Der Elisabethplatz soll abgerissen und neu gebaut werden. (Bild: A. Schuchardt)
Der Elisabethplatz soll abgerissen und neu gebaut werden. (Bild: A. Schuchardt)

Eigentlich wollte Bettina Hieber Metzgerin werden. Jetzt schneidet sie keine Filetstücke zurecht, sondern zerteilt Käselaibe. Es war Liebe auf den ersten Blick, erinnert sich die 33-Jährige. Als sie vor 15 Jahren den kleinen Laden ihrer Schwiegereltern auf dem Elisabethplatz in Schwabing das erste Mal betrat, war für sie die Sache klar. Noch in der gleichen Woche kündigte sie ihre Stelle in der Metzgerei. Seitdem ist Hieber für die Geschäfte im „Châlet du Fromage“ verantwortlich.

Mein Laden ist mein Baby. Trotzdem bin ich absolut für einen Neubau des Elisabethmarktes.

Bettina Hieber, Standbetreiber am Elisabethplatz

80 Prozent der Käse- und Weinliebhaber, die bei ihr einkaufen, sind Stammkunden. „Ich weiß oft besser, was meine Kunden mögen, als sie selbst“, scherzt sie. Doch wie es mit dem Laden in den nächsten Jahren weitergeht, steht noch nicht fest. Sicher ist: der Markt auf dem Elisabethplatz wird sich verändern. Wie, darüber ist sowohl unter den Standbetreibern als auch zwischen den Schwabingern eine heftige Diskussion entbrannt.

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Herz oder Verstand - Was passiert mit dem Elisabethmarkt?

Markt mit Flair

Seit 1903 kaufen die Münchner auf dem Elisabethplatz ein. Neben Gemüse und Blumen finden sie dort auch Feinschmecker-Spezialitäten, Selbstgebackenes, ausgefallene Suppenkreationen oder Fischsemmeln. Nur ein Verkaufsstand der insgesamt 24 steht leer. Einige der Betreiber stehen bereits seit über 30 Jahren hinter den Verkaufstheken. Einer von ihnen ist Helmut Breu. Der erste Marktsprecher ist zwischen den Gemüse- und Obstkisten aufgewachsen. Sein Vater bietet hier seit über 50 Jahren Nüsse, Gewürze, Gemüse und Obst an. Immer noch bedient Breu Senior seine Kunden.

Ich bin mit dem Markt groß geworden, der Gemüsestand ist eigentlich mein Leben. Und die Münchner lieben diesen Markt, so wie er jetzt ist. Deshalb setzte ich mich für eine sanfte Sanierung ein.

Helmut Breu, erster Marktsprecher

Der Gemüsestand sei sein Leben, sagt Breu Junior. Mit einem Neubau würden traditionelle Marktstände gegen moderne Läden ausgetauscht – der Charme des Elisabethplatzes steht für viele auf dem Spiel. Auch die Schwabinger fürchten, Flair und Stadtatmosphäre gehe mit der geplanten Umstrukturierung verloren. Mit einer Petition im Internet wollen sie den Plänen entgegenwirken. Innerhalb eines Monat sprachen sich bis Mitte Oktober knapp 5500 Anwohner gegen den Neubau aus.

Sanftes Sanieren oder Abriss?

Helmut Breu setzt sich als erster Marktsprecher für eine sanfte Sanierung des Marktes ein – die eigentlich von der Stadt nicht vorgesehen ist. Dem Elisabethplatz mangelt es nämlich nicht nur an Hygienestandards, sondern künftig auch an Platz. Die Stände können in ihrer bisherigen Anordnung so nicht weiter bestehen. Grund dafür sind die Baupläne für das Gelände gleich neben dem Markt. Dort plant die Stadtsparkasse über 300 Wohnungen und eine Ladenzeile mit Geschäften. Das ehemalige E-Werk auf dem Grundstück wird abgerissen. Allerdings ist für das Bauvorhaben eine Feuerwehranfahrtszone von 8,50 Meter Vorschrift – die hintere Marktreihe muss also weichen. Damit fällt Platz für Lager- und Kühlräume weg. Die Planer sehen dafür eine Unterbauung des Elisabethplatzes vor. Auch eine Tiefgarage soll gebaut werden.

Stadt legt sich nicht fest

Die Baupläne der Stadtsparkasse sind allerdings noch nicht endgültig von der Stadt München genehmigt. Dabei hofft ein Teil der Standbetreiber, dass es bei dem Deal mit der Stadtsparkasse bleibt. Das Unternehmen hat den Marktleuten nämlich zugesichert, keine Konkurrenzläden, beispielsweise einen Discounter, in der Geschäftszeile zu eröffnen. Das würde für viele Verkäufer das Aus bedeuten.

Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid konnte bisher nicht sagen, wann die Stadt sich endgültig über die Zukunft des Elisabethplatzes entscheidet. „Wir werden die Wünsche der Bürger berücksichtigen und das Begehren gegen den Abriss bei unseren Gesprächen mit einbeziehen“, sagte er. So hängen die Verkäufer derzeit „zwischen den Stühlen“, wie Breu sagt. Weder über Kosten noch über den Start der Bauprojekte gibt es bereits konkrete Informationen. Dabei hoffen die Händler, dass Wohnungsbau und Neubau des Elisabethplatzes zumindest zeitgleich stattfinden. Sonst könnte sich der Platz in eine Dauerbaustelle von bis zu sechs Jahren verwandeln. Die Stadtsparkasse veranschlagt für ihr Bauprojekt zwei bis drei Jahre. In der Zeit sollen die Händler ihre Ware aus Containern in der Nebenstraße verkaufen können.