Hokuspokus Fidibus
Nicht nur für Kinder: Zauberkasten-Ausstellung im Spielzeugmuseum Nürnberg
Nürnberg – In einer sehenswerten Ausstellung „Magische Momente – Zauberkunst in Kinderhand“ widmet sich das Spielzeugmuseum Nürnberg der spannenden Welt der Taschenspielertricks und Zaubervorstellungen im Familienkreis. In Nürnberg wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts Zauberkästen hergestellt.
Kleiner Künstler, großer Auftritt: Das Bild oben zeigt die Deckelillustration eines deutschen Zauberkastens um 1890. Auf dem Bild unten ist ein seltener Zauberkasten aus dem Jahr 1917 der Firma A. C. Gilbert aus New Haven, Connecticut, USA, zu sehen. Die Firma Gilbert gehört zu den produktivsten Zauberkasten-Herstellern der damaligen Zeit. Insgesamt sind von ihr rund 80 verschiedene Zauberkästen bekannt.Bilder (fkn): Spielzeugmuseum Nürnberg/Wittus Witt
Wenn Alexander Lehmann ein Seil zerschneiden will, dann benötigt er weder Schere noch Messer. Eine einfache Fingerbewegung reicht vollkommen aus und das Seil zerfällt in zwei Hälften. Er nimmt die beiden zertrennten Enden in die Hand, eine weitere Bewegung folgt und schon zieht der Nürnberger das Seil wieder am Stück durch die Finger. Applaus brandet auf, während ein Knirps noch ungläubig schaut.
Lehmann steht zwischen Schaukästen im Spielzeugmuseum Nürnberg. Rund 40 Besucher drängen sich um den 19-jährigen Zauberkünstler, der durch die Sonderausstellung führt. Anhand von Kunststücken präsentiert Lehmann, der 2011 zum Deutschen Jugendvizemeister im Bereich Allgemeine Magie gekürt wurde, bei seinem rund einstündigen Rundgang die verschiedenen Ausstellungsexponate.
Los geht es mit kunstvoll gearbeiteten französischen Zauberkästen aus der Zeit um 1880 bis 1900, „die definitiv die schönsten sind“, wie Lehmann sagt. Es folgen aufwändig gedrechselte Inhalte des Nürnberger Zauberkasten-Herstellers C. Baudenbacher, dessen Bestandteile so klangvolle Namen tragen wie Cagliostros Zauberstab, Chinesisches Wetterhäuschen oder Bellachinis Zauberklotz. Aber auch Zauberkästen aus den USA und England sowie ein moderner „Street Magic“-Rucksack mit Straßenzauberkunststücken werden gezeigt.
In der Sonderausstellung erlebt der Besucher die rund 200-jährige Geschichte der Zauberkästen. Sämtliche Exponate stammen aus der Sammlung des Zauberkünstlers, Buchautors und Zauberexperten Wittus Witt, der seit über 30 Jahren „sehr intensiv alles sammelt, was zur Geschichte der Zauberkunst gehört“ und sich als Berufs-Zauberkünstler der Historie verschrieben hat. „Um zu wissen, wo meine Ursprünge liegen“, betont Witt.
Mehrere Tausend Zauberkästen umfasst die Sammlung von Wittus Witt. Für die Sonderausstellung hat er vor allem historische Kästen aus Nürnberg ausgewählt, „da die ersten Zaubergeräte-Hersteller aus Nürnberg kamen“. Zusätzlich werde aber das ganze Spektrum abgedeckt, von klassischen Kunststücken bis zu modernen Exponaten.
Das zeigt auch Zauberkünstler Lehmann bei seiner Führung. Vom Becherspiel über Kartenkunststücke bis hin zur Seifenblasenvorführung präsentiert er eine breite Auswahl an Kunststücken und bringt sein Publikum immer wieder zum Staunen. Absolut sehenswert!
Die kleine, aber sehr informative Sonderausstellung „Magische Momente – Zauberkunst in Kinderhand“ ist noch bis einschließlich 19. Februar im Spielzeugmuseum Nürnberg zu sehen, Karlstraße 13-15. Geöffnet Di-Fr. 10-17 Uhr und Sa/So 10-18 Uhr. Weitere Ausstellungsführungen mit Nachwuchszauberer Alexander Lehmann (www.alex-lehmann.de) finden nochmals an diesem Sonntag, 5. Februar, statt. Beginn um 11 Uhr und um 12.30 Uhr. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.museen.nuernberg.de/spielzeugmuseum.
Frank Gundermann



