Tanit Koch, Andreas Scheuer und Sebastian Kurz beim AS-Talk in Lappersdorf. (Bild: CSU)
Tanit Koch, Andreas Scheuer und Sebastian Kurz beim AS-Talk in Lappersdorf. (Bild: CSU)

Der Andrang war groß in Lappersdorf. Dorthin hatte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zu einer weiteren Ausgabe seines Diskussions-Formats „AS-Talk“ geladen. Über „Klartext“ wollte der CSU-General sprechen – Klartext in der Politik und den Medien, über die schwierige, aber wichtige Aufgabe, auch komplizierte oder unangenehme Sachverhalte zu berichten und „die Dinge beim Namen zu nennen“. Als Gäste hatte er sich dafür zwei Persönlichkeiten in die Oberpfalz eingeladen, die für ihre klaren Worte bekannt sind: Bild-Chefredakteurin Tanit Koch und Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) waren nach Lappersdorf gekommen, um unter dem Motto „Klartext in Zeiten von Krisen und Terror – was macht unsere Welt wieder sicherer?“ zu diskutieren.

„Es ist unser Job, den Finger in die Wunde zu legen“

Tanit Koch sieht ihren Berufsstand in der Pflicht, auch bei unangenehmen Sachverhalten – etwa in der Flüchtlingsdebatte – klare Worte zu verwenden. „Unser Job ist es, den Finger in die Wunde zu legen“, sagte die Journalistin. Wenn irgendetwas falsch laufe „müssen wir das sagen, sonst tun es andere“.

Wir haben in Deutschland viel zu lange in einer hypersensiblen Konsensgesellschaft gelebt.

Tanit Koch

Allerdings lebten Kochs Meinung zufolge auch viele Menschen in Deutschland in einer Art „Wohlfühlblase“, aus der sie durch harte Berichterstattung oder die Veröffentlichung schockierender Bilder nicht herausgeholt werden wollten. „Wir haben in Deutschland viel zu lange in einer hypersensiblen Konsensgesellschaft gelebt“, stellte Koch fest. Da sei es eine Kernaufgabe von Medien wie der Bild-Zeitung, die Menschen umfassend zu informieren.  Nur durch klare Worte könnten etablierte Medien ihre Glaubwürdigkeit bei den Lesern bewahren oder zurückgewinnen – und damit dafür sorgen, dass sie als Medien relevant blieben. „Die Menschen spüren, wenn ihnen etwas vorenthalten wird“, sagte Koch.

Kurz: „Manche Medien haben die Umstände verkürzt dargestellt“

Die Politik- und Medienwelt in Österreich steht dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie die deutsche, betonte Außenminister Sebastian Kurz. Gerade durch die Flüchtlingskrise hätten Medien, „aber auch Teile der Bundesregierung“, im Land massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Dabei könne auch eine bestimmte politische Agenda einiger Medien eine Rolle gespielt haben: „Wir hatten Medien, die von Anfang an ganz klar eine Position bezogen haben. Sie wollten die Dinge so darstellen, als ob die Menschen überaus offen waren gegenüber den Flüchtlingen, die zu uns kamen“, berichtete der Wiener ÖVP-Politiker. „Doch das war leider nur eine Seite der Medaille, eine verkürzte Darstellung.“

Teile der Politik- und Medienwelt haben an Glaubwürdigkeit verloren, die es jetzt durch klare Sprache zurückzugewinnen gilt.

Sebastian Kurz

Dies habe auch in der Alpenrepublik zu einer Frustration gegenüber etablierten Parteien und Medien geführt, die man nur durch „echten Klartext“ überwinden könne. „Wenn die etablierte Politik den Fehler macht, Dinge schönzureden ist es kein Wunder, wenn Protestparteien an Zulauf gewinnen“, so Kurz.

„Großbritannien wird der EU als Eurokritiker fehlen“

Doch nicht nur die Flüchtlingskrise und deren politische und mediale Behandlung wurden diskutiert. Andreas Scheuer und seine Gäste warfen auch einen Blick auf Großbritannien und die Brexit-Entscheidung. Dabei waren sich Koch und Kurz einig: Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ist ein schwerer Schlag für die Union. „Großbritannien ist stets ein wichtiger Akteur in der EU gewesen, ein gutes Korrektiv für andere Staaten in der EU“, betonte Sebastian Kurz mit Blick auf die chronischen Schuldenstaaten Südeuropas. „Insofern tut es mir Leid um die Entscheidung.“

Und auch Koch stellte fest: „Die Briten werden uns ungemein fehlen als Eurokritiker.“ Als Konsequenz aus der Brexit-Entscheidung forderte die Journalistin die EU-Mitgliedsstaaten auf, „endlich zu lernen, wie man richtig miteinander streitet“. Anstatt stets über nationale Befindlichkeiten zu diskutieren, müsse man die Eigenheiten der Staaten respektieren „und konstruktiv miteinander streiten“, so Koch. Denn nur dadurch ließen sich Lösungen finden, „und nur so kann man wieder das Vertrauen der Menschen in die EU wieder gewinnen“. Klar sei allerdings auch: „Es ist nicht damit getan, einfach immer nur noch mehr Europa zu fordern.“

Es ist nicht damit getan, einfach immer nur noch mehr Europa zu fordern.

Tanit Koch

Die anstehende Wahl eines neuen US-Präsidenten war ebenfalls Thema beim „AS-Talk“. Dabei waren sich Koch und Kurz einig, dass eine Wahl Donald Trumps ins Weiße Haus „höchst unwahrscheinlich“ geworden sei, wie der Minister betonte. Tanit Koch ging sogar noch einen Schritt weiter: „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es mit einem Präsidenten wäre, der offenbar mehr die Nähe zu Putin als zu den Nato-Partnern sucht.“

Abschließend ließ Andreas Scheuer noch einige Fragen aus dem Publikum zu. Am Ende freute sich der CSU-General über eine gelungene Veranstaltung und einen Besucherrekord in Lappersdorf.