Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 35, 04. September 2010
Mehr Geld für Verkehrswege
Bauindustrie will zw ölf Milliarden – Plus bei öffentlichen Aufträgen
Berlin/München – Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat sich der maroden Verkehrsinfrastruktur in den alten Bundesländern angenommen. Auch die bayerische Bauindustrie sieht großen Nachholbedarf im Westen.
„Wegen der berechtigten enormen Infrastruktur-Anstrengungen im Osten mussten viele Verkehrsinfrastruktur-Projekte im Westen verlangsamt werden. Hier besteht Nachholbedarf, der befriedigt werden muss“, sagt Thomas Bauer, Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes. „In Bayern benötigen wir mehr und bessere Ost-West-Verbindungen, sowohl Straßen als auch Schienenwege. Als bedeutender Exporteur braucht Bayern bessere Schienenverbindungen zu den Nordseehäfen und zu den Südhäfen Koper und Rijeka an der Adria.“
Um die Verkehrsinfrastruktur zu sanieren und nachhaltig auszubauen, fordert Bauindustrieverband-Präsident Bauer, den Bundesbauetat zu erhöhen. Dieser hat sich in den vergangenen Jahren bei knapp zehn Milliarden Euro jährlich eingependelt. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass der Bundesbauetat auch nach Auslaufen der Konjunkturprogramme mit mindestens zwölf Milliarden Euro jährlich ausgestattet ist.“
Auch die Binnenschifffahrt dürfe beim Ausbau der Verkehrswege nicht vernachlässigt werden, fordert Bauer: „Wir müssen endlich den Donauausbau vollenden. Wenn die 69 Kilometer lange Strecke zwischen Straubing und Vilshofen endlich ausgebaut wäre, könnte die Donau die Transportkapazität einer vierspurigen Autobahn übernehmen. Das wären täglich 3000 Lastwagen weniger auf den Straßen.“
Insgesamt wurde die Bauindustrie dank öffentlicher Aufträge aus den Konjunkturprogrammen nicht ganz so schlimm von der Finanzkrise getroffen wie andere Branchen. Laut Bauindustrieverband-Sprecher Josef Wallner verzeichnete die bayerische Bauindustrie von Januar bis August 2009 einen Auftragsrückgang von 2,9 Prozent. Nur die Aufträge aus öffentlicher Hand nahmen zu, und zwar um 6,7 Prozent. Besonders profitiert davon der Straßenbau (plus 7,6 Prozent) sowie der sonstige Tiefbau (kommunale Aufträge, Kanalarbeiten; plus 11,4 Prozent). Im August 2009 beschäftigte die bayerische Bauindustrie 131000 Menschen, gegenüber dem Vorjahresmonat ist das ein Rückgang von nur 0,3 Prozent.
Im Vergleich mit dem Jahr 1994 sind diese Zahlen allerdings in einem anderen Licht zu sehen. Damals waren 243000 Menschen im Bauhauptgewerbe beschäftigt. „In Bayern hat sich die Zahl der Bauarbeiter in den vergangenen 15 Jahren fast halbiert“, stellt Wallner fest. In ganz Deutschland sank die Zahl der Bauarbeiter im gleichen Zeitraum um mehr als 50 Prozent von 1,45 Millionen auf 705000.
Florian Christner




