Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 36, 11. September 2010
Report Thema: Regierungsbezirk Schwaben
Bio-Boom in Bayern
Fast jeder dritte deutsche Ökobetrieb liegt im Freistaat – Brunner: Höchste Flächenprämie aller Bundesländer
München – Weil im Freistaat immer mehr Bauern auf ökologische Landwirtschaft umstellen, können diese von den Verbrauchern immer stärker nachgefragten Lebensmittel zunehmend direkt vor der Haustür erzeugt werden.
Der ökologische Landbau hat in Bayern während der zurückliegenden Jahre einen kräftigen Aufschwung genommen. Allein im vergangenen Jahr haben im Freistaat mehr als 600 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 18 000 Hektar Fläche vom konventionellen auf den Ökolandbau umgestellt.
Mit diesem Rekordzuwachs von fast 12 Prozent hat Bayern seine Spitzenstellung in Deutschland weiter ausgebaut. Heute ist fast jeder dritte deutsche Ökobetrieb im Freistaat beheimatet. Waren es 1978 noch 114 Betrieb, die nach der EG-Öko-Verordnung wirtschafteten, ist ihre Zahl nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums inzwischen auf 5800 angestiegen, die rund 170 000 Hektar bewirtschaften. Das entspricht 4,8 Prozent der Bauernhöfe und 5,3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.
Dass die Öko-Betriebe meist durch Zupachtung tendenziell größer sind als die herkömmlichen, liegt daran, dass sie weniger Hektar-Ertrag erwirtschaften. Die traditionelle Landwirtschaft wirft bis zu einem Drittel mehr Einkommen ab. Die dennoch zunehmende Ausrichtung auf den Ökolandbau führt Landwirtschaftsminister Helmut Brunner denn auch nicht zuletzt auf die verbesserte finanzielle Förderung zurück: „Die Zahlen sind ein Beleg dafür, dass Bayern die richtigen Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau gesetzt hat.“
So erhalten seit Anfang 2008 umstellungswillige Landwirte in der ersten schwierigen, zweijährigen Übergangsphase eine Prämie von 300 Euro pro Hektar und Jahr statt zuvor 190 Euro. Und auch für die Zeit danach wurde die staatliche Förderung auf um 20 auf 210 Euro angehoben. „Das ist die höchste Flächenprämie aller Bundesländer“, so Brunner. Wobei der Freistaat bereits 1978 „als erstes Land mit der Förderung des ökologischen Landbaus begonnen“ habe.
Die bayerischen Vorgaben sind dabei noch strenger als die der EU. Dazu gehört die Gesamtbetriebsumstellung, was bedeutet, dass es auf einem Öko-Hof keine herkömmlichen Teilbereiche geben darf. Zudem besteht Bayern auf einer viergliedrigen Fruchtfolge sowie erheblichen Einschränkungen von Futter- und Düngemitteln.
Zugute kommt den Öko-Bauern dabei auch, dass viele Bundesbürger trotz Wirtschaftskrise und der höheren Preise nicht auf Bio-Produkte verzichten wollen. So stieg der Umsatz mit Bio-Lebensmittel 2008 nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft um etwa 10 Prozent auf rund 5,8 Milliarden Euro. Und neben den Kunden habe längst auch der Handel zunehmend mehr Interesse an Bio-Produkten.
In dem stetig wachsenden Markt können auch die bayerischen Molkereien hohe Zuwachsraten verzeichnen. Allein im ersten Halbjahr 2008 verkauften sie 16 Prozent mehr Bio-Frischmilch als zur gleichen Zeit des Vorjahres, berichtet die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Derzeit verfügten 20 Molkereibetriebe über ein Biosortiment und machten damit den Freistaat zum Spitzenreiter in Deutschland. Ob Birchermüesli, Joghurt oder Käse – die Vielfalt der Produkte lässt keine Wünsche offen.
Dankward Seitz




