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Ausgabe: Jahrgang 60, Nr. 10, 7. März 2009

Bayernkurier :: Primadonna und Giftmischerin

Primadonna und Giftmischerin

Stürmisch gefeiert: Edita Gruberova als Lucrezia Borgia in Christof Loys Neuinszenierung
Artikel aus Rubrik KULTUR-MEDIEN
Primadonna und Giftmischerin
Edita GruberovaBild: Staatsoper

München – Wie so oft in italienischen Opern dominiert auch in Donizettis „Lucrezia Borgia“ eine tragische Frauengestalt. Die Tochter des macht- und prunksüchtigen Renaissance-Papstes Alexander VI. diente Victor Hugo als Vorlage für ein Drama. Dieses wiederum lieferte die Basis für das Libretto. Bei Donizettis Werk aber geht es weniger um eine Anklage selbstherrlicher Despotie, sondern mehr um eine Charakterstudie: Eine Frau, die gleichzeitig liebende Mutter und rachsüchtige Furie ist. Gegensätze, Risse und Brüche, wie sie das 19. Jahrhundert liebte.

Die Madonna und Giftmischerin Lucrezia stellt auch Regisseur Christof Loy ins Zentrum seiner Neuinszenierung der Bayerischen Staatsoper. Nach „Roberto Devereux“ hat Loy auch diesmal der großen Belcanto-Diva Edita Gruberova eine Donizetti-Oper auf den Leib geschneidert. Das sparsame und schlichte Bühnenbild (Henrik Ahr) tat ein übriges, um den Fokus auf die Titelfigur noch schärfer ausfallen zu lassen. Eine kluge Entscheidung: Eine historisierende Ausstattung hätte das Werk zum unverdaulichen Schmachtfetzen verkommen lassen. So aber konnte man sich auf „Lucrezia/Edita einlassen: Mit ihrem noch immer ungemein leichten und dynamischen Koloratursopran vermag es die Gruberova trotz ihrer mittlerweile 62 Jahre, das gesamte Publikum in ihren Bann zu ziehen – vor allem in den lyrischen Piano-Passagen. Der Dank der Münchner Opernliebhaber und ein frenetischer Jubel ist ihr dafür in jeder Aufführung sicher.

Der wunderbare Musikabend lebt aber nicht nur von der Gruberova allein, sondern auch von dem Ehekrieg, den Lucrezia mit Don Alfonso (wunderbar durchsetzungsfreudig: Franco Vasallos Bass) austrägt, und nicht zuletzt natürlich durch ihre heimlichen Bande zu ihrem Sohn Gennaro (Pavol Breslik), der letzten Endes durch die Giftmischerin Lucrezia, seine eigene Mutter, stirbt. Eine weitere sich durch das etwas sperrige Stück ziehende Konstante ist die Männerfreundschaft von Gennaro zu Maffio Orsini. Die Hosenrolle füllte die britische Altistin Alice Coote mit Bravour aus.

Franz Niedermaier

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