilen in Deutschland Wähler von Union und SPD die Globalisierung überwiegend positiv.

Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen.

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

CSU fordert Chancen für alle

Die CSU hat sich dieser Aufgabe bereits angenommen. Im neuen Grundsatzprogramm macht sich die Partei für eine faire Wirtschafts- und Sozialordnung stark, die allen Menschen die Teilhabe am Wohlstand ermöglicht. Im Interview mit dem Bayernkurier-Magazin sagte die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm: „Wir haben ja immer gemeint, alle Menschen müssen mit großer Freude sagen: `Jawohl! Die Globalisierung ist toll, bedeutet Zukunft – alles wunderbar!´ Und dann haben wir doch gemerkt, dass die Ängste weitaus stärker sind, als wir es letztlich wahrnehmen wollten. Wir stellen fest, dass wir heute auch viele Globalisierungsgegner haben.“

Stamm verweist auf die Diskussion über das CETA-Abkommen mit Kanada und das Freihandelsabkommen mit Amerika. Dabei habe man sehr deutlich gespürt, wie skeptisch die Menschen in dieser globalisierten Welt geworden seien und wie angstvoll sie diese Veränderungen begleiteten. „Die Menschen in Bayern wissen, dass es uns wirtschaftlich gut geht, dass die Arbeitslosigkeit enorm gesunken ist, dass wir die besten Ausgangssituationen auch für junge Menschen haben“, sagt Stamm. „Aber dennoch wird intensiv darüber diskutiert, wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus, wie viel Sicherheit habe ich auch in Zukunft, wenn zum Beispiel die Anzahl der befristeten Arbeitsverträge immer größer wird.“

Die Daten stimmen – und dennoch sind die Menschen auf der Suche.

Barbara Stamm, stellvertretende CSU-Chefin

Für Stamm ist die Konsequenz aus dieser Entwicklung klar: „Der Mensch muss ins Zentrum sämtlicher politischer Überlegungen. Wir müssen uns die zunehmend unterschiedliche Lebenswirklichkeit der Menschen anschauen und dieser gerecht werden. Wir müssen den ländlichen Raum stärken, wir müssen vor allen Dingen die Familien stärken.“ Investitionen in Familien mit Kindern seien die besten Investitionen. „Die Stärkung der Familie bedeutet, dass man Zukunft gestalten will“, sagt Stamm.

Großes Misstrauen gegen die Politik

Wie sehr das Thema „Globalisierung“ die Europäer spaltet, belegt die Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung: Die Mehrheit von 55 Prozent sieht internationale Verflechtungen als Chance, fast jeder zweite (45 Prozent) aber auch als Gefahr. „Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden“, kommentiert Isabell Hoffmann, die Autorin der Studie, die Ergebnisse.

Die Globalisierungsängste gehen einher mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Politik und Gesellschaft. Globalisierungspessimisten würden fast zur Hälfte (47 Prozent) für einen EU-Austritt stimmen. Nicht mal jeder Zehnte von ihnen (9 Prozent) vertraut Politikern allgemein und weniger als die Hälfte (38 Prozent) ist zufrieden mit der Demokratie in ihrem Land. Globalisierungsoptimisten hingegen stimmen mit großer Mehrheit für die EU (83 Prozent) und sind mehrheitlich (53 Prozent) zufrieden mit der Demokratie. Die Pessimisten fühlen sich zudem in ihren Gesellschaften mehrheitlich ausgegrenzt (54 Prozent) und sehen Migration als eine entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre (53 Prozent).

Warum wählten die Briten den Brexit?

Die Untersuchung zeigt aber auch, wie problematisch es ist, von Umfrage-Ergebnissen auf die Entscheidungen der Menschen bei Wahlen und Abstimmungen zu schließen. Der Bertelsmann-Stiftung zufolge leben nämlich mit 64 Prozent EU-weit die meisten Globalisierungsoptimisten in Großbritannien. Dennoch haben die Bürger des Königsreichs mit Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt.