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Report Thema:
Pharma - Biotechnologie

Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 35, 04. September 2010

Report Thema: Pharma - Biotechnologie

 

Wir brauchen klare Klimaschutz-Ziele

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen muss ein Nachfolgeabkommen f ür das Kyoto-Protokoll beschließen – Von Markus Söder
Wir brauchen klare Klimaschutz-Ziele
Wer zu kurz

Die Welt blickt erwartungsvoll auf die Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen. Und das mit Recht. Denn das Ziel des Weltklimagipfels ist kein geringeres als eine international verpflichtende Regelung für einen umfassenden Klimaschutz. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Ein Nachfolgeabkommen ist unabdingbar. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für eine gesunde und saubere Umwelt, in der unsere Kinder und Kindeskinder auch in Zukunft leben können. Deshalb sind die hohen Erwartungen berechtigt, die an das Treffen der Vereinten Nationen gestellt werden.

Wir müssen jetzt die Chance nutzen, einen gemeinsamen Weg der Weltgemeinschaft hin zu einem nachhaltigen und effektiven Klimaschutz zu finden. Der Weg muss von allen mitgetragen werden, selbst von den USA oder Schwellenländern wie Indien und China. Denn wenn die Finanzkrise lange vorbei sein wird, stehen wir immer noch vor den Herausforderungen des Klimawandels.


Die Folgen durch die klimatischen Veränderungen sind nicht mehr zu kaschieren. In den vergangenen 100 Jahren ist eine Erd­erwärmung um fast ein Grad Celsius zu beobachten. Die Prognosen des Weltklimarates sagen eine Erwärmung von bis zu sechs Grad Celsius vorher, wenn wir so weitermachen wie bisher. Jetzt nicht zu handeln, wäre nicht nur fahrlässig, sondern fatal!

Um die Folgen des Klimawandels in Grenzen zu halten, sieht es die Weltgemeinschaft für erforderlich an, die globale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel muss in Kopenhagen klar untermauert werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass klimastabilisierende Systeme wie der Regenwald im Amazonasgebiet oder das Eis auf Grönland auf lange Zeit irreversibel zerstört werden und die Folgen davon nicht mehr beherrschbar würden.


Auch in Bayern sind die Veränderungen im Zuge des Klimawandels bereits spürbar. Während der Norden Bayerns eher von Trockenheit und Wasserknappheit gekennzeichnet ist, gibt es im Süden zuviel Wasser bis hin zu Hochwasser. Extrem­ereignisse wie Stürme, Dürreperioden oder Starkregen haben an Häufigkeit und Ausmaß zugenommen.

Vor allem in Südbayern macht sich die Erderwärmung bemerkbar. Die Alpenregion ist besonders betroffen. Die Temperaturen im Gebirge sind in den vergangenen 100 Jahren doppelt so stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt. Die Gletscher haben seit 1850 die Hälfte ihrer Fläche verloren. Wenn wir jetzt nicht wirksam den Klimaveränderungen entgegentreten, könnten unsere Gletscher in 20 bis 30 Jahren Geschichte sein.

Bayerische Erwartungen an den Weltklimagipfel: Um ernsthaft ein festes Fundament für die Klimapolitik der Zukunft zu legen, reicht eine reine politische Willensbekundung nicht aus. Auch US-Präsident Barack Obama muss beweisen, dass er sein Land aus der klimapolitischen Schockstarre lösen kann. Es reicht nicht aus, nur Ziele für das Jahr 2050 festzulegen. Wir brauchen klare Zwischenziele für die Jahre 2020, 2030 und 2040. Dafür müssen länderspezifische Pläne für ein emissions­armes Wachstum entwickelt wer­den. Hochwertige Mess-, Melde- und Prüfungswesen sollen die nationalen Emissions­niveaus erfassen.

Entscheidend ist auch, die Zeiten, in denen man sich zu Emissionseinsparungen verpflichtet, mit den Investitionszyklen der Wirtschaft in Einklang zu bringen. Unternehmen brauchen klare Perspektiven, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen. Das ermöglicht die Realisierung gerade neuer zukunftsträchtiger Umwelttechnologien. Wer zu kurz denkt, blockiert den Fortschritt.


Emissionshandel: Ein globales Emissionshandelssystem mit einer festen Emissionsobergrenze (Cap-and-Trade-System) ist dringend erforderlich. Für ein einheitliches Vorgehen sollten auch die (bestehenden) Emissionshandelssysteme zum Beispiel der EU und der USA verknüpft werden.


Technologietransfer und Anpassung in Entwicklungsländern: Bei den Weltklimakonferenzen sind sich die Länder einig geworden, dass die Industrienationen den Entwicklungslän­dern bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels helfen sollen. Hierfür wird ein Anpassungsfonds eingerichtet. Eine weitere Hilfsmöglichkeit stellt der Austausch von Technologien und Wissen dar. Für die Finanzierung dieser Transfermaßnahmen muss ein Verteilungsschlüssel festgelegt wer­den. Dieser sollte sich am Emissionsniveau und dem Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Entwicklungslandes bemessen.


Minderung von Treibhausgas­emissionen und Anpassung in den Regionen: Um eine Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu erzielen, dürften bis zum Jahr 2050 maximal noch 750 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gebracht werden. Dies entspricht einer Kugel mit einem Durchmesser von neun Kilometern oder der Höhe des Mount Everest.

Die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen müssen bis zum Jahr 2050 halbiert werden. Für die Industriestaaten bedeutet dies eine Reduktion um mindestens 80 Prozent. In einem neuen internationalen Klimaschutzabkommen muss deshalb viel stärker die tragende Rolle der subnationalen Regierungen betont werden. Bis zu 80 Prozent der Emissionsminderungsmaßnahmen erfolgen auf regionaler Ebene.


Bayern sorgt vor: Bayern hat mit dem Klimaprogramm 2020 und seiner Bayerischen Klima-Anpassungsstrategie bereits Vorsorge getroffen. Das Hochwasserschutz-Aktionsprogramm 2020 wird durch einen Klimaänderungsfaktor dynamisch angepasst. Etliche Maßnahmen zur Vorsorge gegen Dürre und Trockenheit wurden ergriffen. Mit Hilfe eines Waldumbauprogramms sollen bis zum Jahr 2020 von den 260000 Hektar akut gefährdeten Fichtenbeständen im Privat- und Körper­schaftswald 100000 Hektar in klimatolerante Mischwälder um­­gebaut werden. Zusätzlich werden die Schutzmaßnahmen im Bergwald erhöht. Im Naturschutz hat Bayern ein Sonderprogramm zur Stabilisierung der biologischen Vielfalt und von Ökosystemen gestartet. Hierbei werden beispielsweise 50 Moore renaturiert. Ein Programm zur Eindämmung von Georisiken soll vor allem im Alpenraum den Schutz vor geo­logischen Risiken erhöhen. Ziel der Bayerischen Klima-Anpassungsstrategie ist es, Bayern gemeinsam mit allen Akteuren „klimasicher“ zu machen.


Das Bayerische Klima-Anpassungsprogramm ist für Bayern ein wichtiger Schritt. Um weltweit den Klimaschutz voranzubringen, bedarf es allerdings vergleichbarer Strategien in allen anderen Ländern. Dies sollte auf dem Weltklimagipfel der Vereinten Nationen auf den Weg gebracht werden. Kyoto kann nicht 2012 enden. Unsere gemeinsame Verantwortung für unsere Natur tut es auch nicht.


Der Autor ist Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit.


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