Mit dem EU-Siegel können Hersteller von gezieltem Regionalmarketing profitieren. (Bild: imago/Geisser)
Spezialitätenland Bayern

Käse-Kompetenz vom Berg

Der Allgäuer Sennalpkäse ist ab sofort europaweit geschützt. Damit gehören 13 Prozent der bayerischen Spezialitäten im europäischen Herkunftsregister zu den Käseschmankerln. Bayerns Senner haben damit mehrere Vorteile: Sie profitieren vom Regionalmarketing und ihre Produkte werden mit dem EU-Siegel gegen Plagiate geschützt.

Die Kräuter der Alpweiden und die Höhenlagen – sie sollen dem Kuhmilch-Hartkäse sein ganz besonderes Aroma geben. Pikant bis kräftig, etwas nusskernartig und teils auch leicht rauchig schmeckt er. Sein Teig ist elfenbeinartig bis gelblich, im Leib bilden sich erbsengroße Löcher. Seit 2011 prüfte die EU-Kommission, ob der Premiumkäse in das europäische Herkunftsregister aufgenommen werden soll. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Damit ist der Sennalpkäse die dreißigste bayerische Spezialität, die als geografische Angabe europaweit geschützt ist, und – nach Emmentaler, Bergkäse und Weißlacker – bereits das vierte käsige Schmankerl aus dem Allgäu in der Liste.

Der europäische Schutz des Sennalpkäses ist ein weiterer Erfolg für das Spezialitätenland Bayern und stellt die europaweit anerkannte Käse-Kompetenz des Allgäus erneut unter Beweis.

Helmut Brunner, Landwirtschaftsminister

Das Gütezeichen garantiert Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Erzeugnisses in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren. Um eine regionaltypische Spezialität schützen zu lassen, schließen sich zum Beispiel Landwirte und Hersteller zu Schutzgemeinschaften zusammen. Sie beschreiben die typischen Merkmale der Spezialität und reichen den Antrag auf EU-Herkunftsschutz ein. Der Aufwand lohnt sich. Denn Verbraucher richten auf die geografische Herkunft von Lebensmitteln besonderes Augenmerk. Mit dem Siegel können Hersteller von gezieltem Regionalmarketing profitieren. Die Eintragung soll die Originale auch vor Rufausbeutung und Nachahmung schützen.

Unterschiedliche EU-Siegel

Bereits 1992 wurde die erste europäische Rechtsvorschrift zur Herkunfts- und Ursprungsbezeichnung angenommen. Rund 1.300 ausgewählte europäische Lebensmittel sind seitdem mit dem EU-Herkunftsschutz „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.) beziehungsweise „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) gelistet. Der Unterschied: Produkte mit g.U.-Zeichen müssen in der genannten Region erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Das heißt es müssen auch alle Rohstoffe und Zutaten aus der Region stammen. Diese Auflage können zum Beispiel Spezialitäten, die traditionell mit exotischen Gewürzen verfeinert werden, wie auch Würste, nicht erfüllen. Anders bei der Käseherstellung in der Milchregion Allgäu: Steht „Allgäuer Bergkäse“ oder „Allgäuer Emmentaler“ auf dem Produkt, ist auch 100 Prozent Rohmilch aus dem Allgäu drin.

Allgäuer Sennalpkäse wird in den Monaten von Mai bis Oktober auf 50 staatlich anerkannten Sennalpen gekäst. Die Alpen müssen auf über 800 Meter Meereshöhe liegen. Denn diese Weiden haben aufgrund des Höhenklimas und der Bewirtschaftung besondere Pflanzenbestände die Inhaltsstoffen wie Terpene enthalten.

Produkte, die das g.g.A.-Zeichen tragen, müssen in der genannten Region und getreu traditioneller Verfahren hergestellt und verarbeitet werden. Die Rohstoffe müssen nicht unbedingt aus der Region stammen. Bei einer Reihe von Spezialitäten ist dies dennoch der Fall. Das bedeutet also: Nur Spargel, der in den bayerischen Anbaugebieten nach alter Tradition und mit viel Handarbeit gepflegt und geerntet wird, darf als „Abensberger Spargel“ oder „Schrobenhausener Spargel“ vermarktet werden. Auch Bayerisches Bier, Nürnberger Rostbratwürste, Bayerischer Obazda, Hofer Rindfleischwurst und Bayerisches Rindfleisch sind so vor Nachahmung geschützt. Neutrale Prüfstellen kontrollieren die Einhaltung bei den Landwirten und zum Teil im Handel.

Bayern – Land der Spezialitäten

In Deutschland lassen sich die Siegel auf 87 Produkten finden. Zwölf von ihnen tragen das g.U.-Zeichen. Mit 30 eingetragenen Herkunftsbezeichnungen kommt inzwischen über ein Drittel aller geschützten regionaltypischen Spezialitäten Deutschlands aus Bayern. Dazu zählen neben den Allgäuer Käsespezialitäten auch „Bayerischer Meerrettich“, „Bayerische Breze“, „Bamberger Hörnla“, „Hopfen aus der Hallertau“, „Kulmbacher Bier“, „Nürnberger Lebkuchen“, „Oberpfälzer Karpfen“, „Schwäbische Maultaschen“ oder „Aischgründer Karpfen“. Europaweit sind Italien (284 eingetragene Spezialitäten), Frankreich (233) und Spanien (193) Spitzenreiter.

(ec.europa.eu / www.spezialitätenland-bayern.de/AS)