Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 36, 11. September 2010
Report Thema: Regierungsbezirk Schwaben
Branche im Crash-Test
Wirtschaftskrise erfasst Autoindustrie, Zulieferer und Kfz-Gewerbe
München – Der Bankenkrise folgt die Auto-Krise: Auch Zulieferer und Kfz-Händler kommen jetzt zunehmend in Schwierigkeiten.
Wie dramatisch sich die Lage der Autobauer mittlerweile zugespitzt hat, zeigt die Bitte der Opel AG, Tochter des von der Pleite bedrohten US-Autokonzerns General Motors, um eine staatliche Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Zugleich stellt sich das Traditionsunternehmen auf ein noch schwierigeres Jahr 2009 ein. Statt 1,7 Millionen Autos sollen von den 26 000 Mitarbeitern in den fünf Opel-Werken künftig nur noch rund 1,5 Millionen produziert werden.
Doch es ist nicht Opel. Angesichts drastisch sinkender Absatzzahlen werden auch bei Daimler, VW, Ford, BMW und Audi die Bänder angehalten und Investitionen zurückgestellt. In Bayern sind davon nicht nur die 100 000 BMW- und Audi-Beschäftigten betroffen, sondern auch 200 überwiegend mittelständische Zulieferer aus verschiedenen Branchen mit über 82 000 Mitarbeitern.
Mit entsprechenden Folgen für die bayerische Wirtschaft: „Fast jeder vierte Arbeitsplatz der deutschen Autoindustrie liegt in Bayern“, erläutert Frank Sedlak vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Und: „15 Prozent aller Industrie-Arbeitsplätze im Freistaat sind in dieser Branche zu finden, die über ein Viertel des Umsatzes der bayerischen Industrie erwirtschaften.“
Viele bayerische Autozulieferer berichten bereits von zum Teil erheblichen Auslastungsschwierigkeiten. So zum Beispiel bei der Regensburger Conti Automotive, deren 4000 Mitarbeiter unter anderem Innenelektronik und Airbags herstellen, bei dem Dieselpumpen-Produzenten VDO in Roding mit 700 Beschäftigten oder bei Vogt-Elektronik (190 Mitarbeiter) in Erlau.
In kaum einer anderen Branche sind Hersteller und Zulieferer so von einander abhängig. Da die meisten „just in time“ produzieren, haben sie keine Arbeit mehr, wenn die Bänder bei ihren Abnehmern still stehen. Statt mit Stellenabbau versucht man vorerst fast überall noch mit Stundenabbau und Kurzarbeit über die Runden zu kommen.
Bei BMW bemüht man sich deshalb inzwischen darum, Lieferanten zu helfen. „Wir haben schon mehrere Anfragen auf dem Tisch, ob wir kurzfristig aushelfen könnten“, berichtet Einkaufschef Herbert Diess. Zumal viele Betriebe Verträge für Modelle haben, die erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen sollen, aber schon jetzt dafür investieren müssen.
Die Krise setzt auch das Kfz-Gewerbe massiv unter Druck. „Wenn sich die Situation nicht bessert, ist in unseren Betrieben jeder zehnte Arbeitsplatz in Gefahr“, fürchtet Klaus Dieter Breitschwert, Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Bayern. Die Hoffnung des CSU-Abgeordneten ruht nun auf dem „Mittelstandsschirm“, mit dem die Staatsregierung unter anderem den Liquiditätsschwierigkeiten vieler Kfz-Händler begegnen will.
Dankward Seitz




