Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 34, 28. August 2010
Rezession packt alle
Krise erfasst Konzerne und Mittelstand – Seehofer kämpft für Autobranche in Bayern
München – Die Finanzkrise hat die Realwirtschaft erfasst. Vor allem die Autobranche kämpft mit Absatzeinbrüchen.
„Was sich abspielt, erinnert an einen Tsunami“, meint Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Das Tempo, mit dem die Krise eine Branche nach der anderen erfasst, sei auch Folge der Globalisierung. Die Nachrichten sind alarmierend: So will BASF auf den massiven Nachfragerückgang mit der vorübergehenden Stilllegung von 80 Werken reagieren. Beim Autobauer Opel ringt man ums Überleben. Ob unternehmensinterne Maßnahmen wie niedrigere Managerlöhne oder kürzere Arbeitszeiten ausreichen, ist fraglich. Der Ruf nach staatlichen Geldern jedenfalls stößt auf Kritik. Michael Glos verweist auf Kapital, das der US-Mutterkonzern GM Opel schuldet: „Wir hoffen, dass mit der Hilfe des künftigen Präsidenten Obama GM in die Lage versetzt wird, dieses Geld an Opel vollständig zurückzuzahlen.“ Der CSU-Minister lehnt es dagegen ab, Unternehmen, die es versäumt haben, sich an Marktveränderungen anzupassen, Steuergelder hinterher zu werfen.
Ministerpräsident Horst Seehofer plädiert für Lösungen zugunsten bayerischer Betriebe. Bei einem Spitzentreffen mit Audi-Chef Ruppert Stadler sprach der CSU-Chef vor allem über die mittelständischen Zulieferbetriebe und die Kfz-Händler, die von der schwierigen weltwirtschaftlichen Gesamtlage besonders betroffen sind. Seehofer: „Ein großer und innovationsstarker Automobilhersteller wie Audi ist aufgrund von Kapitalkraft und flexiblen Beschäftigungsmodellen in der Lage, spürbare Absatzrückgänge auf dem Weltmarkt vorübergehend aufzufangen.“ Die überwiegend mittelständisch geprägte Zulieferwirtschaft habe diese Spielräume nicht.
Bayern will deshalb darauf drängen, den „Bankenschirm“ der Bundesregierung um einen Mittelstandsschirm zu ergänzen. Dazu soll neben der bundeseigenen KfW-Förderbank die LfA-Förderbank Bayern alle Spielräume ausschöpfen, „um finanzielle Engpässe mittelständischer Betriebe möglichst zu vermeiden“.
Druck will Seehofer auch bei der Kfz-Steuer machen: „Wir brauchen möglichst schnell eine klare und verlässliche Ausgestaltung der Kfz-Steuer in Abhängigkeit vom CO2-Ausstoß.“ Das nutze der gesamten Autobranche mehr als komplizierte Anreizprogramme, die die Käufer gar nicht verstünden.
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