Sogenannte Horror-Clowns treiben neuerdings auch in Bayern ihr Unwesen und erschrecken Kinder. (Foto: Imago/Agencia EFE)
Sogenannte Horror-Clowns treiben neuerdings auch in Bayern ihr Unwesen und erschrecken Kinder. (Foto: Imago/Agencia EFE)

In Gersthofen bei Augsburg erschreckten zwei Grusel-Clowns mit mitgeführten Ketten mehrere Passanten. Als die alarmierten Polizisten anrückten, konnte sie drei „Clowns“ dingfest machen. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich um drei 14-jährige Jugendliche, die sich nach eigenen Angaben „einen Spaß“ machen wollten. Einer von ihnen führte tatsächliche eine massive Eisenkette mit.

Im oberbayerischen Freilassing wurde eine Gruppe von Kindern beim Rollerbladen erschreckt. Die Clowns mit den gruseligen Gummimasken und zwei unmaskierte Begleiter sollen etwa 12 Jahre alt gewesen sein. In Bad Reichenhall sorgte ebenfalls ein maskierter Grusel-Clown für Aufregung. Ein Anwohner hatte den Clown mit roter Perücke und roter Nase samt einem Stock gesehen und verständigte die Polizei. Jugendliche liefen hinter dem Clown her, der dann aber in der Dunkelheit verschwand. Mehrere Polizeistreifen suchten erfolglos nach dem Unbekannten.

Horror-Clowns: Zweifelhafter US-Import

In Aschaffenburg erschreckte ein als gruseliger Clown verkleideter Mann zwei 16-jährige Jugendliche in einer Parkanlage. Wie die Polizei mitteilte, sprang der Mann im Clownskostüm und mit einer Halloween-Maske hinter einem Baum hervor. Dabei habe er einen Gegenstand in der Hand gehalten, den die 16-Jährigen für einen Elektroschocker hielten. Die beiden Jugendlichen liefen davon und alarmierten die Polizei. Kurz darauf wurde der 21 Jahre alte Mann mit zwei Begleitern in einem Auto entdeckt. Bei einer Durchsuchung des Wagens fanden die Beamten nach eigenen Angaben mehrere Kostüme und Masken – sowie eine geringe Menge Marihuana und eine Gaspistole, die sie einem der Begleiter zuordneten. Der vermeintliche Elektroschocker entpuppte sich als Handy. Gegen den 21-Jährigen wird nun wegen Nötigung ermittelt, gegen einen seiner Begleiter wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz.

Im niederbayerischen Geiselhöring erschreckten Unbekannte in Clownskostümen mehrere Kinder. In München ging ein Grusel-Clown mit Axt auf einen zehnjährigen Jungen in München los. Der Schüler fuhr mit seinem Fahrrad vom Fußball nach Hause, als der Unbekannte aus einem Gebüsch hervorsprang, eine Axt schwang und schreiend auf das Kind zulief, wie die Polizei mitteilte. Insgesamt wurden aus München sieben Angriffe von Grusel-Clowns gemeldet.

86 Vorfälle allein am Wochenende in NRW

Auf einem Supermarkt-Parkplatz in Sachsen-Anhalt erschreckten Jugendliche mit Clownsmaske und Kettensäge eine Mutter. Die Frau war mit ihrem Kind unterwegs und geriet in Panik. Polizisten fanden in einem Auto eine mit Kunstblut beschmierte Maske, eine Kettensäge, eine Spitzhacke, einen Vorschlaghammer und eine Skelett-Kapuzenjacke mit Totenkopf. Am Montagmorgen attackierte im sächsischen Hoyerswerda ein Mann mit Clown-Maske einen 17-Jährigen: Er sprang aus einem Gebüsch und schlug den jungen Mann mit einem Knüppel auf den Arm.

Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben!

Joachim Herrmann

Seit einigen Tagen registriert die Polizei bundesweit vermehrt Attacken solcher Horror-Clowns, die Passanten erschrecken und zum Teil auch angreifen – vor allem in Nordrhein-Westfalen. Dort wurden allein am vergangenen Wochenende laut Innenministerium 86 Angriffe von „Grusel-Clowns“ gemeldet.

Der zweifelhafte Trend der Grusel-Clowns hat seinen Ursprung in den USA, von wo bekanntlich auch die Halloween-Mode importiert wurde. Seit zwei Jahren registrieren die Behörden in den USA entsprechende Vorfälle. Als Videos tauchen die makabren Streiche oft im Internet auf. Im US-Staat Pennsylvania wurde ein 16 -jähriger Schüler von einem Horror-Clown erstochen.

Herrmann kündigt massives Vorgehen an

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will derartigen zweifelhaften US-Import nicht hinnehmen und kündigte ein hartes Vorgehen gegen diese „Horror-Clowns“ an. „Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben!“, sagte der CSU-Politiker der Passauer Neuen Presse. „Wir werden da deshalb auch nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden.“ Aus einem vermeintlichen Scherz könne für den Täter bitterer Ernst werden. Die Betroffenen dürften mit der Polizei oder dem Staatsanwalt rechnen, sagte Herrmann. Jeder Fall werde konsequent verfolgt.

Auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) warnte Grusel-Clowns vor den Folgen ihrer makabren Aktionen. Wer andere sprichwörtlich zu Tode erschrecken wolle, sei nicht lustig, sondern ein Straftäter, sagte Kutschaty in Bild. Auch wenn dem Opfer nichts passiere, könne ein „demaskierter Clown“ bis zu einem Jahr im Gefängnis landen, sagte NRW-Minister Kutschaty. „Da gehört er dann auch hin! Erst recht, wenn mit der Maskerade weitere Gewalthandlungen verbunden sind.“

Hinzu kommt, dass angenommene Notwehrsituationen die Opfer dazu verleiten können, den vermeintlichen Täter zu attackieren. So attackierte ein 14-Jähriger in Berlin-Lichterfelde einen Grusel-Clown, der ihn und seine Gruppe vermeintlich mit einem Hammer angriff, mit einem Messer und verletzte ihn schwer. Wie sich aber herausstellte, handelte es sich um einen 16 Jahre alten Bekannten. In einem Parkhaus im englischen Chatham holte sich ein „Clown“ eine blutige Nase. In Deutschland haben die Opfer in den meisten Fällen auch das Recht, sich zu wehren.

Zirkusverband und echte Clowns sind alarmiert

Auch die professionellen Spaßmacher befürchten einen Imageschaden. „Durch die Attacken wird der Clown immer mehr zum Angstobjekt“, sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmen, Dieter Seeger. „Mit einem Clown soll eigentlich Spaß, Freude und Tollpatschigkeit assoziiert werden. Über ihn soll man lachen.“

Warum die Maskierten sich für ein Clowns-Kostüm entscheiden, kann Seeger nur vermuten: „Möglicherweise hat das mit einigen Kinofilmen zu tun, in denen der Bösewicht als Clown auftritt – zum Beispiel bei Überfällen.“ Damit meint er beispielsweise Schurken wie den „Joker“ aus den Batman-Filmen und den Clown „Pennywise“ aus Stephen Kings Buch „Es“. Das weiß geschminkte Gesicht, die rote Nase und das breite Grinsen seien dann nur noch gruselig. Gerade auf Kinder wirke sich das traumatisch aus. „Viele moderne Clowns im Zirkus verzichten mittlerweile auf die weiße Gesichtsfarbe und Maske und setzen eher auf lustige Kleidung.“

Echte Clowns werden bei medizinischen Therapien eingesetzt

Die echten Clowns sind sauer und stellen deshalb klar: „Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen.“ In einer Mitteilung des Dachverbands Clowns in Medizin und Pflege Deutschland heißt es weiter: „Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie.“

Liebe Leute, macht endlich mal halblang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen.

Stephen King, Autor und Erfinder des bösen Clowns „Pennywise“

Auch der Geschäftsführer des Vereins Rote Nasen Deutschland, Claus Gieschen, betonte: „Wer Kinder und Erwachsene erschrickt und sich dabei hinter einer Maske verbirgt, richtet nicht nur seelischen Schaden bei den Betroffenen an, sondern beschädigt das Bild von Clowns in der Öffentlichkeit.“ Der therapeutische Einsatz von Clowns in Krankenhäusern sei wegen der Gruselwelle gefährdet. Die Clowns vom Verein Rote Nasen spenden Klinikpatienten Trost und Heiterkeit.

Sogar dem Horror-Regisseur Stephen King wird es zu viel

Der Direktor des Zirkus „Roncalli“, Bernhard Paul, prophezeite in der österreichischen Kronen Zeitung, die Grusel-Clowns würden „so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind“. Paul sagte weiter: „Die Kostümierung dieser Gestalten ist die eine Sache. Dass sie sich ungestraft Clowns nennen, ist die andere. Aber wenn sie dann auch noch mit Sägen und Knüppeln auf Leute losgehen, dann sind es Kriminelle, dafür ist die Polizei zuständig.“

Inzwischen wird es selbst Stephen King zu viel. Der US-Horrorautor hatte mit dem Roman „Es“, in dem der böse Clown Pennywise reihenweise Kinder tötet, 1986 einen Bestseller gelandet. King schrieb auf Twitter: „Liebe Leute, macht endlich malhalb lang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen.“

Genauso wie damals nach Erscheinen von „Es“ richtet der Münchner Circus Krone Anti-Angst-Kurse ein. Das sagte Zirkussprecherin Susanne Matzenau. Kings Buch habe bereits vor 30 Jahren mit seinem Roman der Branche einen Imageschaden zugefügt. Der Zirkus veranstaltete damals spezielle Seminare für Coulrophobiker, wie Menschen mit Angst vor Clowns heißen. „Wir haben den Teilnehmern den Clown-Darsteller ungeschminkt gezeigt und ihn vor ihren Augen verwandelt.“

Fehlalarm: Achtjährige verwechseln Schul-Hausmeister mit Clown

Unterdessen gibt es in Deutschland auch die ersten Fehlalarme. So war der von Grundschülern im sächsischen Riesa gesichtete „Horror-Clown“ gar keiner. Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen handelte es sich offensichtlich um den Hausmeister, wie die Polizei mitteilte. Die Achtjährigen hätten den mit Warnweste und Gehörschützern am Kopf ausgestatteten Angestellten „augenscheinlich falsch interpretiert“.

Die Polizei warnt vor Falschmeldungen in sozialen Netzwerken: In den vergangenen Tagen seien vermehrt ausgedachte Texte zu Clowns, die wie Zeitungsberichte ausgesehen hätten, im Internet verbreitet worden, teilte die Polizei in Hannover mit. „Wir raten dazu, sich entweder bei seriösen Anbietern zu informieren oder auf verifizierten Portalen zu vergewissern.“

(dpa/wog)