Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 63, Nr. 19, 12.Mai 2012

Schwarzer empört über Rot-Grün

Köln – Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer muss um den Fortbestand ihres feministischen Archivs in Köln bangen. Die rot-grüne NRW-Regierung wolle ihr überraschend und drastisch die Förderung für den so genannten FrauenMedia­Turm kürzen, kritisierte Schwar­zer Anfang der Woche.

Damit drohe das Aus für das „in dieser Form weltweit einmalige Frauenarchiv“. Ein Sprecher der Düsseldorfer Lan­desregierung­ sagte dazu, man habe Schwarzer bereits mehrmals darauf hingewiesen, dass eine Kürzung nicht vermeidbar sei. 2008 hatte die schwarz-gelbe Vorgängerregierung dem Archiv – einer gemeinnützigen Stiftung – bis 2017 jährlich 210000 Euro Steuer­mittel zugesagt.

Nachdem das neue Emanzipationsministerium der grünen Ministerin Barbara Steffens schon für 2011 seinen Anteil von 70000 Euro komplett gestrichen hatte, kündigten jetzt die beiden Ministerien für Familie und Wissenschaft eine Halbierung der Zuschüsse für 2012 an. Mit den dann verbleibenden 70000 Euro seien gerade einmal die Betriebskosten zu decken, betonte Schwarzer.

Die Hauptschuldige für die geplante Kürzung sieht die 69-jährige Frauenrechtlerin in Barbara Steffens. „Es ist unübersehbar, dass die Initiative zur Kürzung der FMT-Förderung von ihr ausgegangen ist“, sagte Schwarzer der Rheinischen Post. Die SPD-Ministerinnen Schäfer und Schulze hätten erst elf Monate später nachgezogen.

Der Grund für die grüne ­Kürzungsentscheidung könnte sehr pragmatisch sein. In Köln sei es kein Geheimnis, so Schwarzer, „dass die Grünen 1994 selbst um jeden Preis in den ehemaligen Bayenturm wollten – der dann aber der gemeinnützigen Stiftung FrauenMediaTurm­ zugeschlagen wurde­.“/$$BK

Dominik Sauter
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