Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 36, 11. September 2010
RUAG knüpft an alte Dornier-Erfolge an
In Oberpfaffenhofen werden wieder Flugzeuge gebaut: Neue Generation der Do 228 geht an den Start

Oberpfaffenhofen – Es war wie in der guten alten Zeit: „Flieger, grüß’ mir die Sonne, grüß’ mir die Sterne und grüß’ mir den Mond“, schallte es aus der Flugzeughalle, als drei Maschinen des Typs Dornier 228 im Formationsflug den Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen (Landkreis Starnberg) überquerten. Eine davon ist brandneu: die Do 228 New Generation (NG). Der Schweizer Technologiekonzern RUAG Aerospace hat mit ihr dem deutschen Flugzeugbau neues Leben eingehaucht – seit der Pleite von Fairchild Dornier im Jahr 2002 hatte in Oberpfaffenhofen keine neue Maschine mehr die Werkshallen verlassen.
„Ich habe bei mir zu Hause eine Dornier-Krawatte gefunden und sie heute mit Stolz nochmal angezogen“, sagte etwa Volkert Harbers, Chef des Flugbetriebs des benachbarten Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), beim Rollout. Er sprach damit vielen ehemaligen „Dornianern“ aus der Seele, die in Oberpfaffenhofen den Flugzeugbau erlernt haben und zum Teil noch heute für die RUAG die Dornier-Maschinen zusammenschrauben und warten.
Nach ihrem Erstflug 1981 hatte die bewährte Do 228 im Jahr 1998 neuen Modellen weichen müssen: Statt auf den robusten Flieger, dem keine Landebahn zu kurz ist und der vor allem in Indien viele Abnehmer findet, setzte das zu dieser Zeit als „Fairchild Dornier“ firmierende Unternehmen auf die Modelle Do 328 und Do 728. Die Entwicklung der neuen Flugzeuge verschlang Milliarden, 2002 folgte die Insolvenz. Fairchild Dornier wurde zerschlagen, doch die Do 228 lebte weiter: Die RUAG erwarb alle Rechte an dem Modell und betreute in Oberpfaffenhofen die Do 228-Kunden weiter.
RUAG-Geschäftsführer Wolfgang Neumann gab sich damit nicht zufrieden. Zunächst sei er belächelt worden, erzählte er beim Rollout. Doch die Konzernführung in der Schweiz hatte ein offenes Ohr für ihren Oberpfaffenhofener Chef: Nach nur neun Monaten erhielt Neumann im Oktober 2007 grünes Licht, die Do 228 NG auf den Weg zu bringen. 130 Mitarbeiter sind für das Projekt abgestellt.
RUAG-Vetriebschef Wolfgang Kofen sieht „gigantische Chancen“ für das neue Modell, das jetzt mit lärmarmen Fünfblatt-Propellern und einem hochmodernen Innenleben samt neuem digitalem Glascockpit ausgestattet worden ist. Im Einsatz sind Do228-Maschinen vor allem im asiatischen und pazifischen Raum. Die erste Do 228 NG wird im März 2010 an einen japanischen Kunden ausgeliefert. Drei weitere sollen noch im selben Jahr folgen.Rüdiger Lorenz




