Gute Zeiten für Jobsucher, besonders in Bayern. (Foto: dpa/Carsten Rehder)
Gute Zeiten für Jobsucher, besonders in Bayern. (Foto: dpa/Carsten Rehder)

228.318 Männer und Frauen waren im Freistaat ohne Job – das waren knapp 200 mehr als im Oktober, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb damit unverändert bei 3,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Erwerbslosen im Freistaat dagegen gesunken – und zwar um rund 5400. „Der bayerische Arbeitsmarkt im November ist Inbegriff der Stabilität und Aufnahmefähigkeit“, sagte Klaus Beier, Geschäftsführer der Regionaldirektion. Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit von Oktober auf November sei saisonüblich. Im Herbst finden Ausbildungsabsolventen oft eine feste Stelle, Schulabgänger beginnen ein Studium und viele Firmen stellen nach den Werksferien neue Mitarbeiter ein. Im Dezember setzt dann allerdings meist die Winterarbeitslosigkeit ein.

Der bayerische Arbeitsmarkt im November ist Inbegriff der Stabilität und Aufnahmefähigkeit.

Klaus Baier, Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt in Bayern behauptet seine Spitzenposition in Deutschland. „Die Arbeitsmarktlage im November toppt erneut das Ergebnis des letzten Jahres. Mit 3,2 Prozent haben wir die niedrigste Arbeitslosenquote in einem November seit 20 Jahren“, so Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller anlässlich der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten. Die Ministerin betonte: „Diese gute Ausgangslage kommt auch jungen Menschen zu Gute, die gerade in das Berufsleben starten. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Bayern bei 2,6 Prozent, das sind bei den unter 25-Jährigen 21.473 Personen. Auch hier hat Bayern im Ländervergleich die Spitzenposition.“ Damit das so bleibe, unterstütze der Freistaat die jungen Menschen beim Übergang von Schule und Beruf mit zahlreichen Angeboten. „So ermöglichen wir den Jugendlichen eine gesicherte Zukunft. Denn eine abgeschlossene Berufsausbildung ist noch immer die beste Arbeitslosenversicherung!“, erklärte die Ministerin.

So viele freie Stellen wie selten

„Der bayerische Arbeitsmarkt bleibt auf Rekordkurs. Die Arbeitslosenquote betrug im November durchschnittlich 3,2 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresmonat“, betonte Bayerns Wirtschaftsministerien Ilse Aigner. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liege weiterhin deutlich über fünf Millionen. „Momentan gibt es in Bayern so viele freie Stellen wie selten. Das sind beste Voraussetzungen für künftiges Wachstum und Wohlstand in ganz Bayern“, freute sich Aigner. Entscheidend für eine auch künftig hohe Beschäftigung seien nicht zuletzt die Lohnzusatzkosten.

Warnung vor SPD-Rentenplänen

Angesichts der aktuellen Pläne von Bundesministerin Nahles für eine Erhöhung des Beitragssatzes auf 25 Prozent sowie für eine Festschreibung des gesetzlichen Rentenniveaus auf 46 Prozent bis 2045 warnte Aigner deshalb: „Wir dürfen die Lohnzusatzkosten nicht aus den Augen verlieren. Unsere Unternehmen stehen in einem harten internationalen Wettbewerb. Die Produktivitätsentwicklung in Deutschland kann schon jetzt mit der Entwicklung der Arbeitskosten nicht mehr Schritt halten.“

Wir können nur das verteilen, was wir auch erwirtschaften.

Ilse Aigner

Aigner weiter: „Wir können nur das verteilen, was wir auch erwirtschaften. Deshalb muss sich der demografische Wandel in der Rentenformel niederschlagen. Und wir brauchen mehr Flexibilität beim Übergang zur Rente. Teure Rentenversprechen hingegen gefährden auf lange Sicht das deutsche Jobwunder“, so Aigner. In den bayerischen Regierungsbezirken lagen die Arbeitslosenquoten zwischen 2,8 Prozent in der Oberpfalz und 3,9 Prozent in Mittelfranken und somit überall weit unter dem Bundesdurchschnitt von 5,7 Prozent.

Die Wirtschaft warnt

Anlässlich der aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit für November zeigte sich auch die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. – erfreut über die stabile Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt.

„Der November ist grau, die Lage auf dem Arbeitsmarkt golden. Eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent ist Ausdruck der starken Stellung der bayerischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Bayern ist mit dem Rekordwert von 5,377 Millionen sozialversicherungspflichtigen Jobs weiterhin ein Magnet für Unternehmen und Arbeitnehmer“, erklärte vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

In fast zwei Drittel der Städte und Landkreise gebe es mit einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent praktisch Vollbeschäftigung. Nach Brossardts Worten haben alle Beschäftigungsgruppen beste Chancen auf dem bayerischen Arbeitsmarkt: „Die Tatsache, dass die Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren seit August von 4,1 auf 2,6 Prozent gesunken ist, zeigt das hohe Ausbildungsengagement unserer Unternehmen. Und auch bei den Langzeitarbeitslosen gibt es Bewegung. Die Zahl liegt um fast 5000 niedriger als vor einem Jahr“, sagte Brossardt. „Es muss jetzt Anspruch von Politik und Wirtschaft sein, die exzellente Performance Bayerns auf dem Arbeitsmarkt trotz zahlreicher negativer Einflüsse dauerhaft zu behaupten.“

Die Politik muss alles unterlassen, was Arbeit verteuert und den Unternehmen Flexibilität raubt.

Bertram Brossardt, vbw

Zu den größten Herausforderungen zählt die vbw die konjunkturellen Risiken durch die unsichere weltpolitische Lage. Gefahren bestünden aber auch durch falsche arbeitsmarktpolitische Weichenstellungen. „Zum Beispiel darf die Idee aus dem ‚Weißbuch Arbeiten 4.0‘ des Bundesarbeitsministeriums, die Arbeitslosenversicherung zu einer ‚Arbeitsversicherung‘ umzubauen, nicht weiter verfolgt werden. Gleiches gilt für Überlegungen, einen Anspruch auf befristete Teilzeit für alle einzuführen. Die Politik muss alles unterlassen, was Arbeit verteuert und den Unternehmen Flexibilität raubt. Dies ist umso wichtiger, als in den kommenden Monaten auch verstärkt die Aufgabe auf uns zukommt, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Brossardt.

Auch bundesweit Rückgang der Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist auch bundesweit auf ein neues Rekordtief gesunken. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im November 2,53 Millionen Erwerbslose. Das sind 8000 weniger als im Oktober und 101.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Behörde in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent zurück. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich auch im November grundsätzlich günstig“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Arbeitslosigkeit habe weiter abgenommen und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewege sich auf anhaltend hohem Niveau. „Der Beschäftigungsaufbau ist allerdings zuletzt ist Stocken geraten“, sagte Weise.

Der Beschäftigungsaufbau ist allerdings zuletzt ist Stocken geraten.

Frank-Jürgen Weise, BA-Chef

Die Konjunktur sorgt nach Ansicht von Experten nur noch für einen verhältnismäßig schwachen Schub. Auch die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Arbeitslosenzahl sank jedoch im November: Im Vergleich zum Vormonat ging sie um 5000 auf 2,658 Millionen Erwerbslose zurück. Im Westen waren es etwa 2000 Jobsucher weniger, im Osten etwa 3000. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind im Vergleich zum Vorjahr weiter gewachsen, wenngleich sich das Wachstum deutlich abschwächte. Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern sei nach wie vor hoch. Im November waren 681.000 offene Stellen bei der Behörde gemeldet – 71.000 mehr als vor einem Jahr.