Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 34, 28. August 2010
Diktiergeräte „Made in Germany“
Bayerns erfolgreicher Mittelstand: Grundig Business Systems, Bayreuth
Bayreuth – Es gibt sie noch, Produkte von Grundig aus deutscher Fertigung, auch wenn es das Reich des 1989 gestorbenen Nürnberger Unternehmers Max Grundig schon lange nicht mehr gibt. In Bayreuth produziert die Grundig Business Systems GmbH Diktiergeräte – ausschließlich „Made in Germany“.
Die Bürokommunikation war für Grundig bis zur Pleite im Frühjahr 2003 lediglich ein Randbereich und fiel in dem Unterhaltungsgeräte-Konzern kaum ins Gewicht, obwohl sie Marktführer bei professionellen Diktiergeräten war. Ein vielleicht glücklicher Umstand. Denn schon zu Konzern-Zeiten waren die Randbereiche profitabel und kamen auf eigenen Beinen gut zurecht. Heute ist die Grundig Business Systems GmbH (GBS) neben Philips und Olympus der bekannteste Anbieter von Diktiergeräten und der einzige, der ausschließlich in Deutschland produziert.
GBS entstand, als die Bürokommunikations-Sparte 2001 aus dem Grundig-Konzern ausgegliedert und zwei Jahre später von der Münchner Investorengruppe Induc übernommen wurde. Die neuen Eigentümer bauten die Firma kräftig um. Seitdem wächst das Unternehmen mit seinen 120 Mitarbeitern langsam, aber stetig. Der Umsatz liegt bei etwa 20 Millionen Euro, erklärt Geschäftsführer Roland Hollstein. „Und wenn sich die Geschäfte langfristig so weiterentwickeln wie bisher, ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir unsere Mitarbeiterzahl anheben können.“ Dies zumal sich auch die Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien und den USA recht vielversprechend entwickelten.
Noch immer werden Diktiergeräte hauptsächlich von Juristen und Ärzten sowie Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung benutzt, erläutert Hollstein. Was ein großer Vorteil sei, weil diese Klientel relativ rezessionsunabhängig und auch gewillt sei, Qualität und Service zu honorieren. Rund 40 bis 50 Prozent des Umsatzes erzielt das Unternehmen, das über die Jahre weltweit über 4 Millionen Diktiersysteme verkauft hat, noch immer mit analogen Geräten. Hollstein: „Seit langem totgesagt, machen wir immer noch gute Geschäfte damit. Das hat auch etwas mit der Macht der Gewohnheit bei den Benutzern zu tun.“ Je mehr Technik sich im Büro und je jünger und damit IT-affiner die Kunden aber seien, um so häufiger werde dann dem digitalen Gerät der Vorrang eingeräumt.
Vorteile dieser digitalen Systeme sind unter anderem die nahezu beliebig lange Aufnahmezeit, dass in das bereits gesprochene Diktat noch Textpassagen einfügt werden können und dass sich die Diktate vom Gerät aus direkt in den Computer einlesen lassen. Der Rechner wandelt die Sprachdateien in Textdokumente um. Eine Technik, die vor allem für solche Nutzer besonders interessant ist, die viel unterwegs sind.
Seit 1954 mit der Stenorette A das erste Diktiergerät auf den Markt kam, hat Grundig kontinuierlich seine Sprachverarbeitungslösungen optimiert und ist oft Vorreiter auf seinem Gebiet. Zum Beispiel hat GBS 2008 als erstes Unternehmen weltweit ein kabelloses Diktiermikrofon auf den Markt gebracht, wofür es mit dem Innovationspreis-IT 2009 der Initiative Mittelstand ausgezeichnet wurde. „Das ist es, was wir wollen“, sagt Hollstein stolz. „Wir wollen ein Technologie- und Innovationsführer in unserer Branche sein.“
Ein weiterer Vorteil, so Hollstein, der sich klar zum Standort Deutschland bekennt, sei die Produktion in Bayreuth. „Mit unserem Werk sind wir nah an den Kunden dran. Das zahlt sich aus.“ So könne man schnell auf Kundenwünsche reagieren, denn immerhin seien 35 bis 40 Prozent der Kunden in Deutschland ansässig. Und: „Wir haben ein langjähriges technisches Know-how, das es uns ermöglicht, die Qualität zu produzieren, die der Kunde beim Namen Grundig erwartet.“
Christine Popp




