Htins Amtszeit beginnt am 1. April. Die beiden anderen Kandidaten, Henry Van Thio (57), ein christlicher NLD-Oberhaus-Abgeordneter und Angehöriger der Minderheit der Chin, und der vom Militär ernannte General Myint Swe (64), werden Vizepräsidenten. Erster Vizepräsident wird aber, mit den Stimmen des Militärs und der militärnahen Partei USDP, der ehemalige Chef des militärischen Geheimdienstes, Myint Swe. Er gilt als Hardliner, äußerst korrupt und als einer der Hauptverantwortlichen für die blutige Niederschlagung eines Mönchsaufstands im Jahre 2007 sowie das Niederknüppeln der Studentenproteste gegen das neue Bildungsgesetz 2015.

Die Anführerin im Hintergrund

Suu Kyi selbst kann nach der vom Militär geschriebenen Verfassung nicht Präsidentin werden, weil Personen mit ausländischen Familienangehörigen vom höchsten Staatsamt ausgeschlossen sind. Dieser Artikel wurde vom Militär extra wegen ihr in die Verfassung aufgenommen. Suu Kyis Ehemann ist Brite und ihre Kinder haben deshalb die britische Staatsbürgerschaft. Die Friedensnobelpreisträgerin will deshalb die Verfassung ändern. Sie hat klar gemacht, dass sie das Sagen in der neuen Regierung haben wird. Der Universitätsprofessor und Dichter Hteil Kyaw ist einer ihrer engsten Vertrauten und ein früherer Mitschüler. Es wird daher erwartet, dass sie das einstige Birma in enger Zusammenarbeit mit dem gewählten Präsidenten führt. Bei der Wahl im November hatte die „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) mit fast 80 Prozent einen Erdrutschsieg eingefahren und die absolute Mehrheit in beiden Parlamentskammern errungen.

Aung San Suu Kyi wird von ihren Anhängern wie eine Königin verehrt. Sie ist die Tochter von Aung San, Myanmars Freiheitskämpfer und Nationalheld, ermordet bei einer Kabinettssitzung 1947. 15 Jahre stand Aung San Suu Kyi unter Hausarrest des Militärs. Für ihren gewaltlosen Widerstand in all den Jahren hat sie 1991 den Friedensnobelpreis bekommen.

Unsicherheitsfaktor Militär

Nach 50 Jahren Militärherrschaft (seit 1962) steht in dem südostasiatischen Land ein demokratischer Umbruch bevor – sofern das Militär („Tatmadaw“) dies wirklich akzeptiert. Denn die Armee behält auch künftig die Kontrolle über wichtige Posten. 25 Prozent der Parlamentssitze gehen zudem laut Verfassung von vornherein an Kandidaten des Militärs. Die Armee bestimmt auch einen der drei Präsidentschaftskandidaten, die beiden anderen werden von den Mitgliedern des Ober- und Unterhauses nominiert.

Myanmar, das Land der tausend Pagoden

Der Staat in Südostasien (Nachbarländer: Laos, Indien, Thailand, China und Bangladesch) hat 51,4 Millionen Einwohner und gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Größte Stadt ist Rangun, Hauptstadt ist Naypyidaw. Es gibt 135 verschiedenen Ethnien, darunter stellen die Birmanen/Myanmare mit rund 70 Prozent die Mehrheit. Ethnische Spannungen gibt es immer wieder mit der muslimischen Minderheit in Myanmar, den Rohingya, sowie mit dem Bergvolk der Karen. Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist mit fast 90 Prozent der Buddhismus. Wegen fehlender Schulen schicken viele Eltern ihre Kinder auf Klosterschulen, weshalb der Einfluss der Mönche in dem Land sehr groß ist. Die Alphabetisierungsrate liegt bei etwa 90 Prozent. 2011 nahm das frühere Birma (oder Burma) den vorletzten Platz im „Transparency International“ Korruptionsindex ein. In der Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit lag Myanmar 2011 noch auf Platz 169 von 179, verbesserte sich aber bis 2014 auf Rang 145 von jetzt 180 Ländern. Besonders China investiert auch aus strategischen Gründen viel Geld in Myanmar.