Partnerschaften für ein globales Jahrhundert
48. Münchner Sicherheitskonferenz: Demokratische Sicherheitspolitik braucht Debatte – Von Wolfgang Ischinger
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Münchner Sicherheitskonferenz zum wichtigsten Forum für Sicherheitspolitik entwickelt. Lange Zeit hat sich die Konferenz auf den euro-atlantischen Raum konzentriert. Die Weiterentwicklung des transatlantischen Bündnisses, aber auch die Zusammenarbeit mit Russland werden weiterhin zentrale Themen für uns sein. Aber die Welt hat sich gewandelt: Europa ist – anders als zu Zeiten des Kalten Kriegs – nicht mehr der Brennpunkt der Weltpolitik. Andere Akteure, aber auch neue Themen gewinnen an Bedeutung. Nicht zuletzt die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben diese Machtverschiebungen weiter beschleunigt.
Botschafter Wolfgang Ischinger ist Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Bild: ddp
Die neue amerikanische Verteidigungsstrategie trägt dieser Entwicklung Rechnung und betont die Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raumes. Wie Nato-Oberbefehlshaber James Stavridis in Berlin zu Recht bemerkt hat, geht es aber gar nicht so sehr darum, ob wir nun in einem „pazifischen Jahrhundert“ leben. In erster Linie wird das 21. Jahrhundert ein globales Jahrhundert sein. Das bedeutet für uns Europäer, dass auch wir unseren Blick weiten müssen. Bewährte Partnerschaften müssen für das globale 21. Jahrhundert weiterentwickelt, neue müssen aufgebaut werden.
Die transatlantische Partnerschaft muss heute in ihrem globalen Rahmen gesehen werden. Dies heißt nicht, dass die Nato zu einem globalen Akteur werden soll, aber sie ist heute ein Akteur in einer globalen Welt. Schon heute arbeitet die Allianz in Afghanistan oder bei der Pirateriebekämpfung mit Partnern aus der ganzen Welt zusammen.
Weil eine globale Welt globale Partnerschaften erfordert und die sicherheitspolitischen Herausforderungen heute die Zusammenarbeit von viel mehr Akteuren erfordern, werden wir in diesem Jahr neben vielen langjährigen Gästen der Konferenz auch viele neue Gäste in München begrüßen. Dazu gehören Regierungsvertreter aus aufstrebenden Mächten wie China sowie Repräsentanten des Arabischen Frühlings, die über die neuesten Entwicklungen in ihren Ländern berichten werden. Und dazu gehören Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen oder Unternehmen, die ihre Perspektiven auf die Herausforderungen des Klimawandels, der Finanzkrise oder des Cyberspace einbringen werden.
Da eine nachhaltige demokratische Sicherheitspolitik auf eine informierte Debatte angewiesen ist, richtet sich die Konferenz aber nicht zuletzt an die interessierte Öffentlichkeit – mit der Live-Übertragung der Debatten, aber zunehmend auch über die sozialen Medien. Frieden durch Dialog bleibt auch im globalen 21. Jahrhundert unser Leitmotiv.
Die Münchner Sicherheitskonferenz findet vom 3. bis 5. Februar 2012 im Bayerischen Hof in München statt. Die Debatten werden im Internet unter www.securityconference.de (und zum Teil im Bayerischen Rundfunk) live übertragen. Facebook: www.facebook.com/MunSecConf |Twitter: www.twitter.com/MunSecConf



